Eine etwa acht Quadratmeter große Solaranlage reicht in Deutschland aus, um einen Ein-Personen-Haushalt zu versorgen.
 

Fo­to: iStock./loveguli

Wie beschleunigen wir die Energiewende?

Wir le­ben im fal­schen Wirt­schafts­sys­tem“, kon­sta­tiert der re­nom­mier­te Kli­ma­for­scher Mo­jib La­tif gleich zu Be­ginn un­se­rer Dis­kus­si­on – und for­dert ei­ne „Al­li­anz der Wil­li­gen“ für die Be­schleu­ni­gung der En­er­gie- und Wär­me­wen­de. Der Herbst­an­fang und fal­len­de Tem­pe­ra­tu­ren ge­ben dem The­ma die­ser Ta­ge ei­ne be­son­de­re Bri­sanz. Zeit al­so für in­no­va­ti­ve Ideen, die auch nach­hal­tig wir­ken. Und die rei­chen von in­di­vi­du­el­len Ein­spar­maß­nah­men und ei­nem Boos­ter für die Er­neu­er­ba­ren über se­ri­el­les Sa­nie­ren von Ge­bäu­den bis hin zum Low-Car­bon-Life­style- Mo­dell, das ge­ra­de in Chi­na be­wor­ben wird. Was un­se­ren Expert:innen und Leser:innen noch da­zu ein­fällt, le­sen Sie auf die­ser Seite. 

Mojib Latif 

Kli­ma­for­scher und Prä­si­dent Deut­sche Ge­sell­schaft Club of Rome 

Allianz der Willigen

Wir le­ben im fal­schen Wirt­schafts­sys­tem. Das jet­zi­ge be­lohnt Um­welt­zer­stö­rung. War­um sind nach­hal­tig ge­fer­tig­te Pro­duk­te oder er­zeug­te Le­bens­mit­tel so teu­er? War­um stei­gen die En­er­gie­kos­ten, wenn im­mer mehr er­neu­er­ba­re En­er­gien im Strom­mix sind? Das ist al­les an­de­re als ver­nünf­tig und wi­der­spricht dem Ver­ur­sa­cher­prin­zip. Nur wenn die Welt­wirt­schaft kla­re Re­geln hat, auch ethi­sche, und auf dem Prin­zip der Ge­rech­tig­keit fußt, wer­den die Men­schen die glo­ba­len Um­welt­pro­ble­me in den Griff be­kom­men. Dass sich die Län­der jetzt und ge­mein­sam auf den Kurs der Nach­hal­tig­keit auf­ma­chen, ist ein hal­bes Jahr­hun­dert nach der Ver­öf­fent­li­chung von „Die Gren­zen des Wachs­tums“ durch den Club of Ro­me ei­ne Il­lu­si­on. Wir kön­nen nicht auf den Letz­ten war­ten. Es braucht ei­ne Al­li­anz der Wil­li­gen, ei­nen Wirt­schafts- und Po­li­tik­raum, in dem Um­welt, so­zia­le Stan­dards, Men­schen­rech­te, De­mo­kra­tie und Frei­heit et­was gel­ten. Da­zu ge­hört es, dass sich die Ge­mein­schaft ge­gen sei­ne Wi­der­sa­cher wehrt. Im Klar­text: Wer zum Bei­spiel wei­ter­hin auf fos­si­le Brenn­stof­fe setzt oder auf ei­ne an­de­re Art und Wei­se die Wer­te der Ge­mein­schaft miss­ach­tet, soll­te sank­tio­niert wer­den – et­wa mit Schutz­zöl­len – und nicht un­se­re Märk­te er­obern kön­nen. Die Ge­mein­schaft muss so er­folg­reich sein, dass an­de­re Län­der ihr bei­tre­ten wol­len. An­ders wird man kaum ei­ne glo­ba­le En­er­gie­wen­de zü­gig hin­be­kom­men, die not­wen­dig wä­re, um noch ei­ne glo­ba­le Kli­ma­ka­ta­stro­phe zu ver­mei­den. vor­stell­te, gibt es mitt­ler­wei­le rund 5.000 sol­cher Clubs. Die Vor­tei­le lie­gen auf der Hand: Durch die Samm­lung von Ka­pi­tal ist es mög­lich, das Ri­si­ko brei­ter zu streu­en. So kann mit re­la­tiv ge­rin­gem Ka­pi­tal­ein­satz ein ei­ge­nes Ak­ti­en­port­fo­lio auf­ge­baut wer­den – was et­wa als Grund­la­ge für ei­ne zu­sätz­li­che Al­ters­vor­sor­ge ge­eig­net ist. In­vest­ment­clubs ge­ben zu­dem auch in Bör­sen­the­men un­er­fah­re­nen Pri­vat­per­so­nen die Chan­ce, an der Bör­se zu in­ves­tie­ren, oh­ne da­bei völ­lig auf sich ge­stellt zu sein. In­for­ma­tio­nen wer­den ge­mein­sam ge­sam­melt, An­la­ge­ent­schei­dun­gen ge­mein­sam ge­trof­fen. Das senkt die Hemm­schwel­le, sich mit Bör­sen­the­men zu be­fas­sen, deut­lich. Die DSW bie­tet ei­nen „Leit­fa­den zur Grün­dung ei­nes In­vest­ment­clubs“, der auf rund 80 Sei­ten er­läu­tert, was im Tat­säch­li­chen und Recht­li­chen be­ach­ten wer­den muss, da­mit ein neu ge­grün­de­ter In­vest­ment­club auf ei­ner so­li­den Ba­sis aufbaut. 

