Im Jahr 2013 sind sechs Tretrollerfahrer die Strecke der Tour de France gefahren.
 

Fo­to: iStock./AleksandarNakic

Wie nachhaltig kann Mobilität sein?

Wer schon mal west­lich von Aa­chen, Ems­land und Co. un­ter­wegs war, weiß, dass sich „in Hol­land wirk­lich al­le in den Sat­tel schwin­gen“, wie Vi­vi­an­ne Hei­j­nen, die nie­der­län­di­sche Staats­se­kre­tä­rin für In­fra­struk­tur be­rich­tet – und da­zu vie­le Grün­de lie­fert, die für ei­nen Rauf-aufs-Rad-Life­style spre­chen. Die Kom­bi­na­ti­on ÖPNV plus Fahr­rad bringt auch Dirk Fle­ge von der Al­li­anz pro Schie­ne ins Spiel, wenn er fest­stellt, dass ein ÖPNV-Ti­cket of­fen­sicht­lich bloß un­kom­pli­ziert und güns­tig sein muss, um et­was zu be­we­gen. Im Wei­te­ren geht es na­tür­lich auch um Shared Mo­bi­li­ty und den gu­ten al­ten Fuß­ver­kehr. Wir ge­ben grü­nes Licht zur Dis­kus­si­on, die üb­ri­gens auf Lin­kedIn fort­ge­setzt wird – ein­fach bei den QR-Codes abbiegen.” 

Vivianne Heijnen 

Mi­nis­te­rin für Um­welt der Niederlande 

Rauf aufs Rad

Wer über Nach­hal­tig­keit spricht, kommt um ei­nes nicht her­um: das Fahr­rad. Auch bei The­men wie Ge­sund­heit, sau­be­re Luft und Stau­be­kämp­fung oder Tipps zum Geld­spa­ren lan­det man schnell bei die­sem viel­sei­ti­gen Ge­fährt. Ob alt oder jung, arm oder reich, mit oder oh­ne Nach­wuchs im Kin­der­sitz, auf dem Weg in die Fir­ma, zum Su­per­markt oder zum Sport­ver­ein – in Hol­land schwin­gen sich wirk­lich al­le in den Sat­tel. Bei uns gibt es mehr Fahr­rä­der als Ein­woh­ner. Dar­auf bin ich stolz. Mit dem Rad zur Ar­beit, das soll in Deutsch­land at­trak­ti­ver wer­den. Dar­an ar­bei­ten wir auch bei uns in­ten­siv. Oder bis zum Bahn­hof und dann wei­ter mit dem Zug. In­no­va­ti­ve Fahr­rad­tief­ga­ra­gen di­rekt un­ter dem Bahn­hof er­mög­li­chen bei uns den ra­schen Um­stieg aufs Gleis. Wir bau­en Rad­schnell­we­ge, auf de­nen man zü­gig und si­cher von Stadt zu Stadt ge­langt. Be­son­ders be­geis­tert bin ich von der Ko­ope­ra­ti­on mit den Ar­beit­ge­bern. Ein neu­er Job ist ei­ne idea­le Ge­le­gen­heit, sein Mo­bi­li­täts­ver­hal­ten zu än­dern. Mit at­trak­ti­ven Ki­lo­me­ter­erstat­tun­gen und ei­ner fahr­rad­freund­li­chen In­fra­struk­tur am Ar­beits­platz kön­nen Ar­beit­ge­ber wich­ti­ge An­rei­ze set­zen. Und auch die Un­ter­neh­men selbst pro­fi­tie­ren. Wenn die Rei­se­kos­ten sin­ken, der Kran­ken­stand zu­rück­geht und mehr Ar­beit­neh­mer zu­frie­den sind, ist al­len ge­dient. Auch Deutsch­land ver­folgt ehr­gei­zi­ge Plä­ne zum Aus­bau sei­ner Rad­in­fra­struk­tur. Als be­nach­bar­te Rad­fah­rer­na­ti­on hö­ren wir das nur all­zu gern. 

Mobilität der Vielfalt

Nach­hal­ti­ge Per­so­nen­mo­bi­li­tät der Zu­kunft – vie­le den­ken da­bei schnell an die Elek­tri­fi­zie­rung un­se­rer Kfz-Flot­te. Ja ge­nau, um im Ver­kehrs­sek­tor rasch Emis­si­ons­min­de­run­gen zu er­zie­len, ist die­se An­triebs­wen­de ei­ner der zen­tra­len Bau­stei­ne. Das ist rich­tig, wird aber nicht rei­chen. Was wir brau­chen, ist ei­ne an­de­re Form der Mo­bi­li­tät: we­ni­ger au­to­zen­triert, statt­des­sen viel­fäl­ti­ger, na­tür­lich di­gi­ta­li­siert und al­les mit­ein­an­der ver­netzt. Es geht al­so nicht um ei­ne An­triebs­wen­de. Es geht um ei­ne ech­te Mo­bi­li­täts­wen­de. Da­bei spielt die Mul­ti­moda­li­tät ei­ne ent­schei­den­de Rol­le. Vie­le ver­schie­de­ne Mo­bi­li­täts­for­men wer­den fle­xi­bel und be­darfs­ge­recht ge­nutzt: ÖPNV, Shared Mo­bi­li­ty und na­tür­lich auch das Rad so­wie der Fuß­marsch. Zu­gang zu die­sen An­ge­bo­ten er­hal­ten die Nutzer:innen idea­ler­wei­se auf der Ba­sis von Mo­bi­li­ty-as-a-Ser­vice-Platt­for­men. Sie er­mög­li­chen, dass auf al­le An­ge­bo­te über ei­ne App zu­ge­grif­fen wer­den kann. Der Ge­setz­ge­ber ist hier­zu mehr­fach ge­for­dert: Es wer­den Da­ten­stan­dards und dis­kri­mi­nie­rungs­freie Zu­gän­ge zu den ver­schie­de­nen Sys­te­men für ei­ne ef­fi­zi­en­te Ent­wick­lungs­ar­beit be­nö­tigt. Des Wei­te­ren be­darf es ei­ner steu­er­li­chen Re­ge­lung, die die­se Mo­bi­li­täts­kon­zep­te in­cen­ti­viert. Ge­lingt dies, wer­den sich neue An­ge­bo­te wie zum Bei­spiel das Mo­bi­li­täts­bud­get gut als Al­ter­na­ti­ve zum ei­ge­nen Au­to oder als Pau­scha­le zur In­cen­ti­vie­rung nach­hal­ti­ger Frei­zeit- oder Pen­del­mo­bi­li­tät durchsetzen. 

