Für einen einzigen Liter Milch muss eine Kuh fünfhundert Liter Blut durch ihr Euter strömen lassen.
 

Wie sieht die Landwirtschaft der Zukunft aus?

Cem Özdemir 

Bun­des­mi­nis­ter für Ernäh­rung und Landwirtschaft 

Wandel braucht Investitionen

Die Land­wirt­schaft der Zukunft leis­tet vor allem eines: Sie ernährt uns. Doch das ist alles ande­re als selbst­ver­ständ­lich. Russ­land setzt Hun­ger als Waf­fe im völ­ker­rechts­wid­ri­gen Angriffs­krieg gegen die Ukrai­ne ein. In Indi­en oder in Mada­gas­kar sor­gen kli­ma­be­ding­te Wet­ter­ex­tre­me für zer­stör­te Ern­ten und Hun­ger. Das zeigt uns: Eine Land­wirt­schaft, die zukunfts­fä­hig ist, ist wider­stands­fä­hig gegen­über Kri­sen. Sie schützt vor allem Böden, Kli­ma und Bio­di­ver­si­tät – denn nur so sichern wir unse­re Ernäh­rung auch mor­gen und über­mor­gen. Das geht nicht nur die Land­wir­tin­nen und Land­wir­te etwas an, son­dern uns alle. Wir müs­sen die Fra­ge beant­wor­ten, was es uns als Gesell­schaft wert ist, dass Land­wirt­schaft unse­re Ernäh­rung sichern und dabei auch öko­lo­gi­schen Ansprü­chen gerecht wer­den kann. Das ist nicht umsonst zu haben, doch Inves­ti­tio­nen in die­sen Wan­del sichern erst unse­re Zukunft. Die­ser Wan­del betrifft auch die Nutz­tier­hal­tung. Gera­de weil wir sie brau­chen, um land­wirt­schaft­li­che Kreis­läu­fe zu bewah­ren, müs­sen wir sie zukunfts­taug­lich umge­stal­ten. Es geht um eine nach­hal­ti­ge Erzeu­gung tie­ri­scher Lebens­mit­tel, bei der Res­sour­cen zugleich genutzt und geschützt wer­den – und die­se Leis­tung auch gesell­schaft­lich wert­ge­schätzt wird. So schaf­fen wir mehr Tier­wohl und fai­re Ein­kom­men für unse­re Land­wir­tin­nen und Land­wir­te, die zugleich unse­re Ernäh­rung sichern und Lebens­grund­la­gen schützen. 

Mitten im Umbruch

Der Krieg in der Ukrai­ne hat auf schmerz­li­che Wei­se ver­deut­licht, dass Ver­sor­gungs­si­cher­heit mit Lebens­mit­teln nicht selbst­ver­ständ­lich ist. Die Ernäh­rungs­si­che­rung ist wie­der in den Mit­tel­punkt der gesell­schaft­li­chen Debat­ten gerückt und muss nun prio­ri­tär ange­gan­gen wer­den. Aber auch die Kri­sen, die uns bereits vor Aus­bruch des Krie­ges beschäf­tigt haben, dür­fen wir nicht aus den Augen ver­lie­ren. Umwelt‑, Klima‑, Arten­schutz und Tier­wohl sind The­men, die nicht nur die Ver­brau­cher beschäf­ti­gen, son­dern auch uns Land­wir­te. Den gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess hin zu mehr Nach­hal­tig­keit wer­den wir auch in der Land­wirt­schaft ent­schlos­sen wei­ter­ge­hen. Die Betrie­be befin­den sich längst mit­ten in die­sem Pro­zess und set­zen in der Pra­xis bereits auf viel­fäl­ti­ge Frucht­fol­gen, scho­nen­de Boden­be­ar­bei­tung, prä­zi­se Pflan­zen­schutz- und Dün­ge­mit­tel­aus­brin­gung sowie pro­duk­ti­ons­in­te­grier­te Natur- und Arten­schutz­maß­nah­men. Auch Car­bon Far­ming, die CO2-Spei­che­rung durch Humus­auf­bau in Böden, spielt eine immer grö­ße­re Rol­le. Inno­va­tio­nen, Digi­ta­li­sie­rung und tech­no­lo­gi­scher Fort­schritt sind die Schlüs­sel, die unse­re Bran­che zukunfts­fest machen. Es wird höchs­te Zeit, dass die Poli­tik die rich­ti­gen Leit­plan­ken setzt und prak­ti­ka­ble Ange­bo­te auf den Weg bringt, damit die mul­ti­plen Kri­sen und gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit bewäl­tigt wer­den kön­nen. Denn die Zukunft kann nur mit uns Land­wir­ten gestal­tet werden. 