Chance zur Beschleunigung

Der rus­si­sche An­griffs­krieg in der Ukrai­ne ist auch ein fos­si­ler En­er­gie­krieg, der die Prei­se für Öl und Gas ex­plo­die­ren lässt. In Deutsch­land hei­zen die Hälf­te der Haus­hal­te mit Gas, ein Vier­tel mit Öl. Die Heiz­kos­ten wer­den so­mit für die al­ler­meis­ten Haus­hal­te ex­plo­die­ren. Um Kos­ten zu spa­ren, soll­te im Ge­bäu­de­sek­tor mög­lichst we­nig En­er­gie ver­braucht und nach Mög­lich­keit selbst her­ge­stellt wer­den. Da­her ist der ers­te Schritt, um die En­er­gie­wen­de zu be­schleu­ni­gen, die en­er­ge­ti­sche Ge­bäu­de­sa­nie­rung samt dem Ein­satz von mög­lichst en­er­gie­ef­fi­zi­en­ten Heiz­ver­fah­ren wie bei­spiels­wei­se Wär­me­pum­pe in der Kom­bi­na­ti­on mit So­lar­ener­gie. Um schnell vor­an­zu­kom­men, sind Quar­tiers­lö­sun­gen und se­ri­el­les Sa­nie­ren wich­tig. Was­ser­stoff ist in den we­nigs­ten Fäl­len ei­ne trag­fä­hi­ge Lö­sung im Ge­bäu­de­sek­tor, da Was­ser­stoff en­er­gie­auf­wen­dig her­ge­stellt wer­den muss und der Öko­strom am bes­ten so­fort oh­ne Um­wand­lungs­ver­lus­te ge­nutzt wer­den soll­te. Das hilft auch der En­er­gie­wen­de, da ei­ner­seits mög­lichst we­nig Öko­strom ver­schwen­det wer­den darf und an­de­rer­seits Ge­bäu­de und Quar­tie­re als „Pro­su­mer“, al­so als Pro­du­zen­ten von En­er­gie und gleich­zei­ti­ge Kon­su­men­ten, ein wich­ti­ger Bau­stein zur Er­rei­chung der En­er­gie­wen­de- und Kli­ma­zie­le sind. Wenn Heim­spei­cher hin­zu­kom­men, kann auch das de­zen­tra­le Ver­teil­netz ent­las­tet wer­den. Ge­bäu­de und Quar­tie­re sind so­mit die En­er­gie­wen­de-Be­schleu­ni­ger schlechthin. 

Claudia Kemfert 

Lei­te­rin En­er­gie, Ver­kehr, Um­welt, Deut­sches In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung (DIW) Berlin 

Manfred Jost 

Prä­si­dent Ver­band Wohneigentum 

Konsequent handeln

Kein gro­ßes In­dus­trie­land schafft laut ei­ner Stu­die vom Car­bon Dis­clo­sure Pro­ject der­zeit sei­nen Bei­trag zum Pa­ri­ser Kli­ma­ziel. Die En­er­gie­wen­de muss be­schleu­nigt wer­den. Da­mit es ge­lingt, müs­sen al­le mit­ma­chen, vor al­len die Po­li­tik: Es ist wich­tig, die Sub­ven­tio­nen um­zu­len­ken, weg von fos­si­len und hin zu kli­ma­neu­tra­len En­er­gie­trä­gern. Eu­ro­pa muss in Sa­chen En­er­gien un­ab­hän­gig von Drit­ten wer­den. Da­für braucht es steu­er­li­che An­rei­ze und För­de­rung für den Um­bau zu ei­ner kli­ma­neu­tra­len En­er­gie­ver­sor­gung in In­dus­trie, Wirt­schaft und bei Ver­brau­chern und Ver­brau­che­rin­nen. Ganz wich­tig ist ei­ne Wie­der­be­le­bung des Tech­no­lo­gie­stand­orts Deutsch­land für So­lar und an­de­re Er­neu­er­ba­re. Ge­ra­de im Wohn­ei­gen­tum steckt rie­si­ges Po­ten­zi­al. Knapp 40 Pro­zent der ge­sam­ten En­er­gie wird in Deutsch­land für Ge­bäu­de ver­braucht, vor al­lem für Hei­zung und Warm­was­ser. Wo viel ver­braucht wird, wo Sa­nie­rungs­stau be­steht, lässt sich viel ein­spa­ren. Doch wer heu­te Däm­men oder sich ei­ne So­lar­an­la­ge, Wär­me­pum­pe oder Klein­wind­kraft­an­la­ge ein­bau­en las­sen möch­te, muss tief in die Ta­sche grei­fen und mit lan­gen Lie­fer­zei­ten rech­nen. Da­zu die Pro­ble­me, ei­ne En­er­gie­be­ra­tung und ver­füg­ba­re Hand­wer­ker zu fin­den, so­wie die Un­si­cher­heit, ob in Mo­na­ten die „ein­ge­preis­ten“ För­de­run­gen noch be­stehen. Po­li­tik muss ver­läss­li­cher und nach­hal­ti­ger wer­den. Sie muss die Be­trof­fe­nen mit­neh­men, sie mit nie­der­schwel­li­ger In­for­ma­ti­on und aus­kömm­li­chen För­der­pro­gram­men aktivieren.sondern nach des­sem Wert. Bei der Be­rech­nung sol­cher Steu­ern schla­gen dann auch Pro­duk­ti­ons­hal­len, Pa­ten­te und Ar­beits­plät­ze teu­er zu Bu­che. Die Fol­ge: We­ni­ger Geld für all die drin­gen­den In­ves­ti­tio­nen in Kli­ma­schutz, En­er­gie­ef­fi­zi­enz und Di­gi­ta­li­sie­rung, we­ni­ger Geld für stei­gen­de Löh­ne und mehr Ar­beits­plät­ze, und auch we­ni­ger Geld für so­zia­le und öko­lo­gi­sche Pro­jek­te vor Ort, in der Re­gi­on und weltweit. 

