Rund zwei Milliarden Menschen – mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung –
be­we­gen sich zu wenig.
 

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Wie beugt man Volkskrankheiten vor?

Alle zwei Se­kun­den stirbt auf der Welt ein Mensch un­ter 70 Jah­ren an ei­ner nicht über­trag­ba­ren Krank­heit, mel­de­te die WHO zu­letzt – ob­wohl die Ri­si­ko­fak­to­ren in der Re­gel be­kannt sei­en und je­ne Krank­hei­ten da­her gut be­kämpft oder gar ganz ver­hin­dert wer­den könn­ten. Zu­ver­läs­si­ge Mit­tel ge­gen na­he­zu je­de Art von Volks­krank­heit sind be­kann­ter­ma­ßen Be­we­gung und aus­ge­wo­ge­ne Er­näh­rung. Der Or­tho­pä­de Csa­ba Lo­sonc emp­fiehlt „et­wa Rad­fah­ren, Schwim­men und Wal­ken“ und hat oben­drein ku­li­na­ri­sche Tipps für bes­se­re „Kno­chen- und Ge­lenk­qua­li­tät“. Egal ob Rü­cken­schmer­zen, Mi­grä­ne oder Dia­be­tes – ein ge­sun­der Le­bens­wan­del ist oft die bes­te Ant­wort. Wel­che vor­beu­gen­den Maß­nah­men sinn­voll sind und wie man die Ge­sund­heit von Men­schen för­dern kann, le­sen Sie auf die­ser Seite. 

Sofia Melnik 

Os­teo­path­in und He­alth Coach 

Selbst ist der Mensch

Wer ge­sund le­ben will, muss die Sa­che ganz­heit­lich, nach­hal­tig und trotz­dem in­di­vi­du­ell be­trach­ten. Am An­fang ste­hen dem­entspre­chend Awa­reness, Ei­gen­ver­ant­wor­tung und die Be­reit­schaft zur In­ter­o­zep­ti­on – al­so zum Hin­ein­hor­chen, zur Wahr­neh­mung ei­ge­ner Kör­per­emp­fin­dun­gen. Zu­meist näm­lich mel­det sich der Kör­per schon lan­ge vor dem ei­gent­li­chen Aus­bruch ei­ner Krank­heit. Die Fra­ge lau­tet da­her: Wie kann ich ihn da­bei un­ter­stüt­zen, mit den äu­ße­ren An­for­de­run­gen bes­ser zu­recht­zu­kom­men – und zwar vor dem Hin­ter­grund, dass sich die Be­din­gun­gen kon­ti­nu­ier­lich ver­schlech­tert ha­ben. Al­lein in den letz­ten 20 Jah­ren hat der Nähr­stoff­ge­halt in den Le­bens­mit­teln um 40 Pro­zent ab­ge­nom­men, wes­halb auch Sup­ple­ments zu­neh­mend wich­tig sind. Schad­stof­fe, Schwer­me­tal­le und To­xi­ne hin­ge­gen ha­ben sich ver­viel­facht. Man muss sich al­so fra­gen: Was ge­be ich in mei­nen Or­ga­nis­mus? Zwar gibt es nicht die ei­ne Ant­wort dar­auf, aber das Stich­wort „Clean Ea­ting“ geht be­reits in die rich­ti­ge Rich­tung: Iss nichts, was dei­ne Groß­mutter nicht als Le­bens­mit­tel er­ken­nen wür­de. Al­lein zu 80 Pro­zent nach die­ser Re­gel zu le­ben, wä­re schon ein gro­ßer Schritt, um Stress zu re­du­zie­ren und ei­ne hö­he­re Re­si­li­enz zu er­lan­gen. Auch De­pres­sio­nen, die größ­te al­ler Volks­krank­hei­ten, hän­gen un­mit­tel­bar mit der Be­sied­lung un­se­res Darms zu­sam­men. Des­halb wün­sche ich mir, dass schon in der Schu­le mehr Ba­sis­wis­sen über Er­näh­rung ver­mit­telt wird – um früh­zei­tig die Wei­chen zu stellen. 

