„Anstaunen ist auch eine Kunst. Es gehört etwas dazu, Großes als groß zu begreifen.“
 

Wie verbessern wir Bildung?

Digi­ta­li­sier­te Pro­zes­se, gu­te IT-Aus­stat­tung und on­line un­ter­rich­ten kön­nen, dar­um geht es doch bei gu­ter Bil­dung heu­te, oder? Viel zu kurz ge­dacht, sa­gen un­se­re Expert:innen und Leser:innen. Sind Fak­to­ren wie Bin­dung oder Be­geis­te­rung beim Bil­dungs­er­folg nicht ge­nau­so wich­tig, wenn nicht so­gar wich­ti­ger? Auch beim The­ma Di­gi­ta­li­sie­rung geht es nicht nur um Aus­stat­tung mit Ta­blets und WLAN, son­dern auch dar­um, dass Kin­der und Ju­gend­li­che ler­nen, die di­gi­ta­le Welt „auch zu ge­stal­ten und zu prä­gen“, so der Ap­pell der Bil­dungs­ex­per­tin Ve­re­na Paus­der. Denn di­gi­ta­les Ler­nen heißt nicht, ana­lo­ge Me­tho­den in die di­gi­ta­le Welt zu über­set­zen, weiß der Bil­dungs­for­scher Kai Maaz. Dass das nicht in Ki­ta und Schu­le auf­hört und auch auf dem spä­te­ren Le­bens­weg wich­tig bleibt, le­sen Sie auf die­ser Seite. 

Maike Finnern 

Vor­sit­zen­de Ge­werk­schaft Er­zie­hung und Wis­sen­schaft (GEW)

Ausgleich schaffen

Das Bil­dungs­we­sen in Deutsch­land ist seit Jah­ren un­ter­fi­nan­ziert. Die Fol­gen spü­ren die Men­schen von der Ki­ta, über die Schu­len und Hoch­schu­len bis in die Fort- und Wei­ter­bil­dung. Es wird im­mer schwie­ri­ger, ei­ne ho­he Qua­li­tät der An­ge­bo­te si­cher­zu­stel­len. Trotz des ho­hen En­ga­ge­ments der Päd­ago­gin­nen und Päd­ago­gen. Sie be­zah­len gu­te Qua­li­tät oft mit ih­rer Ge­sund­heit. Da­zu kommt: Gel­der, die der Bund für die Schu­len gibt, kom­men nicht da an, wo sie am drin­gends­ten be­nö­tigt wer­den: in be­nach­tei­lig­ten Stadt­vier­teln und Re­gio­nen, bei ar­men Fa­mi­li­en. Der Grund: Die Mit­tel wer­den nach dem Kö­nig­stei­ner Schlüs­sel ver­teilt. Die­ser funk­tio­niert je­doch nach dem Mat­thä­us-Prin­zip: Wer hat, dem wird ge­ge­ben. Des­halb hat die GEW ei­nen neu­en Ver­tei­lungs­schlüs­sel ent­wi­ckelt, der stark so­zia­le Kri­te­ri­en be­rück­sich­tigt. Er folgt der Leit­li­nie: Un­glei­ches muss un­gleich be­han­delt wer­den. Denn Bil­dungs­er­folg und Le­bens­chan­cen der Men­schen dür­fen nicht von der Post­leit­zahl ab­hän­gen. Zu­dem muss die Po­li­tik den dra­ma­ti­schen Fach­kräf­te­man­gel end­lich ernst­haft be­kämp­fen. Die Man­gel­si­tua­ti­on wird der­zeit auf dem Rü­cken der Lehr­kräf­te und Er­zie­hen­den aus­ge­tra­gen. Das ist un­ver­ant­wort­lich und wird nicht lan­ge gut­ge­hen. Zu­dem be­steht die Ge­fahr, dass ge­sell­schaft­lich zen­tra­le Pro­jek­te wie der Aus­bau des Ganz­tags, die In­klu­si­on oder die Di­gi­ta­li­sie­rung vor die Wand ge­fah­ren wer­den, weil es für ei­ne qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Um­set­zung viel zu we­ni­ge Fach­kräf­te gibt. 