Erneuerbare

Ihr Anteil an der Stromeinspeisung in Deutschland wächst

Quel­le: Destatis 

Effizienz steigern

Ne­ben dem Um­stieg auf er­neu­er­ba­re En­er­gien muss der ef­fi­zi­en­te Ein­satz von En­er­gie und Roh­stof­fen un­ser Ziel sein. Schon früh hat sich un­se­re Bran­che mit die­ser Her­aus­for­de­rung aus­ein­an­der­ge­setzt. Zu­dem kön­nen er­prob­te PVC-Pro­duk­te im Ge­bäu­de­sek­tor hel­fen, En­er­gie ein­zu­spa­ren. Den lang­fris­ti­gen Nach­hal­tig­keits­rah­men für die ge­sam­te PVC-Wert­schöp­fungs­ket­te bil­det Vi­nylPlus®, die Selbst­ver­pflich­tung der eu­ro­päi­schen PVC-Bran­che, die et­wa Ef­fi­zi­enz­stei­ge­run­gen in al­len Be­rei­chen des Pro­dukt­zy­klus zum Ziel hat. So konn­te im Rah­men der letz­ten VinylPlus®-Dekade ins­ge­samt 9,5 Pro­zent En­er­gie bei der PVC-Er­zeu­gung ein­ge­spart wer­den, bei der Ver­ar­bei­tung zu Haupt­an­wen­dun­gen wa­ren es zwi­schen 16 und 26,5 Pro­zent. Hoch sind En­er­gie­ein­spar­po­ten­zia­le bei Ge­bäu­den. Da­bei be­ein­flusst ne­ben der di­rek­ten Däm­mung oder Ver­schat­tung auch die Nut­zungs­dau­er der ver­bau­ten Ma­te­ria­li­en den En­er­gie- und Roh­stoff­ver­brauch. Leis­tungs­star­ke, be­son­ders lang­le­bi­ge und re­cy­cel­ba­re PVC-Bau­pro­duk­te, wie mo­der­ne En­er­gie­spar­fens­ter, ro­bus­te und pfle­ge­leich­te Bo­den­be­lä­ge oder PVC-be­schich­te­te Ge­we­be, die als Son­nen­schutz den Son­nen­wär­me­ein­trag deut­lich re­du­zie­ren, leis­ten hier ei­nen wich­ti­gen Bei­trag. Ein An­satz, der mitt­ler­wei­le zer­ti­fi­ziert wird: Für be­son­ders nach­hal­ti­ge PVC-Bau­an­wen­dun­gen gibt es das Vi­nylPlus® Pro­duct La­bel. Ver­ge­ben wird es an Un­ter­neh­men, die ei­ne ganz­heit­li­che Nach­hal­tig­keits­stra­te­gie ver­fol­gen und da­bei stren­ge Kri­te­ri­en er­fül­len müs­sen.vinylplus.de

Anzeige

Thomas Hülsmann 

Ge­schäfts­füh­rer Vi­nylPlus Deutschland 

Werner Diwald 

Vor­stands­vor­sit­zen­der Deut­scher Was­ser­stoff- und Brenn­stoff­zel­len- Ver­band (DWV)

Die Uhr tickt

Um die Kli­ma­zie­le zu er­rei­chen, muss die En­er­gie­ver­sor­gung nicht nur aus er­neu­er­ba­ren En­er­gien er­fol­gen, son­dern auch in der ge­sam­ten Eu­ro­päi­schen Uni­on ga­ran­tiert sein. Da­für braucht es ei­ne um­fang­rei­che Spei­che­rung von er­neu­er­ba­ren En­er­gien. Die Er­fah­run­gen der letz­ten Jah­re ha­ben ge­zeigt, dass ei­ne sol­che Trans­for­ma­ti­on des En­er­gie­sys­tems nur mit grü­nem Was­ser­stoff mög­lich ist. Des­halb ha­ben Deutsch­land und vie­le an­de­re EU-Mit­glie­der ei­ne Was­ser­stoff­stra­te­gie ver­ab­schie­det. Al­ler­dings müs­sen die­se na­tio­na­len Stra­te­gien jetzt auf­ein­an­der ab­ge­stimmt wer­den. In mei­nen Au­gen kommt es auf ei­ne Par­al­lel­stra­te­gie an – ei­ner­seits An­la­gen­ex­port für die En­er­gie­ver­sor­gung vor Ort, an­de­rer­seits Ak­ti­vi­tä­ten in Märk­ten für un­se­ren an­fäng­li­chen En­er­gie­im­port. Hier spie­len die Ukrai­ne und an­de­re Län­der in Süd- und Ost­eu­ro­pa ei­ne Rol­le. Über das Pipe­line-Sys­tem kön­nen et­wa Bul­ga­ri­en und Ru­mä­ni­en mit ein­ge­bun­den wer­den. Auch Nord- und West­afri­ka ha­ben gro­ßes Po­ten­zi­al, da dort un­glaub­lich viel Was­ser­stoff er­zeugt wer­den kann. Da­her soll­te sich die Bun­des­re­gie­rung nicht nur für ei­ne na­tio­na­le, son­dern auch für ei­ne ge­mein­sa­me eu­ro­päi­sche wie glo­ba­le Was­ser­stoff-Markt­wirt­schaft ein­set­zen. Zu­dem gilt es, jetzt am­bi­tio­niert zu han­deln. Die Er­kennt­nis­se und Stra­te­gien lie­gen auf dem Tisch, Un­ter­neh­men sind be­reit, zu ko­ope­rie­ren. Das Ge­bot der Stun­de lau­tet: Spiel­re­geln fest­le­gen, ver­läss­li­che so­wie ver­bind­li­che Ge­set­ze schaf­fen. Denn: Uns läuft die Zeit davon. 

UMRÜSTEN

Vor- und Nachteile erneuerbarer Technologien für Hausbesitzer

Quel­le: Rand­stad Deutschland

Franka Johann

Leserin

Mir fehlt in­zwi­schen das Ver­trau­en, dass die Po­li­tik bei die­sem The­ma schnell han­deln wird. Ich küm­me­re mich da­her jetzt um mei­ne ganz per­sön­li­che En­er­gie­wen­de und in­for­mie­re mich, wel­che Tech­no­lo­gien ich nut­zen kann, um in mei­nem Ei­gen­heim so en­er­gie­aut­ark wie mög­lich zu werden. 

