Der EU-Mittelwert der Digitalisierung liegt bei 50,7 Punkten, in Deutschland bei 54,1.
 

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Welches Potenzial steckt im digitalen Staat?

Beim The­ma di­gi­ta­ler Staat zählt Est­land seit Jah­ren zu den Vor­rei­tern. Wie ei­ne Di­gi­tal-First-Stra­te­gie funk­tio­nie­ren kann, zeigt uns Ave Lau­ring­son, Ge­schäfts­füh­re­rin von e‑Estonia. Dass nun end­lich auch Deutsch­land durch­star­tet, for­dert Ralf Resch von der Bun­des-Ar­beits­ge­mein­schaft der Kom­mu­na­len IT-Dienst­leis­ter, denn „Bür­ge­rin­nen und Bür­ger sol­len künf­tig kom­plett di­gi­tal mit den Ver­wal­tun­gen kom­mu­ni­zie­ren kön­nen.“ Die De­bat­te, in der es auch um Si­cher­heits­fra­gen, Re­si­li­enz und di­gi­ta­le Iden­ti­tät geht, le­sen Sie auf die­ser Seite.

Ave Lauringson 

Ge­schäfts­füh­re­rin e‑Estonia der Re­pu­blik Estland 

Vertrauen erhalten

„Welt­weit be­steht ei­ne enor­me Nach­fra­ge nach phy­si­scher und di­gi­ta­ler In­fra­struk­tur, die so oder so be­frie­digt wer­den wird. Es liegt an uns, da­für zu sor­gen, dass de­mo­kra­ti­sche Wer­te da­bei die Rich­tung vor­ge­ben.“ Die­se Bot­schaft von Est­lands Pre­mier­mi­nis­te­rin Ka­ja Kal­las in ih­rer Ein­la­dung zum Tal­linn Di­gi­tal Sum­mit 2022 ist klar: Es geht nicht mehr dar­um, war­um wir den di­gi­ta­len Staat brau­chen, son­dern be­reits dar­um, wie der Weg dort­hin ver­lau­fen wird. Est­land hat sich mit sei­ner Di­gi­tal-First-Stra­te­gie kon­ti­nu­ier­lich zu ei­ner der di­gi­tal fort­schritt­lichs­ten Ge­sell­schaf­ten ent­wi­ckelt – und hat jetzt hö­he­re Zie­le. Die Ent­wick­lung hin zu ei­nem bür­ger­zen­trier­ten grü­nen di­gi­ta­len Staat mit pro­ak­ti­ven Ser­vices, die auf Künst­li­cher In­tel­li­genz auf­bau­en, ist da­bei ein Fo­kus. Vor­an­ge­trie­ben wird die­ser Pro­zess durch ei­ne da­ten­ba­sier­te Ver­wal­tung, zu­kunfts­si­che­re di­gi­ta­le In­fra­struk­tu­ren und die mu­ti­ge Über­nah­me neu­es­ter In­no­va­tio­nen. Ein wei­te­res The­ma ist Kon­nek­ti­vi­tät – so­wohl um die Ge­setz­ge­bung an zu­künf­ti­ge An­for­de­run­gen an­zu­pas­sen als auch um 5G+-Netzwerke auf­zu­bau­en, die die Ent­wick­lung neu­er In­hal­te und Dienst­leis­tun­gen er­mög­li­chen. Zu­dem bleibt die Ak­tua­li­sie­rung der lan­des­wei­ten Cy­ber-Se­cu­ri­ty-Stra­te­gie ei­ne Prio­ri­tät. Est­land möch­te das be­stehen­de Ver­trau­en sei­ner Be­völ­ke­rung in den di­gi­ta­len Staat wei­ter recht­fer­ti­gen – durch die Qua­li­tät der öf­fent­li­chen Dienst­leis­tun­gen und die Stei­ge­rung der Le­bens­qua­li­tät sei­ner Bürger.