Sylvia Lier 

Mo­bi­li­täts­en­thu­si­as­tin, Key­note Spea­ke­rin und Mo­bi­li­ty­bud­get Thought Leader 

Anzeige

Nicholas Magliocco 

Lei­ter eMo­bi­li­ty Zen­tral- und Ost­eu­ro­pa, En­el X Way 

Intuitive Lösungen

Wir al­le wis­sen, dass ei­ne nach­hal­ti­ge­re, sau­be­re­re Welt mög­lich ist. Schon jetzt gibt es vie­le gu­te Im­pul­se für die Mo­bi­li­täts­wen­de, wo­bei er­neu­er­ba­re En­er­gien ei­ne ent­schei­den­de Rol­le spie­len – und die Le­bens­qua­li­tät spür­bar ver­bes­sern. Par­al­lel zum Aus­bau der öf­fent­li­chen La­dein­fra­struk­tur braucht es je­doch noch sehr viel mehr La­de­sta­tio­nen im pri­va­ten und pri­vat­wirt­schaft­li­chen Be­reich, al­so et­wa bei Un­ter­neh­men, Ein­kaufs­zen­tren und Re­stau­rants, die auf die­sem Weg auch zu­sätz­li­che Ein­nah­men ge­ne­rie­ren kön­nen. Ne­ben der nächs­ten In­ves­ti­ti­ons­wel­le in die­sem Seg­ment, die mit dem Rü­cken­wind von In­vest­ment­fonds sehr viel grö­ßer aus­fal­len wird als die ers­ten Schrit­te der First Mo­vers, spielt auch der Fak­tor Soft­ware ei­ne ent­schei­den­de Rol­le. Denn es wird zu­neh­mend wich­ti­ger wer­den, Rou­ten und Ver­kehrs­flüs­se zu op­ti­mie­ren und Zu­gang zu die­sem kon­ti­nu­ier­lich wach­sen­den Netz zu ha­ben. Die Soft­ware ist da­bei die ent­schei­den­de Schnitt­stel­le, denn über sie wer­den in Zu­kunft im­mer neue und auch ganz spe­zi­ell auf die Kun­den­wün­sche zu­ge­schnit­te­ne Ser­vices mög­lich sein. Aus ge­nau die­sem Grund ar­bei­ten wir bei En­el X Way täg­lich wei­ter dar­an, mög­lichst ef­fek­ti­ve Soft­ware­lö­sun­gen in ei­ner di­gi­ta­len Suite zu bün­deln, die ein in­tel­li­gen­tes En­er­gie­ma­nage­ment und so­mit auch das Ein­spa­ren von En­er­gie kin­der­leicht macht. Mit der­art simp­len und in­tui­ti­ven Lö­sun­gen kön­nen wir die Wei­chen für ein grü­ne­res Mor­gen schon heu­te stellen. 

Arbeitsweg

So viel CO2 produziert eine Person auf zehn Kilometern 

arbeitsweg

Quel­len: po­lar­stern, Umweltbundesamt

Matthias Ballweg

Leser

Freiheit geht auch ohne Auto

Mo­bi­li­tät muss oder darf Spaß ma­chen. Oh­ne die­se Ziel­grö­ße mit auf dem Ra­dar zu ha­ben, wird es schwer. Ver­steht mich nicht falsch. Nie­mand soll­te zum Spaß über­gro­ße Ver­bren­ner-SUVs durch In­nen­städ­te fah­ren dür­fen, oh­ne für die wah­ren Kos­ten des­sen zu be­zah­len. Egal, wie viel frag­wür­di­ge Freu­de das Ein­zel­nen ma­chen mag. Aber es ist es­sen­zi­ell, dass es ge­lingt, die Vi­si­on ei­ner nach­hal­ti­gen Mo­bi­li­tät nicht mit Ver­zicht, son­dern mit Spaß, Ge­nuss und Freu­de zu as­so­zi­ie­ren. Be­grif­fe wie Frei­heit und Spaß gilt es mit kol­lek­ti­ver, ge­teil­ter, nach­hal­ti­ger Mo­bi­li­tät zu as­so­zi­ie­ren, statt wie ak­tu­ell mit PS-star­ker In­di­vi­dual­mo­bi­li­tät. Ein Bei­spiel aus Mün­chen: Es macht zum Bei­spiel ein­fach Lau­ne, mit Wi­fi und Ge­tränk in der Hand mit dem Berg­bus in die Ber­ge zu fah­ren und auf die Au­to­fah­rer her­un­ter­zu­schau­en. Der Bus hat nichts mit Ver­zicht auf Frei­heit zu tun, er schafft Frei­heit. Die Frei­heit, im In­ter­net zu sein wäh­rend der Fahrt. Die Frei­heit, sich schon auf der Heim­fahrt ein Bier auf­zu­ma­chen, und vie­les wei­te­re mehr. 

Konsequent visionär

Um ei­ne Trans­for­ma­ti­on hin zu ei­ner nach­hal­ti­gen Mo­bi­li­tät zu be­schleu­ni­gen, muss an vie­len Stell­he­beln ge­zo­gen wer­den. Zu­nächst ist es wich­tig, Nut­zer für die Zu­kunft von Mo­bi­li­tät zu be­geis­tern und in Rich­tung Nach­hal­tig­keit zu len­ken. Es muss uns ge­lin­gen, Ver­lustangst in Freu­de auf die Zu­kunft zu dre­hen, et­wa in­dem wir auf­klä­ren und at­trak­ti­ve Zu­kunfts­bil­der schaf­fen, an­statt dem ex­trem ver­lust­ge­trie­be­nen Den­ken, ge­ra­de in Hin­blick auf das Au­to, mehr Fut­ter zu ge­ben. Da­bei hilft es auch, ehr­lich zu sein. Na­tür­lich schafft ei­ne Um­ge­wöh­nung erst­mal Un­be­ha­gen. Doch es lohnt sich, nach­hal­ti­ge Fort­be­we­gung kon­se­quent zu för­dern und al­les an­de­re trans­pa­rent zu­rück­zu­bau­en und zu de­in­cen­ti­vie­ren. Da­für braucht es ei­nen Trans­for­ma­ti­ons­plan, der le­gis­la­tur­pe­ri­oden- und par­tei­en­über­grei­fend wirkt. Tat­säch­lich las­sen sich Trans­for­ma­tio­nen be­schleu­ni­gen, in­dem man lang­fris­tig denkt, et­wa in Zehn-Jah­res-Pe­ri­oden. Da­mit sind Län­der wie Nor­we­gen, Chi­na und Uru­gu­ay gut ge­fah­ren. Ein wei­te­rer wich­ti­ger He­bel liegt im tech­ni­schen Fort­schritt und in der In­no­va­ti­on des ÖPNV. Bei­des soll­te pri­vat­wirt­schaft­lich er­mög­licht und ge­för­dert wer­den. Gleich­zei­tig müs­sen wir Städ­te und Kom­mu­nen in ih­rer Rol­le als Trans­for­ma­ti­ons­mo­to­ren stär­ken. Da­bei geht es um ei­ne fai­re Flä­chen­ver­tei­lung im öf­fent­li­chen Raum – für ei­ne Stär­kung CO2-neu­tra­ler Mo­bi­li­tät und mehr Le­bens­raum. Das al­les ge­lingt uns am bes­ten mit dem kon­se­quen­ten Ab­ar­bei­ten ei­nes Transformationsplans. 