Stefan Wagner

Leser

Bereits gelungen

Der Blick auf die En­er­gie­wen­de stimmt mich grund­sätz­lich op­ti­mis­tisch. Die Er­zeu­ger­prei­se für nach­hal­tig pro­du­zier­te En­er­gie sind im Wett­be­werb die at­trak­tivs­ten und die­ser Trend wird durch tech­ni­sche Wei­ter­ent­wick­lung an­hal­ten. Ei­ne wei­te­re Be­schleu­ni­gung der En­er­gie­wen­de er­gibt sich durch ei­ne (noch) hö­he­re Preis­sen­si­bi­li­tät der pro­fes­sio­nel­len und pri­va­ten En­er­gie­ver­brau­chen­den in den kom­men­den Jah­ren, die durch die In­fla­ti­on wei­ter zu­neh­men wird. Hier wird es auch kei­ne zeit­na­he Um­kehr ge­ben, da­für gibt es zu vie­le kurz- und lang­fris­ti­ge Inflationstreiber. 

Effizientes Heizen geht auch anders

Die Sta­tis­ti­ken zeig­ten es noch im ver­gan­ge­nen Jahr ganz deut­lich: Gut zwei Drit­tel der Wohn­ge­bäu­de wer­den noch mit Öl- und Gas­hei­zun­gen be­heizt. Die letz­ten Mo­na­te ha­ben je­doch den Blick­win­kel vie­ler Hei­zungs­be­trei­ber stark ver­än­dert. Heiz­sys­te­me, die er­neu­er­ba­re En­er­gien nut­zen, sind in al­ler Mun­de, denn auf fos­si­le En­er­gie­trä­ger ist zu­neh­mend kein Ver­lass mehr: so­wohl in fi­nan­zi­el­ler Hin­sicht als auch bei der Ver­füg­bar­keit. Bio­mas­se­hei­zun­gen bo­ten dem ei­nen oder an­de­ren ei­ne Al­ter­na­ti­ve, doch auch die­se Lö­sung birgt ähn­li­che Ge­fah­ren. Was für vie­le bleibt, ist die Wär­me­pum­pe, um die in Deutsch­land so be­lieb­ten Heiz­kör­per oder Fuß­bo­den­hei­zun­gen – und da­mit die Häu­ser und Woh­nun­gen – mit Wär­me zu ver­sor­gen. Das führ­te da­zu, dass in­ner­halb kür­zes­ter Zeit die War­te­zei­ten auf das en­er­gie­ef­fi­zi­en­te Sys­tem auf meh­re­re Mo­na­te an­ge­stie­gen sind. Die Kon­zen­tra­ti­on auf das was­ser­füh­ren­de Wär­me­ver­tei­lungs­sys­tem im Ge­bäu­de ver­schließt je­doch den Blick auf wei­te­re Al­ter­na­ti­ven. Wer die­sen er­wei­tert, wird schnell auf ein wei­te­res Wär­me­pum­pen­sys­tem sto­ßen, das ak­tu­ell nicht so stark mit der Ka­pa­zi­täts­pro­ble­ma­tik zu kämp­fen hat: die Luft/­Luft-Wär­me­pum­pen. Die­se über­tra­gen die Wär­me di­rekt an die Raum­luft – be­son­ders ef­fi­zi­ent und oh­ne den Um­weg über die hy­drau­li­sche Wär­me­ver­tei­lung. So­wohl in fi­nan­zi­el­ler als auch zeit­li­cher Hin­sicht ist dies ei­ne loh­nen­de Bli­cker­wei­te­rung. mitsubishi-les.com

Anzeige

Dror Peled 

De­pu­ty Di­vi­si­on Ma­na­ger Li­ving En­vi­ron­ment Sys­tems, Mi­tsu­bi­shi Electric Eu­ro­pe B.V.

Josef Aschbacher 

Ge­ne­ral­di­rek­tor Eu­ro­päi­sche Welt­raum­or­ga­ni­sa­ti­on (ESA)

Neue Dimensionen

Die In­ter­na­tio­na­le En­er­gie­agen­tur weiß, was nö­tig ist, da­mit Eu­ro­pa und die Welt bis 2050 den Net­to-Null­punkt er­rei­chen kön­nen: ei­ne voll­stän­di­ge Um­stel­lung der Art und Wei­se, wie wir En­er­gie er­zeu­gen, be­för­dern und ver­brau­chen. In die­sem Sin­ne ent­wi­ckelt die ESA ein Vor­be­rei­tungs­pro­gramm zur Er­for­schung der Tech­no­lo­gien, die für die welt­raum­ge­stütz­te So­lar­ener­gie er­for­der­lich sind. Ziel die­ser vor­be­rei­ten­den Ar­bei­ten ist es, ei­ni­ge der Schlüs­sel­tech­no­lo­gien zu ent­wi­ckeln, zum Bei­spiel die Mon­ta­ge von Struk­tu­ren in der Erd­um­lauf­bahn, Pho­to­vol­ta­ik mit ver­bes­ser­tem Wir­kungs­grad und Mi­kro­wel­len­be­feue­rung. Par­al­lel da­zu wird die wirt­schaft­li­che Trag­fä­hig­keit ein­ge­hen­der be­wer­tet wer­den. Das Pro­gramm mit dem Na­men SOLARIS wür­de sich auch mit po­ten­zi­el­len Umwelt‑, Ge­sund­heits- und Si­cher­heits­fra­gen so­wie mit Her­aus­for­de­run­gen im Zu­sam­men­hang mit der Re­ge­lung und der in­ter­na­tio­na­len Ko­or­di­nie­rung der Raum­fahrt­po­li­tik be­fas­sen. Durch SOLARIS wür­de Eu­ro­pa den tech­no­lo­gi­schen Stand in ei­ner Rei­he von Schlüs­sel­tech­no­lo­gien er­wei­tern, die für An­wen­dun­gen so­wohl auf der Er­de als auch im Welt­raum re­le­vant sind. Die­se Er­geb­nis­se wer­den es den eu­ro­päi­schen Ent­schei­dungs­trä­gern er­mög­li­chen, ei­ne fun­dier­te Ent­schei­dung über ein et­wai­ges Nach­fol­ge­pro­gramm zu tref­fen. Selbst wenn es kei­ne wei­te­ren Ent­wick­lun­gen gibt, wer­den sich die Er­geb­nis­se die­ser For­schung zwei­fel­los als äu­ßerst nütz­lich für vie­le an­de­re Raum­fahr­tak­ti­vi­tä­ten erweisen. 