Digital das Zutrauen stärken

Es dau­ert nicht mehr lan­ge, bis die Frist für das On­line­zu­gangs­ge­setz aus­läuft. Die letz­ten Jah­re ha­ben ge­zeigt: Es wur­den ei­ni­ge Maß­nah­men zur Mo­der­ni­sie­rung des Staa­tes an­ge­sto­ßen. Doch die be­stehen­den di­gi­ta­len Ver­wal­tungs­diens­te wir­ken in der Be­völ­ke­rung bis­her we­nig. Die rei­ne Be­reit­stel­lung di­gi­ta­ler Ver­wal­tungs­diens­te ist zwar not­wen­dig, aber führt nicht au­to­ma­tisch zu ei­nem bürger:innenzentrierten E‑Government. Steckt al­so in der Di­gi­ta­li­sie­rung des Staa­tes kein Po­ten­zi­al mehr? Doch, und es ist groß. Das noch nicht aus­ge­schöpf­te Po­ten­zi­al für di­gi­ta­le Diens­te liegt bei 57 Pro­zent. Die Kenn­zahl aus der Stu­die „eGo­vernment MONITOR 2022“ der In­itia­ti­ve D21 zeigt ei­ne di­gi­ta­le Nut­zungs­lü­cke auf. Die­se Grö­ße be­schreibt die Lü­cke zwi­schen dem Be­darf an ei­ner kon­kre­ten Ver­wal­tungs­dienst­leis­tung und de­ren bis­he­ri­ger On­line-Nut­zung. Vie­le Bürger:innen sind so­mit zu­neh­mend frus­triert an­ge­sichts des schlep­pen­den Tem­pos der Di­gi­ta­li­sie­rung. Doch die Mo­der­ni­sie­rung des Staa­tes birgt gro­ße Chan­cen, das Le­ben der Bürger:innen nach­hal­tig zu er­leich­tern. Nicht zu­letzt för­dern di­gi­ta­le, si­che­re und ein­fach ver­wend­ba­re Ver­wal­tungs­leis­tun­gen auch das Zu­trau­en in die Leis­tungs­fä­hig­keit des Staa­tes. Es ist nun be­deu­tend, dass Bund und Län­dern ge­mein­sa­men vor­an­ge­hen, um die di­gi­ta­le Nut­zungs­lü­cke zu schlie­ßen und das Po­ten­zi­al des di­gi­ta­len Staats zu heben. 

Lena-Sophie Müller 

Ge­schäfts­füh­re­rin In­itia­ti­ve D21 

Ralf Resch 

Ge­schäfts­füh­rer Bun­des-Ar­beits­ge­mein­schaft der Kom­mu­na­len IT-Dienst­leis­ter (Vi­ta­ko)

Endlich durchstarten

Das On­line­zu­gangs­ge­setz (OZG) stößt zwar in ei­ne Lü­cke, wird aber nicht in der La­ge sein, den Rück­stand in Deutsch­land wett­zu­ma­chen. Da­bei ist es sehr wich­tig, Re­si­li­enz und di­gi­ta­le Sou­ve­rä­ni­tät für die Ver­wal­tung her­zu­stel­len – et­wa durch ein neu­es Ver­wal­tungs­di­gi­ta­li­sie­rungs­ge­setz. Da­bei soll kein Pro­jekt „OZG 2.0“ ent­ste­hen, son­dern ein Rah­men­werk, das die Di­gi­ta­li­sie­rung be­darfs­ge­recht er­mög­licht, et­wa durch stan­dar­di­sier­te, ver­wal­tungs­über­grei­fen­de, über Le­gis­la­tur­pe­ri­oden hin­aus­wir­ken­de Pro­zes­se. Bür­ge­rin­nen und Bür­ger sol­len künf­tig kom­plett di­gi­tal mit den Ver­wal­tun­gen kom­mu­ni­zie­ren kön­nen. Um das zu er­mög­li­chen, sind Un­ter­schrif­ten durch per­sön­li­ches Er­schei­nen ab­zu­schaf­fen – und wenn, dann nur noch in be­grün­de­ten Ein­zel­fäl­len. Zu­dem ist es wich­tig, Prio­ri­tä­ten zu set­zen: Wel­che zehn Ver­wal­tungs­fach­ver­fah­ren ver­spre­chen den größ­ten Nut­zen und sind mit den vor­han­de­nen Res­sour­cen um­setz­bar? Neue Stan­dards und In­fra­struk­tu­ren soll­ten nur dann zu­ge­las­sen wer­den, wenn sie ei­ne Lü­cke fül­len oder ech­te Ver­bes­se­run­gen er­mög­li­chen. Um end­lich durch­star­ten zu kön­nen, soll­te Ver­wal­tungs­di­gi­ta­li­sie­rung als kom­mu­na­les Pro­gramm auf­ge­stellt und er­folgs­ab­hän­gig fi­nan­ziert wer­den – zu­mal die kom­mu­na­len Ver­wal­tun­gen über 80 Pro­zent al­ler Ver­wal­tungs­leis­tun­gen er­brin­gen. Die­se In­ves­ti­tio­nen wer­den mehr als kom­pen­siert, weil schon die heu­ti­ge di­gi­ta­li­sier­te Ver­wal­tung Ein­spa­run­gen in Hö­he von 5,1 Mil­li­ar­den Eu­ro pro Jahr bringt. 