Gestiegenes Vertrauen

Gu­te Ver­sor­gung ist mehr als das Be­han­deln von Krank­hei­ten. Als Haus­ärz­tin­nen und Haus­ärz­te wer­den wir nicht erst ak­tiv, wenn die Er­kran­kung be­reits da ist, son­dern im bes­ten Fal­le schon deut­lich frü­her. Wir be­glei­ten die Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten nicht sel­ten ein Le­ben lang. Ein wich­ti­ger Teil un­se­rer Ar­beit ist es, Krank­hei­ten zu ver­mei­den be­zie­hungs­wei­se Ri­si­ko­fak­to­ren früh­zei­tig zu er­ken­nen und an­zu­ge­hen. Da­für ist es häu­fig un­er­läss­lich, die Fa­mi­li­en­ge­schich­te zu ken­nen, denn nicht sel­ten sind erb­li­che Vor­be­las­tun­gen we­sent­li­che Hin­wei­se, um mög­li­che Ri­si­ken ver­nünf­tig ein­schät­zen zu kön­nen. Ein so um­fas­sen­des Bild des Pa­ti­en­ten kann man nicht er­lan­gen, wenn man sich al­le paar Jah­re kurz ein­mal sieht. Hier­für braucht es ein Ver­trau­ens­ver­hält­nis, das über Jah­re wach­sen muss. Gleich­zei­tig muss ich als Haus­arzt je­den Fall in­di­vi­du­ell be­trach­ten. Pau­scha­le Rat­schlä­ge, im Sin­ne von „Hö­ren Sie mit dem Rau­chen auf“ brin­gen nichts, wenn sie nicht rich­tig kom­mu­ni­ziert wer­den. Ein ein­fa­ches Bei­spiel: Ei­nem Pa­ti­en­ten, der ge­ra­de ei­nen schwe­ren Schick­sals­schlag ver­kraf­ten muss, brau­che ich nichts von Rau­cher­ent­wöh­nung zu er­zäh­len. Und ei­ne al­lein­er­zie­hen­de Mut­ter von drei Kin­dern hat kei­ne Zeit, drei­mal in der Wo­che zum Sport zu ge­hen. Das klingt viel­leicht ba­nal, in ei­nem Ge­sund­heits­we­sen, in dem die Men­schen viel zu häu­fig über ei­nen Kamm ge­schert wer­den, ist es aber lei­der nicht selbstverständlich. 

Ulrich Weigeldt 

Bun­des­vor­sit­zen­der Deut­scher Hausärzteverband 

Sandra Schneller 

Bun­des­vor­sit­zen­de Deut­scher Dia­be­ti­ker Bund (DDB)

So früh wie möglich

In Deutsch­land gibt es rund acht Mil­lio­nen an Dia­be­tes er­krank­te Men­schen. Min­des­tens dop­pelt so vie­le Per­so­nen ha­ben nach Schät­zung der Deut­schen Dia­be­tes Ge­sell­schaft ei­nen Präd­ia­be­tes. In die­sem Vor­sta­di­um ist die Krank­heit nicht ma­ni­fest, die Be­trof­fe­nen ha­ben aber ein ge­stei­ger­tes Ri­si­ko für Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen und Ge­fäß­schä­di­gun­gen. Je­de Dia­be­teser­kran­kung ist zu­min­dest teil­wei­se ge­ne­tisch ver­an­lagt. Ge­ra­de dem häu­fi­gen Tpy-2-Dia­be­tes lässt sich trotz­dem zu ei­nem ge­wis­sen Grad vor­beu­gen und der Krank­heits­ver­lauf sich mo­de­rie­ren. Kern der Prä­ven­ti­on bil­den die ge­ziel­te An­pas­sung der Er­näh­rung und die kör­per­li­che Be­tä­ti­gung. Aber: Die meis­ten Präd­ia­be­ti­ker wis­sen nichts von ih­rem Stoff­wech­sel­pro­blem. Der (Prä-)Diabetes tut erst mal nicht weh. Und Blut­zu­cker­wer­te wer­den nicht rou­ti­ne­mä­ßig über­prüft. Un­be­merkt ent­ste­hen Schä­den – et­wa an Blut­ge­fä­ßen oder auch den Ner­ven. Pro­ble­me ma­chen dann häu­fig Herz, Nie­ren oder Au­gen. Ich ver­mu­te, dass hin­ter vie­len Herz­in­fark­ten oder Schlag­an­fäl­len auch ein un­ent­deck­ter oder sub­op­ti­mal ge­ma­nag­ter Dia­be­tes steckt. Und was ei­ne Nie­re im Kör­per ei­gent­lich leis­tet, merkt man erst, wenn sie es nicht mehr tut. Als kürz­lich Trans­plan­tier­te kann ich das aus ei­ge­ner leid­vol­ler Er­fah­rung sa­gen. Schwä­chen in der Früh­erken­nung und im Krank­heits­ma­nage­ment von Dia­be­tes be­deu­ten al­so gleich­zei­tig man­gel­haf­te Vor­beu­gung weit ver­brei­te­ter Begleiterkrankungen.