PARISER KLIMAZIELE

Diese Bedingungen müssen 
da­für er­füllt werden

Quel­le: Rand­stad Deutschland 

Stromfresser gesucht

Stromverbrauch im durchschnittlichen Privathaushalt in Prozent

Stand: März 2021; Warm­was­ser­be­rei­tung oh­ne Strom | Quel­le: BDEW 

Die Anpassung läuft

Kli­ma­po­li­tisch agiert Chi­na sehr wi­der­sprüch­lich. Auch wenn die Volks­re­pu­blik wei­ter­hin Koh­le­kraft­wer­ke aus­baut, ist die chi­ne­si­sche Füh­rung von der Not­wen­dig­keit der En­er­gie­wen­de über­zeugt. Pe­king weiß: Die Kli­ma­kri­se ist echt. Staats­me­di­en ma­chen Wer­bung für ei­nen nach­hal­ti­gen Le­bens­stil, in meh­re­ren gro­ßen Städ­ten wird end­lich Müll ge­trennt, das Um­welt­be­wusst­sein in der Be­völ­ke­rung steigt. Doch Kli­ma­schutz ist nicht das ein­zi­ge Ziel der chi­ne­si­schen Po­li­tik. Wirt­schafts­wachs­tum und da­mit auch die Be­kämp­fung von Ar­mut ist ein wei­te­res – und da­für braucht es nach wie vor Koh­le­kraft­wer­ke. Der­zeit ist die Volks­re­pu­blik mit Ab­stand der größ­te CO2-Emit­tent der Welt. Bis 2060 möch­te Chi­na CO2-neu­tral sein. Hin­zu kom­men lan­des­wei­te Öko­strom­pro­jek­te: Bis 2030 will die chi­ne­si­sche Re­gie­rung An­la­gen mit ei­ner Leis­tung von 1.200 Gi­ga­watt bau­en las­sen – das ist zehn­mal so viel wie in Deutsch­land. Zwar wur­den be­reits ver­schie­de­ne Sek­tor­plä­ne be­schlos­sen, doch wie an­de­re Län­der zö­gert Chi­na mit ei­nem so­for­ti­gen Aus­stieg aus der Fos­sil­ener­gie, um sei­nen Wohl­stand nicht zu ge­fähr­den. Im Ge­gen­satz zu man­chen Stim­men aus Eu­ro­pa ist die chi­ne­si­sche Kli­ma­po­li­tik der­weil oh­ne­hin von ei­nem pes­si­mis­ti­sche­ren Pa­ra­dig­ma ge­prägt: Pe­king glaubt nicht, dass der Kli­ma­wan­del ge­stoppt wer­den kann, und setzt da­her auf die Kli­ma­an­pas­sung. So wer­den schon heu­te grü­ne Tech­no­lo­gien struk­tu­rell ge­för­dert, die in ei­ner zwei bis drei Grad hei­ße­ren Welt funktionieren. 

Nis Grünberg 

Lead Ana­lyst, Mer­ca­tor In­sti­tu­te for Chi­na Stu­dies (Me­rics)

Anzeige

Jens Wehran 

CEO Rex­el Germany 

Know-how zählt

Ge­trie­ben durch die Kri­sen und die da­durch ent­stan­de­nen Un­si­cher­hei­ten hat sich das The­ma En­er­gie­wen­de in­zwi­schen zu ei­nem Selbst­läu­fer ent­wi­ckelt. Die Nach­fra­ge ist da, doch oft fehlt es an Fach­kräf­ten in der Elek-tro­tech­nik­bran­che, ge­ra­de was die In­stal­la­ti­on von Pho­to­vol­ta­ik an­geht. Was wir al­so brau­chen, ist ei­ne bes­se­re In­for­ma­ti­ons­po­li­tik – für In­stal­la­teu­re und End­kun­den. Be­son­ders ih­nen müs­sen Ängs­te ge­nom­men wer­den, in­dem mehr In­for­ma­tio­nen rund um Pho­to­vo­la­tik nach drau­ßen si­ckern. Das ist de­fi­ni­tiv ein Muss für das Er­rei­chen der Kli­ma­zie­le: Bis 2030 sol­len 200 Gi­ga­watt Pho­to­vol­ta­ik in­stal­liert wer­den. Deutsch­land­weit ste­hen wir ak­tu­ell bei et­wa 70 Gi­ga­watt in­stal­lier­ter Pho­to­vol­ta­ik-Leis­tung. Wir von Rex­el Ger­ma­ny bie­ten un­se­ren Kun­den schon seit län­ge­rem in un­se­ren Nie­der­las­sun­gen so­wie in un­se­rem Cam­pus in Hei­mer­tin­gen in­ter­es­san­te und ab­wechs­lungs­rei­che Schu­lun­gen mit Ex­per­ten aus der Elek­tro­bran­che und In­dus­trie an. Ganz neu ist un­ser Cam­pus für er­neu­er­ba­re En­er­gien in In­gol­stadt. In die­sem Cam­pus wol­len wir Dienst­leis­ter wie auch Part­ner sein – für un­se­re Kun­den von der Klein­in­stal­la­ti­on, wie ei­ne Zehn-Ki­lo­watt-Peak-An­la­ge, bis hin zu Groß­kun­den, die gan­ze So­lar­parks ans Netz brin­gen. Wir wol­len zei­gen, was ak­tu­ell in punc­to er­neu­er­ba­re En­er­gien tech­nisch mög­lich ist und wel­che kon­kre­ten Lö­sun­gen wir an­bie­ten kön­nen. Und zwar ein­fach, schnell und smart. Ein­fach Rexel. 