Mitten im Wandel

Co­ro­na hat die Ver­letz­bar­keit un­se­rer Schu­len of­fen­ge­legt. Wir ha­ben er­lebt, dass Wis­sens­rück­stän­de ver­grö­ßert und vie­le Fa­mi­li­en aus ih­rem Gleich­ge­wicht ge­kom­men sind. Dar­um tre­ten wir so ve­he­ment für das Of­fen­hal­ten der Schu­len ein. Co­ro­na hat Lehr­kräf­te und Schul­lei­tun­gen vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen ge­stellt. Wir ha­ben aber auch er­lebt, wie groß­ar­tig vie­le Schu­len die be­las­ten­de Si­tua­ti­on ge­meis­tert ha­ben. Und wir ha­ben ei­nen spür­ba­ren Schub an Di­gi­ta­li­sie­rung in den Bil­dungs­ein­rich­tun­gen be­ob­ach­tet. Nun geht es dar­um, die­sen Schwung mit­zu­neh­men, um Bil­dungs­pro­zes­se im Sin­ne der Ler­nen­den zu trans­for­mie­ren. Das be­deu­tet, die Schu­len mit In­fra­struk­tur und Ge­rä­ten aus­zu­rüs­ten, vor al­lem aber in Lehr-Lern-Pro­zes­se für ei­ne Kul­tur der Di­gi­ta­li­tät zu in­ves­tie­ren. Zum Kom­pe­tenz­er­werb in den ein­zel­nen Fä­chern tritt über­grei­fend der Er­werb di­gi­ta­ler Kom­pe­ten­zen hin­zu. Für ei­ne Schu­le der Zu­kunft geht es aber um noch viel mehr. Schu­le ist ne­ben der Fa­mi­lie der Ort für ei­ne ge­lin­gen­de Per­sön­lich­keits­bil­dung. Gu­ter Un­ter­richt zeich­net sich durch Me­tho­den­viel­falt, ei­ne Mi­schung aus Wis­sens­ver­mitt­lung und ei­ge­nem Er­ar­bei­ten aus. Um un­se­re Kin­der bes­tens auf die Zu­kunft vor­zu­be­rei­ten, soll­ten wir die Au­to­no­mie der Schu­len stär­ken und die Ganz­heit­lich­keit der Bil­dung in den Blick neh­men. Ei­ne Ganz­heit­lich­keit, die Krea­ti­vi­tät, Neu­gier und Of­fen­heit för­dert. Und die ge­prägt ist vom Ver­trau­en, dass Kin­der ih­ren Weg ge­hen, wenn sie be­geis­tert sind. 

Karin Prien 

Prä­si­den­tin Kultusministerkonferenz 

Adrian Staudacher 

Leser 

Lebensfähig werden

Heu­ti­ge Schüler:innen sind er­fah­ren in der di­gi­ta­len und ent­frem­det von der rea­len Welt. Bil­dung soll­te da­her die Be­zü­ge zur rea­len Welt ver­stär­ken. Denn es geht nicht um ein be­zie­hungs­lo­ses Ler­nen von Cy­ber­kom­pe­ten­zen, son­dern um Bil­dung fürs Le­ben als zu­künf­ti­ger Er­wach­se­ner. Jun­ge Men­schen soll­ten durch prak­ti­sche Er­fah­run­gen früh die drei Grund­be­din­gun­gen des Wirt­schaf­tens be­grei­fen. Das sind in die­ser Rei­hen­fol­ge: die end­li­chen oder auch nach­wach­sen­den Roh­stof­fe der Er­de, die mensch­li­che Ar­beits- und Schaf­fens­kraft nebst den da­zu­ge­hö­ren­den Tech­ni­ken und der Ver­stand, der die Tech­ni­ken wei­ter­ent­wi­ckelt und die Kul­tur hü­tet und be­flü­gelt. Da­für müs­sen sie wie­der in Wäl­dern und auf Fel­dern (mit-)arbeiten, bau­en, bud­deln, for­schen. Die Fä­hig­keit, zu le­ben, soll das Ziel von Bil­dung sein. Die Zu­kunft ist aus Er­wach­se­nen­sicht ge­gen­wär­tig dys­to­pisch. Um zu ver­ste­hen, wie wir Bil­dung ver­bes­sern kön­nen, soll­te die Wirk­lich­keit der Ler­nen­den und der Leh­ren­den in Au­gen­schein ge­nom­men wer­den. Leh­ren­de soll­ten drei Hal­tun­gen mit­brin­gen: De­mut vor der Zu­kunft, die in den jun­gen Men­schen an­ge­legt ist, Tat­kräf­tig­keit, um das Bild des tä­ti­gen Men­schen vor­le­ben zu kön­nen, und Neu­gier­de, da­mit sie auch als Leh­ren­de (mit-)lernen. Schüler:innen könn­ten die Welt dann als tä­ti­ge Men­schen erfahren. 