Joachim Rukwied 

Prä­si­dent Deut­scher Bauernverband 

Max Thinius 

Futurologe 

Näher am Leben

Eine der­art zen­tra­li­sier­te Land­wirt­schaft, wie wir sie heu­te ken­nen, stammt aus der indus­tri­el­len Den­ke. Für Gemü­se, Getrei­de und Obst sind aber zukünf­tig ganz ande­re Anbau­mög­lich­kei­ten denk­bar. Zum Bei­spiel eine loka­le­re Pro­duk­ti­on, bei der wir auf den tat­säch­li­chen regio­na­len Bedarf hin pro­du­zie­ren. In der Men­schen Pro­duk­te essen, die opti­ma­ler­wei­se bei Gemü­se nicht län­ger als 24 Stun­den von der Ern­te bis auf den Tel­ler brau­chen. Die bis zu 90 Pro­zent mehr Nähr­wer­te ent­hal­ten. Dazu Städ­te, die aus Stra­ßen Anbau­flä­chen machen und Parks, die nicht mehr auf indus­tri­el­le Bedar­fe, son­dern auf eine neue Form der Lebens­qua­li­tät opti­miert sind. Dazu eine digi­ta­le Wäh­rung, mit­un­ter schon der digi­ta­le Euro, der ab 2026 kommt, die uns zei­gen könn­te, wie lokal oder öko­lo­gisch die Pro­duk­te, die wir uns gera­de aus­su­chen, ange­baut wur­den. Das kom­bi­niert mit Gesund­heits­da­ten und Daten der Smart City zu ihrem kli­ma­ti­schen Zustand. Die Land­wirt­schaft kann in Zukunft wie­der ein inte­gra­ler Bestand­teil unse­res All­tags, der Lebens­qua­li­tät, unse­res loka­len wie glo­ba­len Kli­mas wer­den. Die Tech­no­lo­gie ist so weit. Es feh­len nur noch Struk­tu­ren – aber auch die wer­den in ver­schie­de­nen Orten bereits aus­pro­biert: Skan­di­na­vi­en, Nie­der­lan­de, Ita­li­en, Spa­ni­en, auch Deutsch­land. Eine neue Form der rege­ne­ra­ti­ven Land­wirt­schaft kann auch in der Pro­duk­ti­ons­men­ge unse­ren Bedarf bereits erset­zen. Wir müs­sen nur umden­ken und die Zukunft der Land­wirt­schaft anders gestalten. 

Verhaltener Wandel

Eine zuneh­men­de Digi­ta­li­sie­rung der Land­wirt­schaft durch Droh­nen, Sen­so­ren, Inter­net-of-Things-Sys­te­men, GPS-gesteu­er­ten Maschi­nen oder Feld­ro­bo­tern, auf dem Feld wie im Stall, führt zu einem res­sour­cen­scho­nen­de­ren Ein­satz von Betriebs­mit­teln und einem bes­se­ren Tier- und Her­den­ma­nage­ment. Auch im Büro wer­den Pro­zes­se digi­ta­li­siert, was eine trans­pa­ren­te­re Land­wirt­schaft ermög­licht. Aller­dings zei­gen unse­re Stu­di­en, dass vie­le Land­wir­te ver­hal­ten und skep­tisch sind, aus Angst vor Daten­miss­brauch oder weil ein (öko­no­mi­scher) Nut­zen nicht klar erkenn­bar ist. Das bedeu­tet, dass die Höfe zwar digi­ta­ler wer­den, eine voll­au­to­ma­ti­sier­te Land­wirt­schaft aber noch weit in der Zukunft liegt. In unse­ren Ver­brau­cher-umfra­gen sehen wir eine wach­sen­de gesell­schaft­li­che Sen­si­bi­li­sie­rung gegen­über der Nut­zung von Tie­ren. Dar­aus resul­tie­ren Skep­sis und Besorg­nis in Bezug auf die inten­si­ve Tier­hal­tung sowie ein Wunsch nach gerin­ge­ren Tier­zah­len und klei­ne­ren Betriebs­struk­tu­ren. Um die Tier­hal­tung dar­an anzu­pas­sen, bedarf es einer Trans­for­ma­ti­on hin zu tier­ge­rech­te­ren Hal­tungs­sys­te­men mit Außen­zu­gän­gen und mehr Platz. Um den­noch wett­be­werbs­fä­hig zu sein, soll­ten vor allem klei­ne­re Betrie­be zum Bei­spiel mehr auf robus­te Rin­der- oder Schwei­ne­r­as­sen set­zen und die­se mit­hil­fe der Digi­ta­li­sie­rung ver­mehrt direkt ver­trei­ben. Aller­dings haben gera­de die klei­ne­ren Betrie­be häu­fi­ger Schwie­rig­kei­ten mit der Digi­ta­li­sie­rung und bedürf­ten daher einer beson­de­ren Förderung. 