Wir bauen die Energiewende

Hand­werk ist so viel­sei­tig wie die Welt um uns her­um. Hand­werk baut, re­pa­riert, in­stal­liert und mo­der­ni­siert. Hand­werk stellt die re­gio­na­le Ver­sor­gung si­cher, ganz gleich ob in den Städ­ten oder im länd­li­chen Raum. Kurz­um: Hand­wer­ke­rin­nen und Hand­wer­ker hal­ten un­ser Land am Lau­fen. Und sie sind ent­schei­den­de Zu­kunfts­ge­stal­ter. Denn was die Po­li­tik auf dem Pa­pier be­schließt, set­zen sie in die Rea­li­tät um. Mil­lio­nen Hand­wer­ke­rin­nen und Hand­wer­ker sind ak­ti­ve be­ruf­li­che Kli­ma­schüt­zer, wenn sie La­de­säu­len für E‑Autos in­stal­lie­ren, So­lar­pa­nee­le und Wär­me­pum­pen ein­bau­en, Hei­zun­gen aus­tau­schen und Häu­ser en­er­gie­ef­fi­zi­ent däm­men und sa­nie­ren. Da­mit das Hand­werk wei­ter sei­nen un­ver­zicht­ba­ren Bei­trag zur Um­set­zung der En­er­gie­wen­de leis­ten kann, braucht es aber mehr Men­schen, die sich für ei­nen der zahl­rei­chen kli­mare­le­van­ten Hand­werks­be­ru­fe ent­schei­den. Das wie­der­um ge­lingt nur, wenn es mehr An­er­ken­nung für das gibt, was un­se­re Hand­wer­ke­rin­nen und Hand­wer­ker je­den Tag leis­ten. Die be­ruf­li­che Bil­dung braucht die ge­sell­schaft­li­che und po­li­ti­sche Wert­schät­zung und ent­spre­chen­de fi­nan­zi­el­le För­de­rung, die ihr mit Blick auf ih­re wirt­schaft­li­che und ge­sell­schaft­li­che Be­deu­tung ge­bührt. Nur wenn es ge­lingt, mehr Men­schen für ei­ne kli­mare­le­van­te Tä­tig­keit im Hand­werk zu ge­win­nen, kann die En­er­gie­wen­de er­folg­reich sein. Und be­schleu­ni­gen lässt sich die En­er­gie­wen­de, je mehr Men­schen wir da­für ge­win­nen können. 

Hans Peter Wollseifer 

Prä­si­dent Zen­tral­ver­band des Deut­schen Hand­werks (ZDH)

STROMSPIEGEL 2021/​22

Was Haushalte in Deutschland für die Warmwasserbereitung je nach Verbrauch zahlen

Quel­le: Verbraucherzentrale 

Pauline Brünger 

Spre­che­rin Fri­days for Future 

Boost von unten

„Power to the peop­le“ ist ein be­kann­ter Spruch, auch auf De­mons­tra­tio­nen von Fri­days for Fu­ture. Im Kon­text der En­er­gie­wen­de hat er ei­ne schö­ne Dop­pel­deu­tig­keit. Ei­ne de­zen­tra­le En­er­gie­wen­de gibt den Bürger:innen nicht nur si­che­re und sau­be­re En­er­gie, son­dern auch Kon­trol­le über Er­zeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten. Um­so er­staun­li­cher ist es, dass er­neu­er­ba­re En­er­gien in den De­bat­ten über die ak­tu­el­le En­er­gie­knapp­heit eher ei­ne Rand­er­schei­nung sind. Sie wer­den ab­ge­bü­gelt mit dem Schein­ar­gu­ment, sie wür­den kurz­fris­tig nicht hel­fen. Da­bei ist schon seit Jah­ren klar, was ge­tan wer­den muss, da­mit sie die ent­las­ten­de Rol­le spie­len kön­nen, für die sie so prä­de­sti­niert sind. Lan­ge ha­ben po­li­ti­sche Re­ge­lun­gen ver­hin­dert, dass „zu viel“ er­neu­er­ba­re En­er­gien auf ein­mal ans Netz ge­hen. Heu­te ist klar: Das war von An­fang an ab­surd. Die gro­ßen und weit­ge­hend be­kann­ten Stell­schrau­ben wie Netz­aus­bau, groß­zü­gi­ge Aus­schrei­bun­gen, Schaf­fung von Rechts­si­cher­heit für Be­trei­ber und Fach­kräf­te­of­fen­si­ve schei­tern nicht dar­an, dass un­klar wä­re, wie das ge­lingt. Es fehl­te der po­li­ti­sche Wil­le. In­zwi­schen gibt es Be­kun­dun­gen da­zu, aber wohl nicht die nö­ti­ge Auf­merk­sam­keit und En­er­gie. Wor­an wir al­le, die die En­er­gie­wen­de boos­ten wol­len, ar­bei­ten müs­sen, ist nicht die Be­ant­wor­tung der Fra­ge, wie das ge­lin­gen kann. Das wis­sen wir längst. Wir müs­sen da­für sor­gen, dass die­je­ni­gen, die die­sen Boos­ter er­mög­li­chen kön­nen, es auch tat­säch­lich tun. Un­ser Mit­tel da­für ist po­li­ti­scher Druck. 

Nach vorn schauen

Ist es ver­rückt oder nur ty­pisch Mensch? Wenn es kei­nen Druck von au­ßen gibt, sind wir be­hä­big. Re­den seit Jah­ren vom Aus­bau der er­neu­er­ba­ren En­er­gien und kau­fen mun­ter preis­wer­tes rus­si­sches Gas. Jetzt in der En­er­gie­kri­se ist das Ge­schrei groß und al­les soll „ganz schnell ganz an­ders“ wer­den, ein tech­nisch kaum mach­ba­res Un­ter­fan­gen. Vie­le ru­fen nach der Atom­kraft. Gin­ge es um Kern­fu­si­on – das macht die Son­ne – und nicht um Kern­spal­tung, wä­re ich da­bei. Aber die Son­ne nach­zu­ma­chen ist bis­her un­mög­lich. Bei der Kern­spal­tung wird oft nicht dar­an ge­dacht, dass das Spalt­ma­te­ri­al Uran auch ein end­li­cher Roh­stoff ist, dass die Ent­sor­gung des strah­len­den Mülls welt­weit un­ge­klärt ist, dass bei im­mer nied­ri­ge­ren Fluss­pe­geln durch Dür­ren die Küh­lung der Kraft­wer­ke ei­ne Her­aus­for­de­rung ist und dass ein mög­li­cher GAU an­ge­mes­sen ver­si­chert den Atom­strom qua­si un­be­zahl­bar ma­chen wür­de. Was sträubt sich so sehr in uns ge­gen sau­be­re En­er­gie aus Wind und Son­ne? Un­se­re Son­ne lie­fert mehr als 6.000-mal so viel En­er­gie, wie wir welt­weit ver­brau­chen. Und der Wind kommt hin­zu. Mit we­ni­ger als drei Pro­zent der Lan­des­flä­che Deutsch­lands wä­re der Strom er­neu­er­bar ab­ge­deckt. Stu­di­en zei­gen, dass wir auch die Wär­me­ver­sor­gung er­neu­er­bar hin­be­kä­men. Und wenn man eu­ro­pä­isch denkt: Ir­gend­wo scheint im­mer die Son­ne oder weht der Wind. Klug ver­schal­tet hät­ten wir es güns­tig warm und könn­ten grü­nen Was­ser­stoff auf un­se­rem Kon­ti­nent pro­du­zie­ren, der an so vie­len Stel­len ge­braucht wird. 