Strategie

Wie Unternehmen gerade die eigene Digitalisierung vorantreiben

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Quel­le: In­itia­ti­ve Stadt.Land.Digital

Digitale Services

Was Behörden unbedingt anbieten sollten

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Quel­le: So­pra Steria 

Egon Bote

Leser

Nutzer im Blick 

Es soll ja Leu­te ge­ben, die Be­hör­den­gän­ge im­mer noch lie­ber ana­log ma­chen und ein An­trags­for­mu­lar oder ei­ne Be­schei­ni­gung als ein Stück Pa­pier in die Hand be­kom­men wol­len. Ge­ra­de äl­te­re Men­schen ha­ben ih­re Pro­ble­me mit di­gi­ta­len An­ge­bo­ten. Hier gibt es ho­he Bar­rie­ren zu über­win­den. Bei der De­sen­si­bi­li­sie­rung vor ei­ner di­gi­ta­len Ver­wal­tung hel­fen leicht zu­gäng­li­che, ein­fach ver­ständ­li­che On­line-An­ge­bo­te. Da­zu ge­hört auch, dass in gu­te Nut­zer­füh­rung und pra­xis­na­he Tu­to­ri­als in­ves­tiert wird. Wer al­so den Staat di­gi­ta­li­sie­ren will, der soll­te da­bei vor al­lem aus der Per­spek­ti­ve der­je­ni­gen den­ken, die die Ser­vices nut­zen sol­len: der Bür­ge­rin­nen und Bürger. 

Wolfgang Schwab

Leser

Positive Vorbilder

Im di­gi­ta­len Staat steckt gro­ßes Po­ten­zi­al, wie uns Co­ro­na ge­zeigt hat. Mit ge­nü­gend Da­ten ist ei­ne ver­nünf­ti­ge Um­set­zung denk­bar. Dass trotz­dem auch Da­ten­schutz mög­lich ist, zeigt uns das Bei­spiel Est­land. Man muss nur be­reit sein, po­si­ti­ve Er­fah­run­gen an­de­rer Staa­ten aufzugreifen. 

Marcus Schmidt

Leser

Fangt in der Hauptstadt an

Ich woh­ne in Ber­lin. Es ist die Stadt in Deutsch­land mit den meis­ten Ein­woh­nern, aber auch die mit den we­nigs­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern im Ver­wal­tungs­ap­pa­rat. So hat man zu­min­dest den Ein­druck. Ter­mi­ne beim Bür­ger­amt kriegt man nur durch Zu­fall. Da­bei muss man hof­fen, recht­zei­tig auf ei­nen frei­en Ter­min zu kli­cken, wenn die­se ein­mal am Tag ge­gen acht Uhr mor­gens auf den Markt ge­wor­fen wer­den. Denn auf­grund des ho­hen Kran­ken­stands weiß man bei Ber­li­ner Be­hör­den erst am sel­bi­gen Tag, wer über­haupt da ist. Oder eben nicht. Ter­min­ver­ga­ben für kom­men­de Ta­ge ma­chen da­her kei­nen Sinn. Sonst müss­te ei­ne Per­son für drei ar­bei­ten, falls die an­de­ren bei­den spon­tan von Schnup­fen über­mannt oder über­fraut wer­den. Um ei­nen Ter­min beim Stan­des­amt zu be­kom­men, um zum Bei­spiel ei­ne Ge­burts­ur­kun­de für sein Kind be­an­tra­gen zu kön­nen, muss man um 4:30 Uhr zum Schicht­an­tritt des Pfört­ners an­tan­zen, um ei­ne der be­gehr­ten fünf – ja, es sind tat­säch­lich nur fünf – selbst ge­mal­ten – ja, auch das ha­ben Sie rich­tig ge­le­sen – War­te­mar­ken zu er­gat­tern. Das Po­ten­zi­al im di­gi­ta­len Staat ist da­her rie­sig. Man könn­te hun­der­te Stel­len ein­spa­ren, die ja oh­ne­hin nicht be­setzt sind. 