Winnie Isabel Sonntag 

Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin Mar­ke­ting für Lebens­mit­tel und Agrar­pro­duk­te, Uni­ver­si­tät Göttingen 

Hartmut Matthes 

Geschäfts­füh­rer Bun­des­ver­band Lohnunternehmen 

Digital wie nie 

Es sind die Men­schen, die Zukunft machen – nicht die Werk­zeu­ge. Die Sor­ge also, ob Digi­ta­li­sie­rung Fluch oder Segen ist, hängt maß­geb­lich davon ab, was wir tat­säch­lich errei­chen möch­ten und wie wir mit den digi­ta­len Werk­zeu­gen umge­hen. Grund­sätz­lich bie­tet die Digi­ta­li­sie­rung ein gro­ßes Poten­zi­al, durch den bedarfs­ge­rech­te­ren Ein­satz von Res­sour­cen die Land­wirt­schaft noch nach­hal­ti­ger zu gestal­ten. Und das gilt für die kon­ven­tio­nel­le Land­wirt­schaft genau­so wie für öko­lo­gisch wirt­schaf­ten­de Betrie­be. Zie­le defi­nie­ren, Daten erfas­sen, Infor­ma­tio­nen aus­wer­ten, Wis­sen gene­rie­ren, Ent­schei­dun­gen fäl­len und Auf­ga­ben aus­füh­ren – die Chro­no­lo­gie die­ser sechs Schrit­te ist die Basis jeden Han­delns. Werk­zeu­ge hel­fen, das gewünsch­te Ergeb­nis bes­ser zu erlan­gen. Sen­so­ren zum Mes­sen, Model­le zum bes­se­ren Ver­ständ­nis kom­ple­xer Pro­zes­se und Akto­ren zum prä­zi­sen Arbei­ten gehö­ren zuneh­mend zum All­tag in der Land­wirt­schaft. Nie­mand stellt mehr die Sinn­haf­tig­keit und den Nut­zen digi­ta­ler Hel­fer bei­spiels­wei­se in der Medi­zin oder in der Luft­fahrt infra­ge. War­um also soll­te gera­de die Land­wirt­schaft auf Digi­ta­li­sie­rung ver­zich­ten? Wo hört der tra­di­tio­nel­le Bau­ern­hof auf und wo fängt die moder­ne Land­wirt­schaft an? Nie war so viel Wis­sen ver­füg­bar, nie gab es so gute Werk­zeu­ge – die Gesell­schaft muss nur dar­über befin­den, was sie wirk­lich will. Und die­se Fra­ge gilt nicht nur für die Landwirtschaft. 