Jürgen Stackmann 

Di­rek­tor Fu­ture Mo­bi­li­ty Lab, Uni­ver­si­tät St. Gal­len und ehe­ma­li­ger Vor­stands­vor­sit­zen­der Seat 

Bereit fürs Leben

Kompetenzerwerb und seine Rolle im Unterricht

Quel­le: Umweltbundesamt

Dirk Flege 

Ge­schäfts­füh­rer Al­li­anz pro Schiene 

Autofrei mobil

Es gibt ge­ra­de so viel Schwung für die Ver­kehrs­wen­de wie nie zu­vor – wir müs­sen ihn nur nut­zen. Die Co­ro­na-Del­le im Per­so­nen­ver­kehr ist weit­ge­hend pas­sé, zu­letzt wa­ren so­gar mehr Fahr­gäs­te in den Fern­zü­gen der Deut­schen Bahn un­ter­wegs als vor der Pan­de­mie. Die Men­schen sind an­ge­sichts von Kli­ma- und En­er­gie­kri­se be­reit, ihr ei­ge­nes Mo­bi­li­täts­ver­hal­ten zu hin­ter­fra­gen und zu ver­än­dern. Auch im Nah­ver­kehr ha­ben wir ge­se­hen, dass die Men­schen ab­fah­ren auf die Bah­nen, wenn ein Ti­cket un­kom­pli­ziert und güns­tig zu ha­ben ist. Für ei­ne nach­hal­ti­ge­re Mo­bi­li­tät ist das ei­ne Rie­sen­chan­ce, die die Po­li­tik jetzt nut­zen muss. Die Men­schen er­war­ten ein bes­se­res An­ge­bot mit pünkt­li­chen Zü­gen, en­ge­ren Tak­tun­gen auch im länd­li­chen Raum und mehr Mög­lich­kei­ten, ÖPNV und Fahr­rad zu kom­bi­nie­ren. Kurz: ei­ne Ga­ran­tie, auch oh­ne ei­ge­nes Au­to je­der­zeit mo­bil sein zu kön­nen. Ein ech­tes Hemm­nis ist aber, dass das Schie­nen­netz in Deutsch­land chro­nisch un­ter­fi­nan­ziert ist. Ei­ne bes­se­re In­fra­struk­tur muss ganz oben auf der To-do-Lis­te ste­hen. Es muss ein En­de ha­ben, dass sämt­li­che Ein­nah­men aus der Lkw-Maut nur in den Stra­ßen­bau flie­ßen. Das Ge­setz muss so ge­än­dert wer­den, dass auch in nach­hal­ti­ge­re Al­ter­na­ti­ven wie die Schie­ne in­ves­tiert wer­den darf. Wir müs­sen Mit­tel um­schich­ten von den um­welt­schäd­li­chen zu den um­welt­freund­li­chen Ver­kehrs­mit­teln. Denn von mehr Mit­teln für die Ver­kehrs­wen­de pro­fi­tie­ren al­le. Das ist nicht nur öko­lo­gisch, son­dern auch sozial. 

Thilo Friedrichsen

Leser

Quality Time

Nach­hal­ti­ge Mo­bi­li­tät fängt im Kopf an. Man soll­te sei­nen Ta­ges­ab­lauf so le­gen, dass die not­wen­di­ge Mo­bi­li­tät wie Ar­beits­we­ge und Ein­kau­fen fah­ren so ef­fi­zi­ent wie mög­lich struk­tu­riert ist, da­mit viel Zeit für die Ge­nuss­mo­bi­li­tät wie Sport und Spa­zie­ren­ge­hen bleibt. 

Martina Bordukat

Leserin

Auf Irrfahrt

Möch­te aus Schles­wig-Hol­stein nach Bonn, per Zug. Pla­ne ei­ne hal­be Stun­de frü­he­re Ab­fahrt ein, weil ich von Zug­aus­fäl­len und Ver­spä­tun­gen ge­hört ha­be. Der Zug um 6:30 Uhr fällt aus, der da­nach wird sich so ver­spä­ten, dass der An­schluss nicht zu krie­gen ist. Am Bahn­steig läuft auf der An­zei­ge ein Text durch, dass ein Bus als Er­satz fährt, aber nicht wo. Al­so zu­rück zum Gleis. Meh­re­re Ge­stran­de­te un­ter­hal­ten sich, rat­los. In­fos gibt es nicht. Ei­ner bie­tet an, drei Per­so­nen mit­zu­neh­men, er hät­te sein Au­to auf dem Park­platz. Es neh­men drei dank­bar an, fah­ren als un­ver­hoff­te Fahr­ge­mein­schaft zum nächst­grö­ße­ren Bahn­hof per Au­to – ein Mensch da­von bin ich. Am neu­en Ab­fahrts­ort: Plan­mä­ßi­ge Ab­fahrt 8:42 Uhr. Der DB Na­vi­ga­tor sagt: Ab­fahrt um 9:13 Uhr. Am Gleis steht da­von nichts. Zwei Leu­te ne­ben mir sa­gen zu sich: Ach, der fährt ja 30 Mi­nu­ten spä­ter, dann trin­ken wir noch nen Kaf­fee – und ge­hen los. Fünf Mi­nu­ten spä­ter: Die App sagt, der Zug kommt nur ei­ne Mi­nu­te spä­ter, in Echt wer­den es dann fünf Mi­nu­ten. Und jetzt fra­ge ich mich, ob die bei­den den Zug noch be­kom­men ha­ben. Ich fra­ge mich echt, wie das ge­hen soll. 

Helmut-Mario Reiter

Leser

Quality Time

Kli­ma­neu­tral ist ein smar­tes Ziel und da­her nervt es so sehr – weil da je­des sinn­freie Be­we­gen in Ma­schi­nen schon mal weg­fällt. Wie viel Spaß (fast) kli­ma­freie Mo­bi­li­tät ma­chen kann, kann je­der Wan­dern­de, Her­um­tol­len­de, Ra­deln­de selbst erleben. 