Bereit fürs Leben

Kompetenzerwerb und seine Rolle im Unterricht

Quel­le: ifo Institut 

Peter-André Alt 

Prä­si­dent Hochschulrektoren-konferenz 

Engagiert gestalten auf allen Ebenen

Das deut­sche Hoch­schul­sys­tem ist seit Jah­ren gro­ßen Ver­än­de­run­gen un­ter­wor­fen. Da­bei ha­ben die Hoch­schu­len die ste­tig wach­sen­den An­for­de­run­gen – bei ei­ner gleich­zei­tig enorm ge­stie­ge­nen Zahl Stu­die­ren­der – gut ge­meis­tert. Der­zeit stel­len sich auf meh­re­ren Ebe­nen grund­le­gen­de Her­aus­for­de­run­gen. Ei­ni­ge sind sys­te­mi­scher Na­tur und ver­lan­gen vor­ran­gig po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen – et­wa im Kon­text der En­er­gie­kri­se oder der drin­gend nö­ti­gen In­ves­ti­tio­nen zur Sa­nie­rung und Mo­der­ni­sie­rung der Hoch­schul­ge­bäu­de. An an­de­ren Stel­len sind vor al­lem An­pas­sun­gen ge­setz­li­cher Rah­men­be­din­gun­gen ge­fragt, so bei der Ge­stal­tung wis­sen­schaft­li­cher Kar­rie­re­we­ge an den Uni­ver­si­tä­ten. Dar­über hin­aus gibt es Auf­ga­ben, die ins­be­son­de­re Re­ge­lun­gen im Be­reich der Ver­wal­tungs­nor­men er­for­dern, et­wa bei der In­te­gra­ti­on ge­flüch­te­ter Stu­die­ren­der und For­schen­der aus der Ukrai­ne. Schließ­lich gibt es Her­aus­for­de­run­gen im Be­reich der Leh­re, in dem die Hoch­schu­len in au­to­no­mer Ver­ant­wor­tung Ver­bes­se­run­gen ent­wi­ckeln. Hier geht es un­ter an­de­rem um gu­te Kon­zep­te für kom­pe­tenz­ori­en­tier­tes Leh­ren und Prü­fen, die In­te­gra­ti­on di­gi­ta­ler Me­tho­den in die Leh­re oder die Ver­bes­se­rung der An­er­ken­nungs- und An­rech­nungs­pra­xis bei ent­spre­chen­den Qua­li­fi­ka­ti­ons­leis­tun­gen. In al­len Fel­dern en­ga­gie­ren sich die Hoch­schu­len für kon­struk­ti­ve Lö­sun­gen und leis­ten ih­ren Bei­trag, da­mit sie wei­ter ex­zel­len­te For­schung be­trei­ben und ih­ren um­fas­sen­den Bil­dungs­auf­trag er­fül­len können. 