Doppelt genutzt

Fort­schritt bedeu­tet Wan­del. Wan­del kommt durch Veränderung. Der Wunsch nach Veränderung ent- steht durch Inspi­ra­ti­on. Doch woher neh­men wir die­se Inspi­ra­ti­on eigent­lich? Wer hilft uns, Per­spek­ti­ve zu gewin­nen und zu uns selbst zu fin­den? Es sind unse­re Eltern. Bewusst und unbe­wusst. Als Kin­der begrei­fen wir nicht, wel­che gro­ße Rol­le sie in der Prägung unse­res Seins spie­len. Es sind die Held:innen aus unse­ren Lieb­lings­ge­schich­ten, die uns begeis­tern. Es sind die Geschich­ten über Men­schen, die für ihre Zie­le und ihre Wer­te leben. Im Lau­fe unse­res Lebens fes­seln sie uns immer wie­der. Kurz­um: Es sind Vor­bil­der, die uns inspi­rie­ren. Fort­schritt ent­steht also durch Vor­bil­der. Jeder von uns kann und soll­te Vor­bild sein. Um Fort­schritt zu fördern, müssen wir uns an die eige­ne Nase fas­sen und zu Vor­bil­dern wer­den. Nicht durch das Pro­fi­lie- ren der eige­nen Per­son in den sozia­len Medi­en. Es geht dar­um, im All­tag so zu han­deln, dass wir damit Men­schen inspi­rie­ren und neu­en Mut schen­ken, auch wenn das Leben mal nicht läuft, wie es auf Insta­gram den Anschein macht. So ent­steht ein neu­es Bewusst­sein für Veränderung. Wir ent­wi­ckeln den nötigen Mut, den Schritt ins Unge­wis­se zu wagen. Fort­schritt bedeu­tet Wan­del. Wan­del bedeu­tet Unge­wiss­heit. Unge­wiss­heit braucht Mut. Mut ent­wi­ckelt sich durch die Möglichkeit, in jun­gen Jah­ren aus­zu­pro­bie­ren und nicht fürs Schei­tern ver­ur­teilt zu wer­den. Die­se Chan­ce soll­ten wir nut­zen und zu die­sem Han­deln inspirieren.

Max Trommsdorf 

Grup­pen­lei­ter Pho­to­vol­ta­ik, Fraun­ho­fer-Insti­tut für Sola­re Ener­gie­sys­te­me (ISE)

Saskia Kröber 

Leserin 

Gelebte Beziehung

Die Land­wirt­schaft von mor­gen soll­te in all ihren Facet­ten vor allem nach­hal­tig sein. Kon­kret bedeu­tet doch nach­hal­ti­ge Land­wirt­schaft ein Wirt­schaf­ten im Ein­klang mit Mensch und Umwelt, das Res­sour­cen schont und das Kli­ma schützt. Lei­der las­sen sich oft nicht alle Kom­po­nen­ten inte­grie­ren, um die Land­wirt­schaft der Zukunft genau so abzu­bil­den. Viel­leicht wer­den sich die For­men der Fel­der ver­än­dern und wir haben run­de, statt recht­ecki­ge gelb strah­len­de Raps­fel­der. Viel­leicht gibt es mobi­le Stadt­bäu­me, die als tem­po­rä­re Fil­ter­an­la­gen in kri­tisch ver­schmut­zen Groß­städ­ten ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Viel­leicht nut­zen wir unse­re erneu­er­ba­ren Ener­gie­quel­len und kön­nen dank die­ser uner­schöpf­li­chen Res­sour­cen zwi­schen Mini-Wind­rä­dern und solar­be­trie­be­nen Mäh­dre­schern aut­ark arbei­ten. Am Ende geht es doch um Ent­wick­lung, Hei­mat und Hori­zont. Nach der Ein­tei­lung in Wirt­schafts­sek­to­ren gehört die Land­wirt­schaft zum pri­mä­ren Sek­tor. Und im Bereich der Digi­ta­li­sie­rung ist die­ses Seg­ment schon lan­ge Vor­rei­ter. Es wird daher Zeit, die Land­wirt­schaft der Zukunft wie­der pri­mär zu behandeln. 