Kurt Sigl 

Prä­si­dent Bun­des­ver­band eMo­bi­li­tät (BEM)

Mehrfach nutzen

Die Nach­hal­tig­keit in der Mo­bi­li­tät hin­ter­fragt den Mit­tel­ein­satz auf sei­ne öko­lo­gi­schen und so­zia­len Fol­gen. Da­mit sind Deutsch­land und die Welt heu­te be­reits in­ten­siv be­schäf­tigt. Der Wech­sel von Ver­bren­ner­tech­no­lo­gie zu Elek­tro­mo­bi­li­tät ist da­bei ein rie­si­ger ers­ter Schritt. Par­al­lel da­zu steht die Um­stel­lung der En­er­gie­ver­sor­gung von fos­si­len auf er­neu­er­ba­re En­er­gie­trä­ger. Ein E‑Auto mit Koh­le­strom zu fah­ren, macht ein­fach kei­nen Sinn. Im Ka­pi­tel, wel­ches da­nach kommt, geht es dar­um, wie wir die Nach­hal­tig­keit wei­ter ver­bes­sern kön­nen, et­wa bei der Res­sour­cen­ver­wen­dung. Das ist noch weit hin und den­noch gibt es schon Un­ter­neh­men, die die­se Pe­ri­ode ins Vi­sier ge­nom­men ha­ben. Dort wer­den zum Bei­spiel E‑­Au­to-Bat­te­rien da­zu ver­wen­det, Spei­cher­sys­te­me für Lie­gen­schaf­ten zu bau­en. Wenn al­so Fahr­zeug­a­k­kus üb­rig sind oder aus­ge­dient ha­ben, ge­hen sie in ei­ne Se­cond-Life-Ver­wen­dung. Je­der La­de­park, je­der Ar­beit­ge­ber, je­des Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men wird in Zu­kunft En­er­gie­vor­rä­te be­nö­ti­gen, um öko­lo­gisch zu ar­bei­ten oder sei­ne E‑Fahrzeuge auf­zu­la­den. Spei­cher­sys­te­me wer­den hel­fen, Eng­päs­se am La­de­an­schluss zu über­win­den und zeit­lich fle­xi­bel aus­rei­chend En­er­gie­vor­rat be­reit­zu­stel­len, wenn Wind und Son­ne mal nicht ak­tiv als En­er­gie­quel­len zur Ver­fü­gung ste­hen. Das wä­re mög­lich, wenn auch in Deutsch­land Mul­ti-Use-An­wen­dun­gen von Fahr­zeug­bat­te­rien er­laubt wer­den. Dann kann Mo­bi­li­tät noch viel nach­hal­ti­ger sein, als wir es bis­lang gestatten. 

Anzeige

Stefan Walter 

Ge­schäfts­füh­rer Bun­des­ver­band der deut­schen Bioethanolwirtschaft 

Nachhaltig und effizient mit E10

Seit über zehn Jah­ren steht E10 für Nach­hal­tig­keit und Kli­ma­schutz in der Mo­bi­li­tät: das „E“ für er­neu­er­ba­res Etha­nol, die „10“ für den pro­zen­tua­len Bei­mi­schungs­an­teil im fos­si­len Ben­zin. Durch ei­ne aus­ge­feil­te und staat­lich kon­trol­lier­te Zer­ti­fi­zie­rung ge­langt da­bei nur Etha­nol in den Tank, des­sen Nach­hal­tig­keit und Um­welt­nut­zen nach­ge­wie­sen wird. Un­ab­hän­gig da­von, ob der Al­ko­hol aus Acker­pflan­zen wie Fut­ter­ge­trei­de und Zu­cker­rü­ben oder aus Ab­fall- und Rest­stof­fen her­ge­stellt wur­de: Von der Saat über den An­bau der Pflan­zen bis zur Pro­duk­ti­on des Bio­kraft­stoffs müs­sen eu­ro­pa­weit gül­ti­ge Nach­hal­tig­keits­stan­dards ein­ge­hal­ten und von den Her­stel­lern er­füllt wer­den. Ent­wal­dungs­freie Lie­fer­ket­ten und CO2-Min­de­rungs­vor­ga­ben sind im Be­reich der Bio­etha­nol­pro­duk­ti­on schon lan­ge Rea­li­tät. Mo­der­ne eu­ro­päi­sche Bio­raf­fi­nie­ren sor­gen für ei­ne ef­fi­zi­en­te und ganz­heit­li­che Roh­stoff­nut­zung. Die zu­sätz­lich ent­ste­hen­den Co-Pro­duk­te wie Fut­ter- und Dün­ge­mit­tel so­wie bio­ge­nes CO2 sind wich­ti­ge Ele­men­te zur Si­che­rung der Er­näh­rungs­si­cher­heit und gleich­zei­tig Bau­stei­ne der Bio­öko­no­mie. In heu­ti­gen Ot­to­mo­to­ren ver­brennt E10 sau­be­rer als an­de­re Kraft­stof­fe. Da­durch wird nicht nur CO2 ein­ge­spart, son­dern wer­den auch um­welt- und ge­sund­heits­schäd­li­che Emis­sio­nen re­du­ziert. Mitt­ler­wei­le kön­nen 95 Pro­zent der deut­schen Ben­zi­ner E10 be­den­ken­los tan­ken.
 
Wei­te­re In­fos un­ter: e10tanken.de

Ökoromantische Utopie

Kli­ma­neu­tra­le Mo­bi­li­tät wird ei­ne öko­ro­man­ti­sche Uto­pie blei­ben. Wir hin­ter­las­sen – au­ßer als Fuß­gän­ger – im­mer ei­nen CO2-Ab­druck. Al­lein die Her­stel­lung von Fort­be­we­gungs­mit­teln und die Be­reit­stel­lung von In­fra­struk­tur brau­chen En­er­gie und Roh­stof­fe. Die Fra­ge ist, wie uns zu­min­dest ei­ne mög­lichst nach­hal­ti­ge Mo­bi­li­tät ge­lingt. Da­bei darf nicht au­ßer Acht ge­las­sen wer­den, dass Mo­bi­li­tät als mensch­li­ches Grund­be­dürf­nis von ho­hem Nut­zen für uns ist – trotz der ex­ter­nen Fol­ge­schä­den. Sie ist Grund­la­ge für so­zia­le und öko­no­mi­sche Teil­ha­be und da­mit für Le­bens­qua­li­tät und Wohl­stand. Wir müs­sen in un­se­rer ver­netz­ten Welt die­sen Ziel­kon­flikt zwi­schen so­zia­lem, öko­lo­gi­schem und öko­no­mi­schem Mo­bi­li­täts­fuß­ab­druck aus­ta­rie­ren. Was braucht es für ei­ne mög­lichst nach­hal­ti­ge Mo­bi­li­tät? Al­ter­na­ti­ven, An­rei­ze und Auf­klä­rung – statt Ver­bo­te. We­ni­ger Be­sitz, mehr Sharing. Nicht nur Pkws in­klu­si­ve SUVs mit Um­welt­bo­nus för­dern, son­dern auch Kleinst­wa­gen (LEV) so­wie die in­tel­li­gen­te­re Nut­zung und Aus­las­tung vor­han­de­ner In­fra­struk­tur und Trans­port­mit­tel. Di­gi­tal ver­netz­te Ver­kehrs­mit­tel, die uns „Mo­bi­li­tät auf Knopf­druck“ er­mög­li­chen, in dem Mo­ment, für den Zweck und an dem Ort, wo wir die­se be­nö­ti­gen. Mehr und bes­se­re Al­ter­na­ti­ven zum ei­ge­nen Au­to. Für ei­ne smar­te Mo­bi­li­tät, die mög­lichst nach­hal­tig, ef­fi­zi­ent, be­quem und wie­der freud­voll ist. Auf der Grund­la­ge von Kreis­lauf­wirt­schaft, Mo­bi­li­täts­fuß­ab­druck und den wirk­li­chen Kosten. 