Sven Plöger 

Me­teo­ro­lo­ge und Fernsehmoderator 

Hermann Albers 

Prä­si­dent Bun­des­ver­band Wind­ener­gie (BWE)

Starkes Fundament

Die Wind­ener­gie als Mas­se­trä­ger der neu­en En­er­gie­wirt­schaft steht ak­tu­ell stär­ker im Fo­kus als je zu­vor. Grü­ne Ge­wer­be­ge­bie­te, Was­ser­stoff als Spei­cher und die Ein­bin­dung der Wind­ener­gie in Wär­me- und Mo­bi­li­täts­kon­zep­te wer­den Teil der En­er­gie­wirt­schaft vor Ort. Zu­sam­men mit So­lar und Bio­en­er­gie gilt es, die Un­ab­hän­gig­keit von fos­si­len En­er­gie­trä­gern zu er­rei­chen. Die fos­si­le Preis­kri­se und die un­si­che­re Ver­sor­gung mit Erd­gas er­hö­hen den Hand­lungs­druck. Im­mer mehr Ge­mein­den und Un­ter­neh­men klä­ren, wie sich die En­er­gie­ver­sor­gung neu aus­ta­rie­ren lässt. Vor Ort neh­men im­mer mehr Men­schen in Bür­ger­en­er­gie­pro­jek­ten ih­re En­er­gie­ver­sor­gung in die ei­ge­ne Hand. Ge­mein­den soll­ten da­bei die Fle­xi­bi­li­tät er­hal­ten, auch au­ßer­halb fest­ge­setz­ter Flä­chen ak­tiv auf die Wind­ener­gie zu set­zen. Zu­sätz­lich muss der Bund die an­ge­kün­dig­ten För­der­richt­li­ni­en für Bür­ger­en­er­gie­ge­sell­schaf­ten in der Vor­ent­wick­lungs­pha­se nun um­set­zen. Da­mit sol­len fi­nan­zi­el­le Ri­si­ken aus den Vor­lauf­kos­ten ab­ge­fe­dert und so­mit die Pro­jekt­ent­wick­lung er­leich­tert wer­den. Vie­le be­reits be­stehen­de Bür­ger­en­er­gie­ge­sell­schaf­ten wol­len ak­tu­ell ih­re Wind­parks er­neu­ern. Auch für die­ses Re­powe­ring braucht es bis Jah­res­en­de Klar­heit. Vor al­lem ge­straff­te Ge­neh­mi­gun­gen oh­ne um­fas­sen­de Neu­prü­fun­gen des Na­tur­schut­zes sind er­for­der­lich. Bür­ger­en­er­gie ist für uns das star­ke Fun­da­ment für den not­wen­di­gen Zu­bau, den wir jetzt or­ga­ni­sie­ren müs­sen. Sie gilt es des­halb ge­setz­ge­be­risch zu flankieren. 

Annette Behr

Leserin

An die Leinen

Seit mei­ner Kind­heit sind Weich­spü­ler und en­er­gie­fres­sen­de Tro­cken­ge­rä­te ta­bu. Die ge­wa­sche­ne Wä­sche trock­ne­te scho­nend drau­ßen an der Luft. Als Dorf­kind so­zia­li­siert, in­stal­lie­re ich die um­welt­freund­li­che Lei­nen­trock­nung an sämt­li­che Le­bens­or­te. Bis in die wil­de Stadt. Für na­tur­duf­ten­de Tex­ti­li­en braucht es we­ni­ge Ba­sics: Flü­gel- oder Turm-Wä­sche­stän­der, Lei­ne und Klam­mern sind In­si­gni­en des nach­hal­ti­gen Haus­halts. Ex­trem wich­tig: Das Wet­ter. Es macht ei­nen be­deut­sa­men Un­ter­schied, ob die Wä­sche näch­tens an der Lei­ne ge­mä­ßigt tem­pe­riert oder tags­über glü­hend heiß trock­net. Hilf­reich da­bei ist stets der Wind. Da­zu weht er, was den Ge­ruch be­trifft, die schöns­ten Nu­an­cen her­bei: früh­lings­haft zart, som­mer­lich um­braust oder herbst­lich to­send. Nütz­lich ist die kli­ma­neu­tra­le Drau­ßen­trock­nung auch noch, weil sie Zeit und En­er­gie spart. Kör­be­wei­se knitt­ri­ge Bü­gel­wä­sche und vie­le Ki­lo­watt­stun­den Strom kann man sich schen­ken. Der klei­ne Bei­trag zur En­er­gie­wen­de macht zu­frie­den bis glücklich. 