Regional statt global 

In einer digi­ta­len Arbeits­welt, in der vie­le Arbeit­neh­mer im Home­of­fice oder aus Co-Working-Spaces arbei- ten, braucht es inno­va­ti­ve, siche­re Software-Lösungen. Beson­ders bei gelern­ten Pro­zes­sen wie dem Brief­ver­sand nut­zen vie­le Unter­neh­men noch nicht alle Möglichkeiten, die die Digi­ta­li­sie­rung ihnen bie­tet. Dabei gibt es mitt­ler­wei­le zahl­rei­che Anbie­ter für den hybri­den Post­ver­sand, die manu­el­le Arbeits­schrit­te unnötig machen. Bei uns können Kun­den ihre Doku­men­te online übertragen und als ech­te Brie­fe ver­sen­den las­sen. Grö­ße­re Unter­neh­men mit einer de- zen­tra­len Orga­ni­sa­ti­on ste­hen oft vor der Her­aus­for­de­rung, dass ver­schie­de­ne Abtei­lun­gen den Brief­ver­sand orga­ni­sie­ren. Hier­für haben wir eine Benut­zer­ver­wal­tung ent­wi­ckelt, die es unter­schied­li­chen Nut­zern ermög­licht, auf ein Kun­den­kon­to zuzu­grei­fen. Die Kol­le­gen aus dem Home­of­fice benö­ti­gen ledig­lich einen Benut­zer­na­men und ein Pass­wort und kön­nen anschlie­ßend den Brief- ver­sand aus den eige­nen vier Wän­den orga­ni­sie­ren. Papier­brie­fe sind noch immer ein wich­ti­ges Kom­mu­ni­ka- tions­mit­tel, aber der Auf­wand, der hin­ter der Brief­pro­duk­ti­on steckt, ist für hybri­de Arbeits­plät­ze nicht mehr zeit­ge­mäß. Als Full-Ser­vice-Pro­vi­der bil­den wir alle Leis­tun­gen von der Daten­auf­be­rei­tung, über den Druck bis zur Kuver­tie­rung mit eige­nen Res­sour­cen ab und kön­nen mit­tel- stän­di­schen Unter­neh­mern mit kom­ple­xen Anfor­de­run­gen hel­fen, ihren Brief­ver­sand digi­tal zu organisieren.

Eva Imrecke 

Junglandwirtin 

Theresa Schmidt 

Vor­sit­zen­de Bund der Deut­schen Land­ju­gend (BDL)

Landwirtschaft ist Vielfalt

Wäh­rend die Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit kaum grö­ßer sein könn­ten, hofft der deut­sche Mit­tel­stand auf den von der Ampel-Regie­rung ver­spro­che­nen Fort­schritt. Doch ange­tre­ten als Fort­schritts­ko­ali­ti­on prägt bis­lang Kri­sen­ma­nage­ment die Regie­rungs­ar­beit. Dabei darf die Poli­tik nicht ver­ges­sen, dass neben der welt­wei­ten Pan­de­mie und dem Krieg in der Ukrai­ne auch wei­ter­hin der andau­ern­de Fach­kräf­te­man­gel, die hohe Steu­er­be­las­tung und die zuletzt exor­bi­tant gestie­ge­nen Ener­gie­kos­ten die Unter­neh­men eben­so belas­ten wie die nicht aus­rei­chen­de digi­ta­le Infra­struk­tur in unse­rem Land. Lie­fer­eng­päs­se und eine hohe Infla­ti­on sind zudem wah­re Brems­klöt­ze. Es ist an der Zeit, dass wir nicht mehr nur „Mehr Fort­schritt wagen“, son­dern end­lich „Fort­schrit­te machen“. Dafür müs­sen wir büro­kra­ti­sche Struk­tu­ren auf­bre­chen und kom­pli­zier­te Zugän­ge zu drin­gend benö­tig­ten Finanz­hil­fen ver­ein­fa­chen. Fort­schritt funk­tio­niert nur mit einem muti­gen Drei­klang aus Ent­las­tung, Ver­ein­fa­chung und För­de­rung. Jetzt müs­sen die Wei­chen für einen moder­nen Staat gestellt wer­den, für Inves­ti­tio­nen in Digi­ta­li­sie­rung, Infra­struk­tur und Bil­dung, für die beschleu­nig­te Orga­ni­sa­ti­on der Ener­gie­wen­de, für neue För­der­pro­gram­me und für eine geziel­te Unter­stüt­zung für Unter­neh­men – das ist heu­te wich­ti­ger als je zuvor in der Geschich­te der Bun­des­re­pu­blik. Der Auf­bruchs­tur­bo muss end­lich gezün­det werden.