Hans-Peter Kleebinder 

Stu­di­en­lei­ter Smart Mo­bi­li­ty Ma­nage­ment, Uni­ver­si­tät St. Gallen 

Katja Diehl 

Mo­bi­li­täts­be­ra­te­rin, Key­note-Spea­ke­rin und Trä­ge­rin Deut­scher Mobilitätspreis 

Eine Frage, viele Antworten

Mei­ner Mei­nung nach kann Mo­bi­li­tät nur nach­hal­ti­ger wer­den. Je ma­schi­nel­ler und in­di­vi­du­el­ler des­to mehr ne­ga­ti­ve Aus­wir­kung auf Kli­ma, Res­sour­cen und Um­welt. Drei Schrit­te kön­nen un­se­re Mo­bi­li­tät nach­hal­ti­ger ma­chen: 1) Mensch statt Ma­schi­ne. Zu vie­le sit­zen ge­gen ih­ren Wil­len im Au­to. Wenn sich Ver­füg­bar­keit, Bar­rie­re­frei­heit, Si­cher­heit und Be­zahl­bar­keit in der al­ter­na­ti­ven Mo­bi­li­tät nicht fin­den, stei­gen die­se Men­schen nicht aus ih­rem Au­to aus. 2) We­ni­ger We­ge, we­ni­ger In­ef­fi­zi­enz, we­ni­ger Ego. In der Pan­de­mie hat sich her­aus­ge­stellt, dass über 60 Pro­zent der Jobs in Deutsch­land mo­bil ab­bild­bar sind. Das er­öff­net un­ge­ahn­te Mög­lich­kei­ten. Be­gin­nend beim Vi­deo­mee­ting, das Flü­ge er­setzt, bis hin zu Co­wor­king im länd­li­chen Raum. Aber auch we­ni­ger Hy­per­mo­bi­li­tät. In­ner­deut­sches Flie­gen mor­gens hin und abends zu­rück, das sind die De­tails, die Wohl­ha­ben­de zu den größ­ten Emit­ten­ten im Ver­gleich zu Men­schen mit klei­nem Ein­kom­men ma­chen. Wir ha­ben ei­ne gro­ße Ver­ant­wor­tung. Als Han­deln­de, aber auch als Vor­bil­der im ei­ge­nen Un­ter­neh­men. 3) Sharing muss zum Ca­ring wer­den. Ob E‑Scooter oder Leih­rä­der, im­mer wer­den die Ge­fähr­te de­mo­liert oder un­acht­sam an­de­ren Men­schen in den Weg ge­stellt. Das Ca­ring muss bei den Städ­ten und Kom­mu­nen be­gin­nen: Auf­stell­flä­chen müs­sen her. Aber auch das Ca­ring im Sin­ne von in­te­grier­ter Mo­bi­li­tät. Kei­ne In­sel­lö­sun­gen mehr, son­dern in­ner­halb ei­ner Platt­form die Mo­bi­li­täts­ket­te or­ga­ni­sie­ren – und bezahlen.

Lukas Neckermann

Leser

Der wah­re Mo­bi­li­täts­kreis­lauf er­zeugt wirt­schaft­li­ches Wachs­tum. Wachs­tum, da in die kom­plet­te Wert­schöp­fungs­ket­te der Elek­tro- und au­to­no­men Mo­bi­li­tät in­ves­tiert wird. Wachs­tum, da mehr Per­so­nen an Mo­bi­li­tät und dem wirt­schaft­li­chen Le­ben teil­ha­ben kön­nen. Wachs­tum, da Le­bens­qua­li­tät und Ge­sund­heit mit der Luft­qua­li­tät an­stei­gen. Wachs­tum, da „smar­te“ Lö­sun­gen für Men­schen ge­baut und ak­zep­tiert werden. 

Michael Becker

Leser

Erst­mal ist Mo­bi­li­tät ein mensch­li­ches Grund­recht und der Zu­gang soll­te al­len Men­schen, un­ter dem Aspekt der Nach­hal­tig­keit, ge­währt sein. Or­te wer­den durch Ver­kehrs­we­ge ver­bun­den. Die­se soll­ten mit Ver­kehrs­mit­teln zu Fuß, mit Fahr­rad, Au­to­mo­bil, Zug, Flie­ger und Schiff mög­lichst emis­si­ons­los, be­quem, preis­wert und bar­rie­re­frei so­wie stau- und un­fall­frei be­nutzt wer­den. Oh­ne Stra­ßen und In­fra­struk­tur geht nichts. Dar­um soll­te man mei­nes Er­ach­tens Mo­bi­li­tät als zu op­ti­mie­ren­des ganz­heit­li­ches so­zio-tech­no­lo­gi­sches Eco­sys­tem be­trach­ten. Aus der Au­to­mo­bil­in­dus­trie wird die Mobilitätswirtschaft. 

Kerstin Kortekamp

Leserin

Ich hal­te Rad­fah­ren für nach­hal­ti­ger als das Zu­fuß­ge­hen. Nach­ge­rech­net ha­be ich es nicht, aber ich schät­ze, dass der Quo­ti­ent aus Ma­te­ri­al- und En­er­gie­ein­satz auf der ei­nen Sei­te so­wie Reich­wei­te und Ge­sund­heits­ef­fek­te auf der an­de­ren bei kei­nem Ver­kehrs­mit­tel güns­ti­ger aus­fällt als beim Fahr­rad. Na­tür­lich nur, wenn es rein mus­kel­be­trie­ben ist. Sonst hal­te ich nicht viel von der Hier­ar­chie der Ver­kehrs­teil­neh­men­den. Wo­nach wird ge­wer­tet? Nach Ge­schwin­dig­keit? Nach Ver­letz­lich­keit? Nach Flä­chen­ver­tei­lung? Rad­fah­ren­de und Fußgänger:innen soll­ten sich nicht über- oder un­ter­le­gen füh­len, son­dern die ge­mein­sa­men In­ter­es­sen nach vorn stellen. 

Stefan Mueller

Leser

Nach­hal­tig­keit muss die Grund­la­ge zu­künf­ti­ger Mo­bi­li­tät sein. Nur dann müs­sen nicht un­be­dingt we­ni­ger We­ge sein und wir kön­nen wei­ter im Aus­tausch blei­ben mit an­de­ren. Freun­des­krei­se bes­ser über Di­stan­zen er­hal­ten als nur in der Nach­bar­schaft, an­de­re Kul­tu­ren ken­nen­ler­nen und ein­fach mehr mit­ein­an­der agie­ren. Ge­nau das ist es näm­lich, was wir mei­ner Mei­nung nach ge­sell­schaft­lich brau­chen, statt ei­nes im­mer ver­kehr­te­ren Rück­zugs in die ei­ge­ne (vir­tu­el­le) Blase. 