Geschützte Lernräume

Co­ro­na hat ge­zeigt: Bei der Di­gi­ta­li­sie­rung von Schu­le und Bil­dung ist noch Luft nach oben. Da­bei ist ei­ne di­gi­ta­le Lern­in­fra­struk­tur nicht nur der Weg zu mehr Re­si­li­enz und Chan­cen­gleich­heit in Pan­de­mie-Zei­ten. Sie soll vor al­lem Un­ter­richt auf der Hö­he der Zeit er­mög­li­chen, der jun­ge Men­schen be­geis­tert und auf die Her­aus­for­de­run­gen der di­gi­ta­li­sier­ten Welt vor­be­rei­tet. Es geht um Zu­kunfts- und Wett­be­werbs­fä­hig­keit. Der Di­gi­tal­pakt Schu­le hat wich­ti­ge In­no­va­tio­nen an­ge­scho­ben: Über 3.000 Schu­len hat al­lein LANCOM mit WLAN und Netz­werk-in­fra­struk­tur aus­ge­rüs­tet. Den­noch sind längst nicht al­le Mit­tel aus dem 6,5 Mil­li­ar­den Eu­ro schwe­ren För­der­pro­gramm be­an­tragt. Bis En­de 2022 ha­ben Schul­trä­ger noch die Chan­ce da­zu. Um Schul­di­gi­ta­li­sie­rung ver­ant­wor­tungs­voll zu ge­stal­ten, ist Da­ten­si­cher­heit je­doch ele­men­tar. Denn heu­te hal­ten zu­neh­mend Cloud-Diens­te Ein­zug in den Schul­all­tag. WLAN und Lern­platt­for­men wer­den ein­fach und ef­fi­zi­ent aus der Wol­ke ver­wal­tet – und mit ih­nen die Da­ten der Nut­zer. Schul­trä­ger müs­sen sich fra­gen: Kann mei­ne In­fra­struk­tur Schü­ler­da­ten ef­fek­tiv schüt­zen? Wel­che In­for­ma­tio­nen ver­las­sen das Schul­netz? Wel­chen Ge­set­zen un­ter­liegt der An­bie­ter? Nicht oh­ne Grund war­nen Da­ten­schutz­ex­per­ten ein­dring­lich vor Cloud-Diens­ten aus dem Nicht-EU-Aus­land. Ver­ant­wort­li­che müs­sen si­cher­stel­len, dass die ein­ge­setz­ten Lö­sun­gen auch DSGVO-kon­form sind. Nur dann bleibt Schu­le auch im di­gi­ta­len Zeit­al­ter ein ge­schütz­ter Raum. 

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Ralf Koenzen 

Grün­der und Ge­schäfts­füh­rer LANCOM Systems 

Kai Maaz 

Ge­schäfts­füh­ren­der Di­rek­tor Leib­niz-In­sti­tut für Bil­dungs­for­schung und Bil­dungs­in­for­ma­ti­on (DIPF)

Bedingt digitalbereit

Ei­ne der größ­ten ge­sell­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen ist der­zeit der Fach­kräf­te­man­gel. Das gilt für die Bil­dung ge­nau­so wie für al­le an­de­ren Be­rufs­fel­der. Das Bil­dungs­sys­tem ist in al­len Be­rei­chen be­trof­fen, von der frü­hen Bil­dung bis zur Wei­ter­bil­dung. Da der Be­darf nicht al­lein durch zu­sätz­li­ches Per­so­nal ge­deckt wer­den kann, braucht es neue For­men des Leh­rens und des Ler­nens. Die Di­gi­ta­li­sie­rung bie­tet vie­le An­satz­punk­te und hat in der Zeit der Co­ro­na-Pan­de­mie ei­nen deut­li­chen Ent­wick­lungs­schub er­fah­ren. Den­noch fehlt bis­lang ei­ne bil­dungs­po­li­ti­sche Ge­samt­vi­si­on zur nach­hal­ti­gen Wei­ter­ent­wick­lung des Bil­dungs­sys­tems und der Ver­an­ke­rung von Di­gi­ta­li­sie­rung. Aus­stat­tung und In­fra­struk­tu­ren sind not­wen­dig, aber nicht hin­rei­chend für ei­ne er­folg­rei­che Di­gi­ta­li­sie­rung im Bil­dungs­we­sen. Zu­sätz­lich braucht es ge­eig­ne­te di­gi­ta­le An­wen­dun­gen und Lern­ma­te­ria­li­en, de­ren päd­ago­gi­sche Wirk­sam­keit im bes­ten Fall durch die Lern­for­schung un­ter­sucht und be­stä­tigt wur­de, so­wie dar­an aus­ge­rich­te­te Qua­li­fi­ka­ti­ons­maß­nah­men des Per­so­nals. Hier­für be­darf es ver­läss­li­cher Struk­tu­ren, bei­spiels­wei­se durch die dau­er­haf­te Ein­rich­tung län­der­über­grei­fen­der Zen­tren für Di­gi­ta­le Bil­dung. Die ge­mein­sa­men Her­aus­for­de­run­gen aus Fach­kräf­te­man­gel und Di­gi­ta­li­sie­rung ver­lan­gen nach ei­nem Denk­an­satz, der das Di­gi­ta­le nicht nur zur Über­set­zung des Ana­lo­gen her­an­zieht, son­dern In­no­va­tio­nen aus der Per­spek­ti­ve des Di­gi­ta­len her­aus generiert. 