Markus Erpha

Leser

Ran an die Ursachen

Die so­ge­nann­ten Volks­krank­hei­ten wie Rü­cken­lei­den, Dia­be­tes und Blut­hoch­druck sind Sym­pto­me, de­ren Grün­de höchst un­ter­schied­lich sein kön­nen. Ne­ben erb­li­cher Vor­be­las­tung und an­de­ren rein phy­si­schen Un­ver­meid­lich­kei­ten sind de­ren Ur­sa­chen vor al­lem auf vier Fel­dern zu su­chen. Ers­tens Fehl­ernäh­rung, was fal­sche Ge­trän­ke­wahl mit­ein­schließt. Zwei­tens Stress. Drit­tens feh­len­de so­zia­le Kon­tak­te, weil sich im­mer mehr im Netz und im­mer we­ni­ger in di­rek­ten Be­geg­nun­gen ab­spielt. Und vier­tens Fehl­hal­tun­gen durch über­mä­ßi­gen Com­pu­ter­ge­nuss, was Rü­cken und Au­gen stra­pa­ziert. Da hel­fen auch kei­ne Selb­st­op­ti­mie­rungs­ver­su­che im Fit­ness­stu­dio. Die Lö­sung kann nur in ei­ner ver­stärk­ten Bil­dung von Kin­dern und Ju­gend­li­chen lie­gen, die al­le ge­nann­ten Aspek­te umfasst. 

Maria Fähndrich

Leserin

Gesund leben lernen

Ich bin sehr pri­vi­le­giert. In mei­ner Fa­mi­lie wur­de kein Dia­be­tes und kein Blut­hoch­druck ver­erbt. Ich hat­te ei­ne Mut­ter, die bes­tes Ge­mü­se zu le­cke­ren Ge­rich­ten ver­ar­bei­te­te. Ich kann selbst ko­chen und Salz, Zu­cker, Fett und Al­ko­hol mei­den. Auch Fisch und Fleisch do­sie­re ich spar­sam. Ich be­we­ge mich im­mer schon ger­ne und viel, in ers­ter Li­nie le­ge ich mei­ne We­ge zu Fuß zu­rück, täg­lich min­des­tens ei­ne hal­be Stun­de lang. All das ist mei­ne ganz per­sön­li­che Ent­schei­dung. Aber wie be­kommt man an­de­re Men­schen da­zu, ge­sund zu le­ben? Das wird sehr, sehr schwie­rig. Die meis­ten Men­schen brin­gen sich mit Mes­ser und Ga­bel um, sag­te schon mei­ne Groß­mutter. Al­so schla­ge ich vor: Wer nicht ko­chen kann, soll­te vom Kin­der­gar­ten über Schu­le und Stu­di­um bis zu Wei­ter­bil­dun­gen im Be­rufs­le­ben und im Al­ter Un­ter­richt in Er­näh­rungs­kun­de und Ko­chen erhalten. 