Florian Kobler

Leser

Ich glau­be, der so­zia­le Aus­tausch wird to­tal un­ter­schätzt in der Dis­kus­si­on. So­fort er­ge­ben sich po­si­ti­ve Ef­fek­te, so­bald wir aus un­se­ren Blech­schüs­seln aus­stei­gen und uns ge­gen­sei­tig wie­der als Men­schen, nicht als po­ten­zi­ell töd­li­che Ma­schi­nen und da­mit als Geg­ner wahrnehmen. 

Tina Schmidt

Leserin

Mo­bi­li­tät ist Fluch und Se­gen glei­cher­ma­ßen. Bis vor we­ni­gen Jahr­zehn­ten en­de­te die Mo­bi­li­tät der meis­ten In­di­vi­du­en an den Rän­dern des ei­ge­nen Dor­fes oder an der Stadt­gren­ze. Heut­zu­ta­ge liegt uns die Welt zu Fü­ßen. Da­durch hat sich die Welt wirt­schaft­lich, ge­sell­schaft­lich und kul­tu­rell re­vo­lu­tio­niert. Aber lei­der sind die Nach­tei­le der Mo­bi­li­tät für Men­schen, Krea­tu­ren und die Na­tur lan­ge ver­nach­läs­sigt und auch be­wusst ba­ga­tel­li­siert wor­den. Nun soll­te aber auch der letz­te Au­to­en­thu­si­ast mit Ben­zin im Blut be­grif­fen ha­ben, dass wir uns die­se Art von Mo­bi­li­tät nicht mehr leis­ten kön­nen. In­tel­li­gen­te Lö­sun­gen sind ge­fragt, mit de­nen Ver­kehrs­trä­ger ver­netzt und mit nach­hal­ti­ger En­er­gie be­trie­ben werden. 

Robin Weidner 

Vor­stands­mit­glied Mitfahrverband 

Mitfahrer:in gesucht

In ei­nem Pkw sit­zen im Schnitt nur 1,3 Per­so­nen, ob­wohl Um­fra­gen zu­fol­ge ei­ne ho­he Be­reit­schaft für ein ge­mein­sa­mes Fah­ren be­steht. Es gibt et­li­che On­line-Mit­fahr­diens­te, die Not­wen­dig­keit, En­er­gie zu spa­ren, ist in der Ge­sell­schaft an­ge­kom­men. Oft gibt es aber kei­ne tech­nisch über­grei­fen­de, vi­su­el­le Ver­net­zung, um die Teil­nah­me zu er­leich­tern. Ei­nen nach­hal­ti­gen Le­bens­stil in der Mo­bi­li­tät vor­schla­gen, der den Sta­tus quo at­trak­tiv er­gänzt und auf ge­sell­schaft­li­chem Zu­sam­men­halt ba­siert, das wa­ren die Be­weg­grün­de der Mit­fahr­schei­be. Die Mit­fahr­schei­be ist ei­ne Ab­wand­lung der Park­schei­be, wo­bei das Blau zum Grün und das P zum M für Mit­fah­ren wird. Ähn­lich zur Park­schei­be kann man so sei­ne Ab­fahrts­zeit und sein Fahr­ziel kund­tun und po­ten­zi­ell Mit­fah­ren­de ein­la­den. Pas­send da­zu wer­den ei­ne Be­schil­de­rung für Mit­fahr­hal­te­punk­te und ei­ne di­gi­ta­le Va­ri­an­te als Be­nut­zer­ober­flä­che vor­ge­schla­gen. Die Po­li­tik soll­te sich dem The­ma Mit­fah­ren als er­gän­zen­de Mo­bi­li­täts­form ernst­haft wid­men und es fi­nan­zi­ell, ope­ra­tiv und kom­mu­ni­ka­tiv un­ter­stüt­zen. Es wä­re er­stre­bens­wert, wenn es über­all, wo es Park­schei­ben gibt, auch Mit­fahr­schei­ben ge­ben wür­de, das si­che­res Mit­fah­ren schon in der Fahr­schu­le un­ter­rich­tet wür­de und Mit­fahr­hal­te­punk­te so häu­fig ge­fun­den wer­den kön­nen wie Bus­hal­te­stel­len. Mit­fah­ren ist ein Bei­spiel da­für, dass nach­hal­ti­ge Le­bens­sti­le von je­dem mit­ge­tra­gen wer­den kön­nen, wenn pas­sen­de und ein­la­den­de Rah­men­be­din­gun­gen ge­schaf­fen werden. 

Angebot und Nachfrage

Was uns nachhaltiger reisen lassen würde

Quel­le: Umweltbundesamt 

Thomas Büermann 

Ko­or­di­na­tor Pro­jekt fLot­te – Freie Las­ten­rä­der für Ber­lin, ADFC Berlin 

Bessere Alternative

Es ist ei­ne Bin­sen­weis­heit, die in der Dis­kus­si­on über die Mo­bi­li­tät von mor­gen kaum vor­kommt: Die nach­hal­tigs­te Mo­bi­li­tät ist die­je­ni­ge, die gar nicht statt­fin­det. Aber da un­se­re Ge­sell­schaft ver­in­ner­licht hat, dass sich un­se­re Frei­heit ganz we­sent­lich über un­be­grenz­te Mo­bi­li­tät de­fi­niert, kann man mit viel Em­pö­rung rech­nen, wenn man die­se ver­meint­li­che Selbst­ver­ständ­lich­keit in­fra­ge stellt. Al­so rüt­teln wir nicht an Ta­bus, son­dern set­zen am an­de­ren En­de an, näm­lich bei un­se­ren all­täg­li­chen Fahr­ten. Die­se sind meist nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter lang und oft­mals geht es um den Trans­port von Kin­dern oder Ein­käu­fen, um den Wo­chen­end­aus­flug oder den klei­nen Um­zug. Für all dies ist das Las­ten­rad das idea­le Fahr­zeug: emis­si­ons­frei, ge­sund­heits­för­dernd, fle­xi­bel und preis­wert. Wie kann man die­se Er­fah­rung po­pu­lä­rer ma­chen? In­dem man Las­ten­rä­der mög­lichst nied­rig­schwel­lig zur Ver­fü­gung stellt. Die mehr als 100 In­itia­ti­ven des Fo­rum Freie Las­ten­rä­der stel­len in ih­ren Kom­mu­nen Las­ten­rä­der kos­ten­frei und ein­fach buch­bar zur Aus­lei­he zur Ver­fü­gung. Eh­ren­amt­li­ches En­ga­ge­ment und groß­zü­gi­ge Spon­so­ren ma­chen die­ses Wun­der mög­lich. Die fLot­te, die größ­te die­ser In­itia­ti­ven, stellt knapp 250 Las­ten­rä­der in al­len Kiezen Ber­lins und vie­len Or­ten Bran­den­burgs be­reit. Für bis­her rund 100.000 Fahr­ten brauch­te man kein Au­to, konn­te die Idee der „Com­mons“ im All­tag er­le­ben, den Nut­zen so­li­da­ri­schen Han­delns ge­nie­ßen und neue Mo­bi­li­tät kon­kret erfahren. 