Ein großes Ziel

Was der Di­gi­tal­pakt nicht ver­moch­te, hat Co­ro­na be­wirkt. Plötz­lich wa­ren wir al­le di­gi­tal. Schu­len ha­ben Ge­rä­te an­ge­schafft, Schul-Clouds ein­ge­rich­tet und di­gi­ta­le Un­ter­richts­ma­te­ria­li­en an den Start ge­bracht. Aber war das wirk­lich di­gi­ta­le Bil­dung? Di­gi­ta­le Bil­dung be­deu­tet für mich, dass wir un­se­re Kin­der be­fä­hi­gen, sich in der di­gi­ta­len Welt nicht nur zu­recht­zu­fin­den, son­dern sie auch zu ge­stal­ten und zu prä­gen. Da­bei dür­fen wir die Chan­cen­ge­rech­tig­keit nicht aus dem Blick ver­lie­ren. Denn sie hat wäh­rend der Schul­schlie­ßun­gen sehr ge­lit­ten – war gu­tes Ho­me­schoo­ling doch da­von ab­hän­gig, wie gut die Schu­le aus­ge­stat­tet war oder ob das El­tern­haus hel­fen konn­te. Die Bil­dungs­sche­re in die­sem Land ist so noch wei­ter auf­ge­gan­gen. Da­her sind In­itia­ti­ven wie Chan­cen­werk so wich­tig, die da­ge­gen­hal­ten und be­nach­tei­lig­te Kin­der un­ter­stüt­zen. Oder das di­gi­ta­le Pro­gramm „Tu­to­ring for all“, das Le­se­kom­pe­ten­zen stärkt. Die Expert:innen von Teech wie­der­um ver­mit­teln an Schu­len In­hal­te wie Un­ter­neh­mer­tum, Fi­nanz­bil­dung oder Acht­sam­keit, die im Cur­ri­cu­lum kei­nen Platz fin­den. Sie al­le hel­fen, Kin­dern zu ih­rem Recht auf mo­der­ne Bil­dung zu ver­hel­fen. Vie­le wei­te­re sol­cher di­gi­ta­len Bil­dungs­an­ge­bo­te fin­den El­tern und Lehr­kräf­te ge­bün­delt und trans­pa­rent auf der kos­ten­lo­sen Platt­form edu-cloud.org. Ho­me­schoo­ling war ana­lo­ger Un­ter­richt über di­gi­ta­le Ka­nä­le. Jetzt gilt es, da­für zu sor­gen, dass di­gi­ta­le Bil­dung fest an un­se­ren Schu­len ver­an­kert wird. 

Verena Pausder 

Buch­au­torin, Pod­cas­te­rin und Vor­stand Di­gi­ta­le Bil­dung für Al­le e. V. 

KI an Schulen

So werden intelligente Systeme eingesetzt

Quel­le: Rednet 

Schulaufgaben

So viele Mütter unterstützen ihre Neuntklässler regelmäßig

Quel­le: iwd 

Udo Beckmann 

Bun­des­vor­sit­zen­der Ver­band Bil­dung und Er­zie­hung (VBE) Deut­scher Ho­tel- und Gast­stät­ten­ver­band (DEHOGA)