Krankenstand

Die sechs häufigsten Krankheitsarten nach Fehlzeitenanteil 

Quel­le: DAK 

Gesund leben in Balance

Un­se­re mo­der­nen Le­bens­ge­wohn­hei­ten füh­ren häu­fig zu Be­we­gungs­man­gel, Stress, Sucht­mit­tel­kon­sum und un­aus­ge­wo­ge­ner Er­näh­rung. Um­welt­ein­flüs­se, psy­chi­sche so­wie so­zia­le Fak­to­ren ver­stär­ken die­se Ent­wick­lung. Ei­ne wir­kungs­vol­le Vor­beu­gung und ei­ne ent­spre­chen­de ge­sun­de Le­bens­wei­se sind wich­tig, da­mit dar­aus nicht ernst­zu­neh­men­de Krank­hei­ten ent­ste­hen. Ent­span­nung, Be­we­gung, ge­sun­de Er­näh­rung und der Ver­zicht auf Sucht­mit­tel al­ler Art kön­nen Spaß ma­chen und för­dern Ge­sund­heit und Wohl­be­fin­den. Die von ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen an­ge­bo­te­nen Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen leis­ten ei­nen wei­te­ren wich­ti­gen Bei­trag. Die BKK Pro­Vi­ta un­ter­stützt ih­re Ver­si­cher­ten und de­ren ge­sun­de Le­bens­wei­se mit vie­len An­ge­bo­ten wie Ge­sund­heits­rei­sen, Bo­nus­pro­gram­men und Prä­ven­ti­ons­kur­sen. Durch Ge­sund­heits­för­de­rungs­maß­nah­men macht sie sich auch in Be­trie­ben, Schu­len, Uni­ver­si­tä­ten und an­de­ren Ein­rich­tun­gen für ei­nen ge­sun­den Le­bens­stil stark. Ei­ne ge­sun­de Um­welt ist ei­ne wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für die Ge­sund­heit der Men­schen. In­ter­na­tio­na­le Wis­sen­schaft­ler ha­ben da­für den Be­griff „Pla­ne­ta­ry He­alth“ ge­prägt. Des­halb setzt sich die BKK Pro­Vi­ta als ers­te seit 2016 kli­ma­neu­tral ge­stell­te ge­setz­li­che Kran­ken­kas­se für die Ge­sund­heit und den Schutz der Um­welt ein, zum Bei­spiel durch För­de­rung ei­ner über­wie­gend pflan­zen­ba­sier­ten, re­gio­na­len Er­näh­rung und mehr (nicht-mo­to­ri­sier­ter) Be­we­gung. Der Kör­per sagt Dan­ke und die Er­de auch. 

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Michael Blasius 

Haupt­ab­tei­lungs­lei­ter Mar­ke­ting und Ge­sund­heits­för­de­rung, BKK ProVita 

Csaba Losonc 

Fach­arzt für Or­tho­pä­die, Un­fall­chir­ur­gie und Chirurgie 

Mehr Bewegung

Ar­thro­se ist ei­ne fort­schrei­ten­de Ge­lenk­er­kran­kung, bei der der Ge­lenk­knor­pel suk­zes­si­ve zer­stört wird. Die Erb­an­la­gen, aber auch Er­näh­rung und man­geln­de Be­we­gung spie­len ei­ne Rol­le. Da­zu kön­nen Über­las­tun­gen oder Ver­let­zun­gen zur Ar­thro­se füh­ren. Nach ei­nem Kno­chen­bruch soll­te man sich da­her jähr­lich beim Or­tho­pä­den die Ge­len­ke che­cken las­sen. Mit MRT-Auf­nah­men kann et­wa der Ver­schleiß­pro­zess bild­lich dar­ge­stellt wer­den. Wird ein Ab­rieb er­kannt, emp­feh­le ich den früh­zei­ti­gen Be­ginn ei­ner Ge­lenk­the­ra­pie. Die­se soll den Ab­bau­pro­zess des Ge­lenk­knor­pels ab­mil­dern oder so­gar stop­pen. Die häu­figs­te Ge­lenk­the­ra­pie in Deutsch­land sind In­jek­tio­nen mit Hyaluron. Weit­aus ef­fek­ti­ver, aber we­ni­ger ver­brei­tet sind In­jek­tio­nen mit Ei­gen­plas­ma. Bei­de Ver­fah­ren sol­len die Ent­zün­dung im Ge­lenk und da­mit Schmer­zen re­du­zie­ren. Ein mo­der­ne­rer An­satz ist die Stamm­zell­the­ra­pie, bei der aus Fett­zel­len Stamm­zel­len ge­won­nen und in das be­trof­fe­ne Ge­lenk in­ji­ziert wer­den. Die­se Me­tho­de ist viel­ver­spre­chend, al­ler­dings wird sie in Deutsch­land nur von we­ni­gen Spe­zia­lis­ten durch­ge­führt. Vie­le wis­sen, dass ei­ne Ge­wichts­re­duk­ti­on bei Ar­thro­se för­der­lich ist. Hier­bei kann ei­ne aus­ge­wo­ge­ne me­di­ter­ra­ne Kost mit we­nig Zu­cker und we­nig Fleisch die Kno­chen- und Ge­lenk­qua­li­tät ver­bes­sern. Aus­rei­chend Be­we­gung führt zu­dem zu ei­ner ver­bes­ser­ten Pro­duk­ti­on von Ge­lenk­flüs­sig­keit und schützt so­mit die Knor­pel­zel­len. Be­son­ders „ge­sund“ sind et­wa Rad­fah­ren, Schwim­men und Walken. 