Marion Schmid

Leserin

Bewusster Verbrauch

Die En­er­gie­wen­de fin­det zu ei­nem gu­ten Teil bei je­dem selbst statt. Der hin­ter All­tags­hand­lun­gen ste­hen­de En­er­gie­ver­brauch wird mir im­mer prä­sen­ter. Das sind die gro­ßen Ver­brau­cher wie Raum­tem­pe­ra­tur und Warm­was­ser ge­nau­so wie ver­meint­li­che Klei­nig­kei­ten, et­wa die Wahl zwi­schen Trep­pe und Fahr­stuhl oder Fahr­rad ver­sus U‑Bahn. Aber es geht nicht nur um den di­rek­ten En­er­gie­ver­brauch. Für je­des Pro­dukt und je­de Dienst­leis­tung wird En­er­gie ver­braucht, die lei­der nicht als zwei­tes Preis­schild auf­taucht. Ein ent­spre­chen­des Sys­tem wür­de vie­len Men­schen hel­fen, sich noch en­er­gie­be­wuss­ter zu verhalten. 

Die Landwirtschaft hat Lösungen

Das The­ma En­er­gie­ver­sor­gung hat seit dem 24. Fe­bru­ar ei­ne neue Di­men­si­on. Mit der of­fen­bar ge­wor­de­nen Ab­hän­gig­keit von rus­si­schen En­er­gie­trä­gern und der geo­po­li­ti­schen Be­dro­hung durch Russ­land muss­ten schnel­le Lie­fer­al­ter­na­ti­ven für das lei­der zu oft noch al­ter­na­tiv­lo­se Gas auf die Agen­da. Eben­so wich­tig ist aber, dass der Aus­bau der er­neu­er­ba­ren En­er­gien jetzt kon­se­quent ver­folgt wird. Nicht nur, um un­ab­hän­gig von au­to­kra­ti­schen Staa­ten zu sein – auch der Kli­ma­wan­del er­laubt kei­nen wei­te­ren Auf­schub. Für die­sen kli­ma­freund­li­chen Um­bau hat die Land­wirt­schaft Lö­sun­gen. Und nicht nur das: Sie geht be­reits seit Jah­ren vor­an. Schon 2019 tru­gen die Land­wir­te mit Wind‑, So­lar- und Bio­en­er­gie rund zehn Pro­zent zum ge­sam­ten er­neu­er­ba­ren En­er­gie­mix bei – mehr als die drei gro­ßen En­er­gie­ver­sor­ger im Land zu­sam­men. Wir Land­wir­te wol­len die­sen Weg wei­ter­ge­hen und nicht nur die Land­wirt­schaft, son­dern auch die En­er­gie­ver­sor­gung in Deutsch­land zu­kunfts­fest auf­stel­len. Fakt ist: Oh­ne en­er­ge­ti­sche Nut­zung von Bio­mas­se wird die En­er­gie­wen­de aber nicht ge­lin­gen. Bio­gas­an­la­gen er­zeu­gen de­zen­tral spei­cher­ba­re En­er­gie und lie­fern be­reits heu­te Strom für fast zehn Mil­lio­nen Haus­hal­te. In der ak­tu­el­len Kri­se könn­te die Er­zeu­gung zu­dem wei­ter hoch­ge­fah­ren wer­den, wenn die po­li­tisch ge­schaf­fe­ne De­cke­lung auf­ge­ho­ben wür­de. Denn Fakt ist auch: Die Po­li­tik bremst die Land­wir­te bis­her auf ei­nem Feld aus, auf dem sie viel­mehr für Rü­cken­wind sor­gen sollte. 

Joachim Rukwied 

Prä­si­dent Deut­scher Bauernverband 

Grüner Energie-Mix

Was die einzelnen erneuerbaren Technologien an Treibhausgas-Emissionen einsparen 

Quel­le: Verbraucherzentrale 

Jan Peter Hinrichs 

Ge­schäfts­füh­rer Bun­des­ver­band en­er­gie­ef­fi­zi­en­te Ge­bäu­de­hül­le (Bu­VEG)

Ran an die Gebäudehüllen 

Wenn mir die Fra­ge nach dem Weg zum kli­ma­neu­tra­len Ge­bäu­de­be­stand und zur Um­set­zung der En­er­gie­wen­de ge­stellt wird, fal­le ich meist gleich mit der Tür ins Haus: Die ein­zi­ge Mög­lich­keit, den Ver­brauch im Ge­bäu­de­sek­tor so­fort si­gni­fi­kant zu sen­ken, sind Ef­fi­zi­enz­maß­nah­men an der Ge­bäu­de­hül­le – al­so bei­spiels­wei­se mo­der­ne Fens­ter und aus­rei­chen­de Däm­mung. Die Ge­bäu­de in Deutsch­land sind näm­lich größ­ten­teils über­al­tert und nicht für die An­for­de­run­gen der Zu­kunft ge­wapp­net. Rund 30 Pro­zent der Wohn­ge­bäu­de be­fin­den sich in den bei­den schlech­tes­ten Ef­fi­zi­enz­klas­sen G und H und ver­brau­chen gleich­zei­tig 50 Pro­zent der ge­sam­ten En­er­gie im Ge­bäu­de­sek­tor. Und hier müs­sen wir ran. Denn der Ge­bäu­de­sek­tor hat im Jahr 2021 be­reits zum zwei­ten Mal sei­ne Ein­spar­zie­le ver­fehlt. Hin­zu kommt, dass im­mer noch 80 Pro­zent der Ge­bäu­de in Deutsch­land mit Gas be­heizt wer­den und Im­mo­bi­li­en­be­sit­zern wie Mie­tern durch die ge­stie­ge­nen En­er­gie­prei­se ein Kos­ten­kol­laps droht. Der Hoch­lauf der er­neu­er­ba­ren En­er­gien und der Ein­bau von Wär­me­pum­pen sind Schrit­te in die rich­ti­ge Rich­tung. Ei­ne Wär­me­pum­pe kann aber ih­re vol­le Wir­kung nur ent­fal­ten, wenn die Ge­bäu­de­hül­le stimmt. An­sons­ten wird sie zum nim­mer­sat­ten, ex­trem teu­ren Strom­fres­ser und die Le­bens­dau­er der Pum­pe ver­kürzt sich dras­tisch. Al­so: Ran an die Ge­bäu­de­hül­len. Das hilft dem Kli­ma und dem Geld­beu­tel – garantiert. 

Beliebte Fragen