Sebastian Reikowski

Leser

Zielkonflikt klären

Die Mo­bi­li­tät als mensch­li­ches Grund­be­dürf­nis hal­te ich für wich­tig, so­zi­al wie öko­no­misch. Bis­her war un­se­re in­di­vi­du­el­le Mo­bi­li­tät er­kauft. Zu ei­nem ho­hen Preis, was Um­welt, Kos­ten und so­zia­le Ge­rech­tig­keit an­geht. Die viel zu lan­ge an­dau­ern­de Aus­rich­tung der ver­kehrs­tech­ni­schen In­fra­struk­tur an der Au­to­mo­bi­li­tät er­schwert uns nun die Ver­än­de­rung. Durch Ver­net­zung, tech­ni­sche Ent­wick­lung und Sharing kön­nen wir den Ziel­kon­flikt zwi­schen Nut­zen und öko­no­mi­schen wie auch öko­lo­gi­schen Kos­ten re­du­zie­ren. Wich­tigs­te Punk­te auf dem Weg zu mehr Nach­hal­tig­keit im Ver­kehr sind: Um­par­ken im Kopf, An­rei­ze für Um­stieg schaf­fen, tat­säch­li­che Kos­ten zu­ord­nen, Zu­sam­men­ar­beit von Kom­mu­nen und Mo­bi­li­täts­an­bie­tern, Si­cher­heit für schwä­che­re Ver­kehrs­teil­neh­mer er­hö­hen und be­trieb­li­che Mobilität. 

Mario Eibl

Leser

Beste Bilanz

Als Rad­fah­rer ver­braucht man ein Fünf­tel der En­er­gie, die man als Fuß­gän­ger ver­braucht für die­sel­be zu­rück­ge­leg­te Stre­cke. Da­für muss al­so we­ni­ger En­er­gie, zum Bei­spiel durch Fleisch­kon­sum, dem Kör­per zu­ge­führt wer­den und da­durch hat ein Rad­fah­rer ei­nen ge­rin­ge­ren CO2-Fuß­ab­druck als ein Fußgänger. 

Rainer Koch

Leser

Nach­hal­tig ist es, am Wohn­ort zu ar­bei­ten oder am Ar­beits­ort zu woh­nen. Die­se ba­sa­le Tra­di­ti­on ver­gan­ge­ner Zei­ten scheint selt­sa­mer­wei­se nicht mehr relevant? 

Vorbild Norwegen

Wir ste­hen erst am An­fang ei­nes ge­nera­tio­nen­über­grei­fen­den Wan­dels hin zu ei­ner neu­en Art der Mo­bi­li­tät. Zap­t­ec ver­fügt über ei­ne star­ke Syn­er­gie aus Hard- und Soft­ware, die uns zu ei­nem ent­schei­den­den Ak­teur auf die­ser Rei­se ma­chen wird. Ge­ra­de jun­ge Ge­nera­tio­nen ver­ste­hen Mo­bi­li­tät heu­te an­ders. Elek­tro­au­tos ge­hört die Zu­kunft und wir wer­den die nö­ti­gen La­de­lö­sun­gen da­zu lie­fern. Un­se­re Pro­duk­te bie­ten mo­derns­te La­de­tech­no­lo­gie ver­packt in skan­di­na­vi­schem De­sign. Mit un­se­ren bei­den La­de­lö­sun­gen kön­nen wir je­den Be­darf ab­de­cken – vom Ein­fa­mi­li­en­haus bis zur Groß­im­mo­bi­lie. Bei­de er­fül­len höchs­te eu­ro­päi­sche Si­cher­heits­stan­dards und sind TÜV-zer­ti­fi­ziert. Für un­ser Pro­dukt­de­sign sind wir mit dem Red Dot Award aus­ge­zeich­net wor­den – das zeigt, dass wir nicht nur tech­no­lo­gisch auf dem rich­ti­gen Weg sind. Zu­dem be­rei­ten wir den Pro­duk­ti­ons­start an un­se­rem neu­en Stand­ort in Deutsch­land vor. So ent­ste­hen un­se­re La­de­lö­sun­gen im Zen­trum Eu­ro­pas un­ter op­ti­ma­len Be­din­gun­gen und in ho­her Qua­li­tät. Zu­sätz­lich ver­kür­zen wir so die Lie­fer­we­ge und spa­ren zu­sätz­li­ches CO2 ein. Un­se­re DNA ist von A bis Z elek­trisch und nach­hal­tig. Wir kön­nen nicht glaub­haft die Elek­tro­mo­bi­li­tät vor­an­trei­ben und gleich­zei­tig als Un­ter­neh­men nichts in die­sem Be­reich ma­chen. Ent­spre­chend re­du­zie­ren wir Ver­pa­ckungs­ma­te­ri­al, set­zen auf er­neu­er­ba­re En­er­gien und schau­en stets, wo wir un­se­re ei­ge­ne Nach­hal­tig­keit in Zu­kunft wei­ter op­ti­mie­ren können. 

Anzeige

Daniel Gwercher 

Ge­schäfts­füh­rer Zap­t­ec Deutschland 

Deutschland unterwegs

Unser durchschnittliches Mobilitätsverhalten an einem Tag

Quel­len: Um­welt­bun­des­amt, BMVI 

Marc-Oliver Prinzing 

Vor­stand Bun­des­ver­band Be­trieb­li­che Mo­bi­li­tät (BBM)