Patrick Häuser 

Lei­ter Haupt­stadt­bü­ro, Bun­des­ver­band IT-Mit­tel­stand (BIT­Mi)

Aufholjagd starten

Aus Sicht der mit­tel­stän­di­schen Di­gi­tal­wirt­schaft steckt gleich drei­fa­ches Po­ten­zi­al in der Ver­wal­tungs­di­gi­ta­li­sie­rung. Ers­tens freu­en sich nicht nur Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, wenn der Gang zur Be­hör­de nicht mehr nö­tig und die Be­an­tra­gung von staat­li­chen Leis­tun­gen we­ni­ger kom­pli­ziert und pa­pier­reich ist. Auch Un­ter­neh­men – ins­be­son­de­re klei­nen und mit­tel­stän­di­schen – nutzt ein schlan­ke­rer Staat, der mit­hil­fe der Di­gi­ta­li­sie­rung Bü­ro­kra­tie ab­baut und Ver­fah­ren be­schleu­nigt, sehr. Zu­dem steckt in der Di­gi­ta­li­sie­rung des Staa­tes ein enor­mer He­bel zur Stär­kung un­se­rer di­gi­ta­len Sou­ve­rä­ni­tät. Hier­bei kommt dem IT-Mit­tel­stand ei­ne Schlüs­sel­rol­le zu. Denn als An­bie­ter von di­gi­ta­len Lö­sun­gen „ma­de in Ger­ma­ny“ trägt er maß­geb­lich zur Re­du­zie­rung der Ab­hän­gig­keit von Big Tech bei. Ge­ra­de im sen­si­blen Be­reich staat­li­cher Ver­wal­tung ist tech­no­lo­gi­sche Selbst­be­stim­mung von be­son­ders gro­ßer Be­deu­tung. Und drit­tens hat der Staat als größ­ter Ein­käu­fer von IT-Leis­tun­gen in Deutsch­land ei­ne nicht zu un­ter­schät­zen­de Vor­rei­ter­rol­le, durch die er die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on ins­ge­samt be­flü­geln kann, in­dem er sich selbst kon­se­quent di­gi­ta­li­siert, Fort­schritt vor­lebt und – zum Bei­spiel durch die elek­tro­ni­sche Iden­ti­tät – Mög­lich­kei­ten für den Ein­satz di­gi­ta­ler Tech­no­lo­gien im All­tag schafft. Die Her­aus­for­de­run­gen bei der Ver­wal­tungs­di­gi­ta­li­sie­rung sind wei­ter­hin groß, aber ihr Po­ten­zi­al soll­te der Bun­des­re­gie­rung An­sporn sein, ei­ne Auf­hol­jagd zu star­ten. 

Andreas Meyer-Falcke 

CIO Land Nordrhein-Westfalen 

Verwaltung integriert digitalisieren

Von der E‑Akte zum di­gi­ta­len Bür­ger­amt – das ist die Kurz­form der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on der Lan­des­ver­wal­tung Nord­rhein-West­fa­len. Das ist un­ser Ver­wal­tungs­bei­trag zu ei­ner smar­ten Ci­ty. Das heißt, al­le Be­hör­den­gän­ge kön­nen künf­tig rund um die Uhr er­le­digt wer­den. Und zwar me­di­en­bruch­frei, En­de-zu-En­de di­gi­ta­li­siert, weit­ge­hend au­to­ma­ti­siert. So er­mög­li­chen wir un­se­ren Kun­den ei­nen zeit­ge­mä­ßen und nut­zer­ori­en­tier­ten Zu­gang zu den Leis­tun­gen der Ver­wal­tung. Und schaf­fen zu­dem spür­ba­re Er­leich­te­run­gen für un­se­re Be­schäf­tig­ten. Die Di­gi­ta­li­sie­rung der Ver­wal­tung ist die größ­te Ver­wal­tungs­re­form seit Jahr­zehn­ten. Zwar be­ruht die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on auf Tech­nik, aber sie en­det nicht dort. Sie er­fasst un­se­re Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren, un­se­re Ar­beits­pro­zes­se und un­se­re Rechts­set­zung. Sie schafft Trans­pa­renz, ent­bü­ro­kra­ti­siert und be­schleu­nigt. Mit zu­neh­men­dem Fach­kräf­te­man­gel, der Zu­spit­zung der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung, liegt in der Di­gi­ta­li­sie­rung ei­ne Ant­wort auf die be­vor­ste­hen­den Her­aus­for­de­run­gen. Ver­wal­tungs­di­gi­ta­li­sie­rung hat vie­le Aspek­te, die für das Ge­mein­wohl wich­tig sind: von der Si­cher­heit der IT-Sys­te­me bis zur Be­reit­stel­lung von di­gi­ta­len Mög­lich­kei­ten zur po­li­ti­schen Be­tei­li­gung für Bür­ge­rin­nen und Bür­ger. Dar­um muss die Fort­ent­wick­lung der Ver­wal­tungs­di­gi­ta­li­sie­rung ganz­heit­lich ge­dacht und kon­se­quent um­ge­setzt werden. 