Im Rhythmus leben

Der re­le­van­tes­te pri­mä­re Kopf­schmerz in Deutsch­land ist die Mi­grä­ne. Hier­bei han­delt es sich um ei­ne ge­ne­tisch be­ding­te Er­kran­kung, man kommt al­so be­reits mit ei­nem Mi­grä­ne-Ge­hirn auf die Welt. Ei­ne voll­stän­di­ge Vor­beu­gung von Kopf­schmer­zen ist hier wahr­schein­lich gar nicht mög­lich. Al­ler­dings gibt es Din­ge, die Be­trof­fe­ne be­ach­ten kön­nen, da­mit we­ni­ger Mi­grä­ne­at­ta­cken auf­tre­ten. Hier hilft be­son­ders gut ein re­gel­mä­ßi­ger Le­bens­rhyth­mus, das heißt, man geht zum Bei­spiel im­mer zur sel­ben Zeit ins Bett und schläft die glei­che Zeit. Es geht da­bei gar nicht un­be­dingt um die Län­ge des Schla­fens an sich. Schla­fen Be­trof­fe­ne un­ter der Wo­che sehr kurz und dann am Wo­chen­en­de sehr lang, dann führt das nicht sel­ten zur so­ge­nann­ten Wo­chen­end-Mi­grä­ne. Auch hilft es, re­gel­mä­ßig zu es­sen und zu trin­ken. Zu­dem ha­ben Aus­dau­er­sport und die An­wen­dung von Ent­span­nungs­ver­fah­ren wie zum Bei­spiel Yo­ga oder pro­gres­si­ve Mus­kel­re­la­xa­ti­on nach Ja­cob­sen ei­nen vor­beu­gen­den Ef­fekt auf Kopf­schmer­zen. Nur sel­ten gibt es kla­re Mi­grä­ne­trig­ger wie Rot­wein oder be­stimm­te Kä­se­sor­ten, die sich dann ver­mei­den las­sen. Vie­le Be­trof­fe­ne be­rich­ten, dass bei ih­nen ein Wet­ter­wech­sel zu ei­ner Mi­grä­ne führt. Da wür­de grund­sätz­lich ein Um­zug an Or­te mit ei­nem gleich­mä­ßi­gen Kli­ma hel­fen, was aber na­tür­lich für die meis­ten von uns nicht um­zu­set­zen ist. Da­her ist es sinn­voll, sich bei den vor­beu­gen­den Maß­nah­men auf das zu kon­zen­trie­ren, was wir auch wirk­lich be­ein­flus­sen können. 