Massiv investieren

In un­se­rer Bran­che ist gu­ter Ser­vice der Er­folgs­fak­tor. Da­bei zeich­nen Kön­nen und Herz­lich­keit gu­ten Ser­vice aus. Ei­ner­seits gilt es, die Ser­vice­re­geln zu be­herr­schen, Ab­läu­fe ef­fi­zi­ent zu ge­stal­ten und vor al­lem die Gäs­te freund­lich wie kom­pe­tent zu be­grü­ßen und zu be­ra­ten. Von ele­men­ta­rer Be­deu­tung sind an­de­rer­seits Auf­merk­sam­keit, Fle­xi­bi­li­tät, Krea­ti­vi­tät und ein gu­tes Ge­spür für die Wün­sche der Gäs­te. Gu­ter Ser­vice funk­tio­niert nur mit ei­ner gu­ten Mann­schaft und ei­nem gu­ten Be­triebs­kli­ma. Der Team­geist muss stim­men – zwi­schen Kü­che und Ser­vice, zwi­schen al­len Kol­le­gen. Nicht um­sonst heißt es im Gast­ge­wer­be: Die Men­schen machen’s. Die Mit­ar­bei­ter mit ih­rem Kön­nen, ih­rer Em­pa­thie und Freund­lich­keit sind die wich­tigs­ten Bot­schaf­ter un­se­rer Be­trie­be. Die Ein­rich­tung ist oft­mals aus­tausch­bar, pro­fes­sio­nel­ler und per­sön­li­cher Ser­vice ist es nicht. Gu­ter Ser­vice macht ei­nen Be­trieb un­ver­wech­sel­bar. Glück­lich ma­chen­de Ser­vice­mo­men­te, die die Gäs­te im­mer wie­der aufs Neue be­geis­tern, kön­nen nie durch di­gi­ta­le Lö­sun­gen und Ser­vice-Ro­bo­ter er­setzt wer­den. Es sind die Be­geg­nun­gen zwi­schen Men­schen, die Emp­feh­lun­gen für ein Es­sen und be­glei­ten­de Ge­trän­ke. Kurz­um gu­ter Ser­vice, der un­ver­gess­lich bleibt und aus Gäs­ten Stamm­gäs­te macht. Die ho­he Re­le­vanz der Re­stau­rants, Ca­fés und Bars als Or­te der Le­bens­freu­de, des Mit­ein­an­ders und Ge­nus­ses wur­de nie deut­li­cher als heu­te. Un­se­re „öf­fent­li­chen Wohn­zim­mer“ wer­den im­mer Kon­junk­tur haben. 

Bildung in der Ausbildung verbessern

Wir brau­chen ei­ne bes­se­re Be­ra­tungs- und In­for­ma­ti­ons­si­tua­ti­on, die das Be­rufs­le­ben „in echt“ zeigt. Wenn ei­ner von 35 Schü­lern den Ar­beits­platz der El­tern kennt, ma­chen wir grund­sätz­lich et­was falsch. Kaum ei­ner kennt den Ta­ges­ab­lauf ei­nes Elek­tro­ni­kers für Au­to­ma­ti­sie­rungs­tech­nik, wie will man dann für den Be­ruf be­geis­tern? Es braucht zu­dem Trans­pa­renz, was in den Be­ru­fen ver­dient wird. Hier ist ak­ti­ve El­tern- und Leh­rer­ar­beit ge­for­dert und das geht nur in Aus­bil­dungs­netz­wer­ken mit al­len Be­tei­lig­ten. Von uns Be­rufs­aus­bil­dern ar­bei­ten 80 Pro­zent ne­ben­be­ruf­lich, al­so on top zu ih­rem ei­gent­li­chen Job. Sie sind we­der als Füh­rungs­kraft an­er­kannt noch so be­zahlt. Ei­ne päd­ago­gi­sche und fach­li­che Fort­bil­dungs­pflicht gibt es nicht. Das ist al­les ein Er­geb­nis man­geln­der Wert­schät­zung. Wert­schät­zung und An­er­ken­nung in der Ge­sell­schaft feh­len. Die Viel­falt der Aus­bil­dun­gen muss bes­ser kom­mu­ni­ziert wer­den, Aus­bil­dung ge­hört in das Un­ter­neh­men mit gut qua­li­fi­zier­ten und gut be­zahl­ten Aus­bil­dern so­wie in gut aus­ge­stat­te­te Kom­pe­tenz­zen­tren ali­as Berufsschulen. 

Katja Caspari 

Vi­ze­prä­si­den­tin Bun­des­ver­band Deut­scher Be­rufs­aus­bil­der (BDBA)