Technologieoffen sein

Die Elek­tri­fi­zie­rung der Fuhr­parks ist in vol­lem Gan­ge. Das dro­hen­de Ver­bren­ner-Aus, För­der­maß­nah­men so­wie öko­no­mi­sche und öko­lo­gi­sche Aspek­te be­feu­ern den Hoch­lauf der Elek­tro­mo­bi­li­tät. Gleich­zei­tig brem­sen Lie­fer­eng­päs­se, die En­er­gie­kri­se und schwer­wie­gen­de Än­de­run­gen der För­der­maß­nah­men die Mo­bi­li­täts­wen­de. Un­ter­neh­men sind wich­ti­ge Im­puls­ge­ber, um die Elek­tri­fi­zie­rung vor­an­zu­trei­ben, al­ler­dings wird das of­fen­sicht­lich nicht ge­se­hen. Ab Sep­tem­ber 2023 sol­len die ge­werb­li­chen För­de­run­gen von Elek­tro­au­tos kom­plett ein­ge­stellt wer­den. Das be­deu­tet ei­ne enor­me Pla­nungs­un­si­cher­heit und be­ein­träch­tigt er­heb­lich die Kos­ten für den Fuhr­park. Un­ter­neh­men kön­nen ei­ne wich­ti­ge Si­gnal­wir­kung in der Mo­bi­li­täts­wen­de ein­neh­men, die die Bun­des­re­gie­rung an die­ser Stel­le ver­kennt. Die Mo­bi­li­tät kann nur so nach­hal­tig sein, wie die Po­li­tik es er­mög­licht. Nach­hal­ti­ge Mo­bi­li­tät darf des­we­gen nicht nur im Rah­men der Elek­tri­fi­zie­rung statt­fin­den, son­dern muss tech­no­lo­gie­of­fen sein. Die Ent­wick­lung ge­eig­ne­ter Al­ter­na­ti­ven ist da­bei ge­nau­so wich­tig wie der Blick auf die ge­sam­te be­trieb­li­che Mo­bi­li­tät. Die Um­ge­stal­tung der Mit­ar­bei­ter­mo­bi­li­tät bei­spiels­wei­se durch Mo­bi­li­täts­bud­gets hat gro­ße Aus­wir­kun­gen auf die Nach­hal­tig­keit der Un­ter­neh­men. Wenn die In­ter­es­sen der Po­li­tik mit den Mög­lich­kei­ten der Un­ter­neh­men in Ein­klang ge­bracht wer­den, ist ei­ne nach­hal­ti­ge Mo­bi­li­tät mög­lich. Da­zu be­steht al­ler­dings noch gro­ßer Handlungsbedarf. 

Christiane Roth

Leserin

Wille und Wahrheit

Ganz ein­fach: Un­se­re Mo­bi­li­tät kann so nach­hal­tig sein, wie wir das wol­len. Al­lein der Wil­le da­zu ist nicht sehr aus­ge­prägt, sonst wä­ren wir re­si­li­en­ter ge­gen­über et­wai­gen Ein­schnit­ten. Wer sich mit dem Um­bau hin zu ei­ner kli­ma­neu­tra­len Ge­sell­schaft be­schäf­tigt, weiß, dass wir uns von lieb­ge­won­nen An­ge­wohn­hei­ten ver­ab­schie­den müs­sen. Doch lei­der wird der Kli­ma­wan­del als ak­tu­ell größ­tes Pro­blem der Mensch­heit seit Jahr­zehn­ten zur Sei­te ge­scho­ben. Doch oh­ne Ver­zicht wird es nicht ge­hen. Das gilt auch in Be­zug auf un­ser Mo­bi­li­täts­ver­hal­ten. Den po­li­ti­schen Entscheider:innen fehl­ten und feh­len Wil­le, Mut und Krea­ti­vi­tät, um die­ses Pro­blem von der Wur­zel aus und mit Nach­druck und Aus­dau­er anzugehen. 

Robert Schilcher

Leser

Goldene Maximen

Nach­hal­ti­ge Mo­bi­li­tät be­deu­tet auch nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten. Die­sen Ide­al­zu­stand er­fül­len nur in­di­ge­ne Le­bens­ge­mein­schaf­ten. Wel­che zwei Zie­le min­des­tens da­für er­füllt wer­den müs­sen? Den Over­shoot­day auf den 31. De­zem­ber zu schie­ben und die Nut­zung fos­si­ler En­er­gien zu be­en­den. Be­deu­tet: En­er­gie kommt von der Son­ne oder aus dem Erd­in­ne­ren. Und für die end­li­chen Res­sour­cen un­se­rer Er­de be­deu­tet dies ei­ne ma­xi­ma­le Kreis­lauf­wirt­schaft. Da­her muss sich heu­te und je­der­zeit un­ser Han­deln an die­sen bei­den Ma­xi­men ori­en­tie­ren – lei­der im­mer in der ak­tu­el­len tech­no­lo­gi­schen Ver­füg­bar­keit so­wie auch ei­ner über­nom­me­nen Ver­ant­wor­tung ei­nes je­den Er­den­bür­gers. Letz­te­res ist je­der­zeit ein­fach zu realisieren. 

Mehr Vielfalt ist Trumpf 

Wer Nach­hal­tig­keit und Di­gi­ta­li­sie­rung zu­sam­men­denkt, dem ge­hört die Zu­kunft. Un­ter die­sem Leit­mo­tiv treibt die deut­sche Au­to­mo­bil­in­dus­trie mit In­ves­ti­tio­nen und In­no­va­tio­nen die Trans­for­ma­ti­on zur kli­ma­neu­tra­len Mo­bi­li­tät vor­an. Ne­ben der Elek­tro­mo­bi­li­tät set­zen wir auf dif­fe­ren­zier­te Lö­sun­gen für un­ter­schied­li­che Her­aus­for­de­run­gen. Ob Was­ser­stoff für schwe­re Nutz­fahr­zeu­ge oder E‑Fuels für die Be­stands­flot­te: Tech­no­lo­gie­of­fen­heit ist ent­schei­dend, um Kli­ma­neu­tra­li­tät zu er­mög­li­chen. Am­bi­tio­nier­te Zie­le brau­chen rich­ti­ge Rah­men­be­din­gun­gen: Um nach­hal­ti­ge, in­di­vi­du­el­le Mo­bi­li­tät zu rea­li­sie­ren, braucht es ei­ne aus­rei­chen­de Men­ge be­zahl­ba­rer und er­neu­er­ba­rer En­er­gien – und den Zu­gang zu den not­wen­di­gen Roh­stof­fen. An­de­re Welt­re­gio­nen sind hier schnel­ler. Hier ist die Po­li­tik ge­for­dert, ent­spre­chen­de Ab­kom­men und Part­ner­schaf­ten ab­zu­schlie­ßen. Wir brin­gen in­des die Kreis­lauf­wirt­schaft vor­an, um Roh­stof­fe zu re­cy­celn. Und: Wir wol­len end­lich die Chan­cen der Di­gi­ta­li­sie­rung nut­zen. Ob au­to­no­mes Fah­ren, ver­netz­te Fahr­zeu­ge, in­tel­li­gen­te Ver­kehrs­füh­rung oder ei­ne bes­se­re Ver­net­zung der Ver­kehrs­trä­ger – hier liegt enor­mes Po­ten­zi­al, gro­ße Men­gen C02 ein­zu­spa­ren. Um­so dring­li­cher muss Deutsch­land ei­ne flä­chen­de­cken­de 5G-Ver­sor­gung ga­ran­tie­ren – und ge­setz­li­che Rah­men für den Um­gang mit Da­ten ent­wi­ckeln. Ich bin fest da­von über­zeugt: Mo­bi­li­tät be­deu­tet Teil­ha­be. Nach­hal­ti­ge Mo­bi­li­tät für al­le zu er­mög­li­chen, ist un­se­re ge­mein­sa­me Verpflichtung. 

Hildegard Müller 

Prä­si­den­tin Ver­band der Au­to­mo­bil­in­dus­trie (VDA)

Beliebte Fragen