Dagny Holle-Lee 

Lei­te­rin West­deut­sches Kopf­schmerz­zen­trum und Schwin­del­zen­trum, Uni­ver­si­täts­me­di­zin Essen 

Hendrik Schmidt 

Lei­ter Wir­bel­säu­len­team, Ju­li­us-Wolff-In­sti­tut am Ber­lin In­sti­tu­te of He­alth, Cha­ri­té Berlin 

Ungekannte Ursachen

Zwei von drei Men­schen sind im Ver­lauf ih­res Le­bens von Rü­cken­schmer­zen be­trof­fen. Und wir kön­nen im­mer noch nicht ge­nau vor­her­sa­gen, wer da­von be­trof­fen sein wird. Denn Rü­cken­schmer­zen ha­ben vie­le Ur­sa­chen. Zu den be­kann­ten Ur­sa­chen für Rü­cken­schmer­zen zäh­len Be­we­gungs­man­gel und Über­ge­wicht, fal­sches He­ben, ei­ne un­güns­ti­ge Hal­tung am Ar­beits­platz oder mus­ku­lä­re Schwä­chen. Auch Stress oder psy­chi­sche Be­las­tun­gen kön­nen mit Schmer­zen im Rü­cken zu­sam­men­hän­gen. We­ni­ger weiß man über ge­ne­ti­sche Grund­la­gen, bio­che­mi­sche Me­cha­nis­men, so­zia­le Aus­lö­ser oder das Zu­sam­men­spiel meh­re­rer Fak­to­ren. Ent­spre­chend kön­nen wir auch noch nicht je­dem Pa­ti­en­ten und je­der Pa­ti­en­tin die in­di­vi­du­ell an­ge­pass­te The­ra­pie an­bie­ten. Und eben­so we­nig kön­nen wir mit Si­cher­heit sa­gen, wie man Rü­cken­schmer­zen vor­beu­gen kann. Das möch­ten ich und mein For­schungs­team mit der Ber­li­ner Rü­cken­stu­die än­dern. Ge­gen­wär­tig dau­ert die Dia­gno­se bei Rü­cken­schmer­zen ge­fühlt zwei Mi­nu­ten. Im An­schluss fol­gen oft zahl­rei­che, wir­kungs­lo­se The­ra­pien. Wir wol­len den Therapeut:innen Werk­zeu­ge an die Hand ge­ben, Patient:innen wir­kungs­vol­ler zu dia­gnos­ti­zie­ren, um die Ur­sa­chen ih­res in­di­vi­du­el­len Rü­cken­lei­dens zu eru­ie­ren. Nur so kön­nen wir in Zu­kunft ein „The­ra­pie­ver­sa­gen“ ver­mei­den und sinn­vol­le Tipps ge­ben, wie man Rü­cken­schmer­zen vor­beu­gen kann. Für die Rü­cken­stu­die su­chen wir 3.000 Proband:innen mit und oh­ne Rü­cken­schmer­zen.
In­ter­es­sier­te kön­nen sich in­for­mie­ren un­ter: rueckenstudie.info

Ausgang tödlich

Das waren 2020 die häufigsten Todesursachen nach Altersgruppen

Quel­le: Bun­des­agen­tur für Arbeit 

Vorhofflimmern – das Heart-Team hilft

Vor­hof­flim­mern ist die häu­figs­te Herz­rhyth­mus­stö­rung. Greift die Be­hand­lung mit Me­di­ka­men­ten, Kar­dio­ver­si­on und Ab­la­ti­on nicht, kann die chir­ur­gi­sche Ab­la­ti­on hel­fen. Die Zu­sam­men­ar­beit von Elek­tro­phy­sio­lo­gen und der Rhyth­mu­s­chir­ur­gie er­wei­tert das Be­hand­lungs­spek­trum si­gni­fi­kant. Die­se neue und in­no­va­ti­ve Zu­sam­men­ar­beit wird „He­art-Team“ ge­nannt und ba­siert auf ei­nem the­ra­peu­ti­schen Hy­bri­dan­satz. Der Chir­urg eli­mi­niert die stö­ren­den Im­pul­se, die das Vor­hof­flim­mern aus­lö­sen, durch spe­zi­el­le Blo­cka­den. Dies ge­schieht mi­ni­mal­in­va­siv auf der Herz­ober­flä­che mit­tels ge­ziel­ter Ver­ödung auf dem lin­ken Vor­hof. Zu­sätz­lich wird durch das Ab­tren­nen des Vor­hof­ohrs die wich­tigs­te Quel­le für Blut­ge­rinn­sel, die zum Schlag­an­fall füh­ren kön­nen, ef­fek­tiv und ge­fahr­los aus­ge­schal­tet. Da­nach be­nö­ti­gen Pa­ti­en­ten kei­ne Blut­ver­dün­nung mehr. In bis zu 90 Pro­zent der Fäl­le ist der Pa­ti­ent so­gar vom Vor­hof­flim­mern be­freit. Der Elek­tro­phy­sio­lo­ge wird in den sel­te­nen Fäl­len, bei de­nen ei­ne Herz­rhyth­mus­stö­rung nach dem Ein­griff er­neut auf­tritt, mit dem Ka­the­ter im Her­zin­ne­ren die Si­tua­ti­on neu ana­ly­sie­ren und bei Be­darf mit ei­ner um­schrie­be­nen En­er­gie­ab­ga­be „nach­be­han­deln“. Das Hy­brid­ver­fah­ren ist be­son­ders ge­eig­net bei Pa­ti­en­ten mit lan­ge be­stehen­dem Vor­hof­flim­mern, mehr­fa­cher er­folg­lo­ser Ka­the­terbe­hand­lung oder je­nen, die kei­ne Kan­di­da­ten für ei­ne sol­che sind, aber auch für Pa­ti­en­ten, die kei­nen Blut­ver­dün­ner ein­neh­men kön­nen oder wol­len. swiss-ablation.com