Barbara Pampe 

Vor­stän­din Mon­tag Stif­tung Ju­gend und Gesellschaft 

Neue Lernräume

Das Pla­nen und Bau­en von Schu­len muss in der Brei­te in­no­va­ti­ver wer­den. Die mono­funk­tio­na­le An­ein­an­der­rei­hung von Klas­sen­räu­men und Kor­ri­do­ren ent­spricht ei­ner Lern­um­ge­bung für Bil­dung im 21. Jahr­hun­dert nicht mehr. Gut ge­stal­te­te, at­mo­sphä­ri­sche und wohl­pro­por­tio­nier­te Lern­räu­me kön­nen ver­än­der­te Lehr- und Lern­ak­ti­vi­tä­ten un­ter­stüt­zen und Nut­zungs­an­ge­bo­te ma­chen, für Pro­jekt- und Grup­pen­ar­beit, Kom­mu­ni­ka­ti­on, Prä­sen­ta­ti­on so­wie selbst­or­ga­ni­sier­tes und prak­ti­sches Ler­nen. „Schu­le“ und „Be­treu­ung“ sind im Sin­ne ei­nes in­klu­si­ven ganz­tä­gi­gen Ler­nens zu­sam­men­zu­den­ken, mit ge­mein­sam ge­nutz­ten Räum­lich­kei­ten und Frei­flä­chen, die ein viel­fäl­ti­ges und in­spi­rie­ren­des An­ge­bot an un­ter­schied­li­chen At­mo­sphä­ren und Nut­zun­gen ma­chen. Der Be­darf an An­pas­sungs­fä­hig­keit und Ver­än­der­bar­keit von Schul­ge­bäu­den spielt ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Es muss nicht über­all neu ge­baut wer­den, aber wir müs­sen bei je­dem Bau­an­lass of­fen sein für in­no­va­ti­ve Lö­sun­gen, die über das uns al­len be­kann­te Bild von Schu­le hin­aus­ge­hen. Im Be­stand bie­ten zum Bei­spiel an­de­re Ty­po­lo­gien wie Kauf­häu­ser oder In­dus­trie­bau­ten ge­ge­be­nen­falls ein hö­he­res Um­bau­po­ten­zi­al als die Klas­sen­raum-Flur­schu­le mit ih­rer gleich­blei­ben­den und klein­tei­li­gen Struk­tur. Für neue Ty­po­lo­gien und Lö­sun­gen ist es nö­tig, be­stehen­de Bau­stan­dards für Schul­ge­bäu­de zu hin­ter­fra­gen und zu re­du­zie­ren. Nur dann ge­lingt es, ein Mehr an päd­ago­gi­scher Raum­qua­li­tät zu er­rei­chen und gleich­zei­tig die Kos­ten zu reduzieren. 

Bindung aufbauen

Gu­te Bil­dung be­ginnt mit der rich­ti­gen Hal­tung: Nur wer Kin­dern of­fen und mit Re­spekt be­geg­net, wird ge­mein­sam mit ih­nen her­aus­fin­den kön­nen, was für sie das Rich­ti­ge ist. In un­se­rer neu­en Ki­ta zählt ne­ben Par­ti­zi­pa­ti­on und Rück­zugs­mög­lich­kei­ten auch der Fak­tor Bin­dung zu den Schwer­punk­ten. Die­sem The­ma wird zu we­nig Auf­merk­sam­keit ge­schenkt, ob­wohl es die Vor­aus­set­zung für Bil­dung ist. Die Bin­dung zwi­schen Kin­dern und Er­zie­hern ist die Ba­sis, auf der ex­plo­riert und die Welt ge­mein­sam er­fah­ren wer­den kann. Ler­nen ge­lingt dann, wenn die Kin­der sich si­cher füh­len. Als Schul­ab­bre­cher weiß ich, was es heißt, nicht ab­ge­holt zu wer­den. Erst über ein Prak­ti­kum und ein Fern­stu­di­um bei der IU In­ter­na­tio­na­le Hoch­schu­le ha­be ich den Weg zum Er­folg ge­fun­den. Al­ler­dings sind die sys­te­mi­schen Hür­den hoch: Zwar kann ich in mei­ner Po­si­ti­on viel be­we­gen, aber die Rea­li­tät im früh­kind­li­chen Be­reich er­schwert es zum Teil, die ei­ge­ne Vi­si­on zu ver­wirk­li­chen. Es kommt so­gar vor, dass es bloß noch um die Fra­ge „Wie schaf­fe ich es, Be­treu­ung her­zu­stel­len“ geht und nicht mehr um Bil­dung. Die Struk­tu­ren ma­chen päd­ago­gisch wert­vol­le Ar­beit un­mög­lich. Das hängt mit vie­len Fak­to­ren zu­sam­men – mit Ar­beits­be­din­gun­gen, der räum­li­chen Si­tua­ti­on, der Grup­pen­grö­ße. Wenn man durch Per­so­nal­not­stand da­zu ge­zwun­gen ist, im­mer neue Aus­hil­fen rein­zu­ho­len, nur um Be­treu­ung zu ge­währ­leis­ten, kann un­mög­lich die Art von Bin­dung ent­ste­hen, die Bil­dung über­haupt erst ermöglicht. 