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Prof. Dr. med. Sacha P. Salzberg 

Fach­arzt Herzchirurgie 

Katrin Schaller 

Lei­te­rin WHO-Kol­la­bo­ra­ti­ons­zen­trum für Ta­bak­kon­trol­le, Deut­sches Krebsforschungszentrum 

Gesundes Umfeld

Haupt­kil­ler sind in Deutsch­land Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen und Krebs. Bei­de Krank­heits­grup­pen sind oft ei­ne Fol­ge der sel­ben Ri­si­ko­fak­to­ren: Rau­chen, Über­ge­wicht, Be­we­gungs­man­gel, Al­ko­hol­kon­sum. Vie­le Er­kran­kun­gen und To­des­fäl­le wä­ren da­her durch ei­nen ge­sun­den Le­bens­stil ver­meid­bar – al­lein durch Nicht­rau­chen könn­ten fast 20 Pro­zent al­ler Krebs­er­kran­kun­gen ver­mie­den wer­den. Ein ge­sun­der Le­bens­stil fällt al­ler­dings schwer in ei­nem Um­feld, in dem an je­der Su­per­markt­kas­se Zi­ga­ret­ten zum Kauf ver­lo­cken, in Tank­stel­len im Kas­sen­be­reich auf­dring­li­che Leucht­re­kla­me Ta­bak-er­zeug­nis­se und ver­wand­te Pro­duk­te wie E‑Zigaretten und Ta­bak­er­hit­zer an­preist und wo Zi­ga­ret­ten je­der­zeit an Au­to­ma­ten ver­füg­bar sind. Die Ver­ant­wor­tung für ein ge­sun­des Le­ben kann da­her nicht al­lein auf den Ein­zel­nen ab­ge­wälzt wer­den. Hier ist auch die Po­li­tik ge­fragt: Sie muss ein Um­feld schaf­fen, das ein ge­sun­des Le­ben för­dert. Da­für sind ein Wer­be­ver­bot am Ver­kaufs­ort für Ta­bak­erzeug­nis­se und ver­wand­te Pro­duk­te, die Ver­pflich­tung, die­se Pro­duk­te im La­den nicht sicht­bar auf­zu­be­wah­ren, und die Ab­schaf­fung von Zi­ga­ret­ten­au­to­ma­ten sehr hilf­rei­che, wich­ti­ge Schrit­te. Da­mit dies er­folg­reich um­ge­setzt wer­den kann, muss die Bun­des­re­gie­rung in den Na­tio­na­len Prä­ven­ti­ons­plan, der laut Ko­ali­ti­ons­ver­trag ent­wi­ckelt wer­den soll, ei­ne ver­bind­li­che Ta­bak­prä­ven­ti­ons­stra­te­gie in­te­grie­ren, mit dem klar fest­ge­leg­ten Ziel, Deutsch­land bis 2040 ta­bak­frei zu machen. 

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