Manuel Fischer 

Kind­heits­päd­ago­ge und Kita-Leiter 

Gesundheitsprävention

Was sich Schulleitungen dafür wünschen

gesundheitspraevention
Quel­le: VBE 

Michaela Kersten,

Leserin

Wider dem konträr

Zur Ver­bes­se­rung un­se­res Bil­dungs­sys­tems brau­chen wir mehr Ak­tua­li­tät, mehr Klar­heit, mehr Si­cher­heit und mehr Frei­heit. Un­ser Schul­sys­tem ar­bei­tet seit Jahr­zehn­ten kon­trär zum wis­sen­schaft­li­chen Stand im Be­reich „Ler­nen“, hier müs­sen wir ein neu­es Ver­ständ­nis von Ler­nen eta­blie­ren. Re­geln und Vor­ga­ben müs­sen auf die Lern­för­de­rung – und nur auf die Lern­för­de­rung – fo­kus­siert sein. So wer­den Struk­tu­ren ver­ein­facht, was Per­so­nen im Bil­dungs­sys­tem mehr Si­cher­heit und mehr Frei­heit gibt. 

Lothar Zimmermann

Leser

Modell aussetzen

Es ist trau­rig und auch ab­surd, dass fö­de­ra­le Struk­tu­ren in Deutsch­land wich­ti­ge Ent­wick­lun­gen hem­men. Im Bil­dungs­be­reich se­hen wir, wie die­se Struk­tu­ren be­son­ders aus der Po­li­tik ver­tei­digt wer­den, weil die Bun­des­län­der ih­re in­di­vi­du­el­len Bil­dungs­stra­te­gien ge­fähr­det se­hen. Gleich­zei­tig ist in aus­nahms­los al­len Bun­des­län­dern der Bil­dungs­be­reich chro­nisch un­ter­prio­ri­siert und un­ter­fi­nan­ziert. Das Mo­dell ge­hört aus­ge­setzt, die Auf­ga­ben und Rück­stän­de sind zu groß. Der gor­di­sche Kno­ten muss zen­tral auf Bun­des­ebe­ne ge­löst werden. 

Reinhard Sager 

Prä­si­dent Deut­scher Landkreistag 

Volle Kraft voraus

Der di­gi­ta­le Aus­bau der Schu­len ist ei­ne wich­ti­ge Auf­ga­be und ei­ne eben­so gro­ße Her­aus­for­de­rung der kom­men­den Jah­re. Bei der Aus­ge­stal­tung brau­chen wir ei­ner­seits mehr Frei­raum für die Schu­len bei der Um­set­zung, an­de­rer­seits kla­re Vor­ga­ben von den Län­dern, was im Un­ter­richt ge­braucht und wie es ein­ge­setzt wird. Un­ser Ziel ist es, im Be­reich des Schul­baus und des Schu­lum­baus mo­der­ne Lern­um­ge­bun­gen zu schaf­fen. Die Klas­sen­räu­me des 20. Jahr­hun­derts sind nicht der Maß­stab, wenn es um die Lern­um­ge­bun­gen geht, die jetzt ge­braucht wer­den. Das ist na­tür­lich al­les leich­ter ge­sagt als ge­tan und kos­tet viel Geld. Bei der tech­ni­schen Aus­stat­tung der Schu­len und der Lehr­kräf­te müs­sen die Län­der Stan­dards set­zen und da­für auch die fi­nan­zi­el­len Mit­tel be­reit­stel­len. Da­zu sind ver­bind­li­che Ab­spra­chen zwi­schen dem je­wei­li­gen Land und den Schul­trä­gern not­wen­dig. Au­ßer­dem müs­sen Clou­dan­ge­bo­te ge­schaf­fen wer­den, auch zur Ver­wal­tung der di­gi­ta­len Lern­mit­tel. Vor al­lem die Be­schaf­fung und Ver­wal­tung der Li­zen­zen stellt die Schul­trä­ger der­zeit vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen. Zu­dem ha­ben wir es mit ei­nem wach­sen­den Lehr­kräf­te­man­gel zu tun. Die Rich­tung ist al­so klar, der Weg da­hin er­for­dert aber noch viel Kraft.