(Un)Erreichbarkeit

Dass im­menses Po­ten­zi­al im di­gi­ta­len Staat steckt, steht au­ßer Fra­ge. Doch wie­so kommt es bei den Bürger:innen nicht an? Die Ar­beit und Res­sour­cen, die in die Di­gi­ta­li­sie­rung des Staa­tes flie­ßen, sind die Ba­sis für un­ser ge­mein­sa­mes Ziel: ei­ne rei­bungs­lo­se Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Be­hör­den und Bürger:innen. Doch die Na­vi­ga­ti­on durch Lan­de­spor­ta­le mit tau­sen­den In­for­ma­tio­nen ist oft schwie­rig, zeit­auf­wen­dig und müh­sam. Hin­zu kom­men sprach­li­che Hür­den, feh­len­de Bar­rie­re­frei­heit und kur­ze Öff­nungs­zei­ten vor Ort. Ge­nau hier se­hen wir gro­ße Chan­cen in KI-ba­sier­ten Chat­bots. Sie bie­ten die Mög­lich­keit, mehr­spra­chig, bar­rie­re­frei und rund um die Uhr zu hel­fen. Das ist Hil­fe, die auch wirk­lich an­kommt. Denn sie ist für al­le Bürger:innen nutz­bar, ob über Whats­app, In­sta­gram oder die ei­ge­ne lo­ka­le Web­sei­te – und das DSGVO-kon­form. Ge­ra­de in Kri­sen­zei­ten ist es es­sen­zi­ell, In­fos mög­lichst ef­fek­tiv für al­le be­reit­zu­stel­len. Ne­ben dem Be­ant­wor­ten von Fra­gen zu Co­ro­na oder der Ukrai­ne hilft der Chat­bot auch bei der Pass­be­an­tra­gung, Män­gel wer­den in­klu­si­ve Stand­ort schnell ge­mel­det und der nächs­te Ter­min ist bin­nen Se­kun­den ge­macht. Die Mög­lich­kei­ten sind schier un­end­lich und Bei­spie­le wie der Land­kreis Re­gens­burg zei­gen dies. Da­mit Deutsch­land mit der Di­gi­ta­li­sie­rung er­folg­reich ist, muss In­fra­struk­tur­pla­nung Hand in Hand mit Be­nut­zungs­freund­lich­keit ge­hen. Nur so kön­nen wir das Po­ten­zi­al der Di­gi­ta­li­sie­rung ausschöpfen. 

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Matthias Clad 

Mit­grün­der vi­ind GmbH 

Martin Kaloudis 

Chief Exe­cu­ti­ve Of­fi­cer BWI 

Zwischen Tempo und Sicherheit

Bei der Di­gi­ta­li­sie­rung der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung ist Wett­be­werbs­fä­hig­keit und Si­cher­heit ge­fragt. Da­bei gilt es, staat­li­che di­gi­ta­le Sou­ve­rä­ni­tät zu wah­ren, Ab­hän­gig­kei­ten zu re­du­zie­ren und Wahl­frei­heit in der Tech­no­lo­gie her­zu­stel­len. An­de­rer­seits ist es wich­tig, Ge­schwin­dig­keit auf­zu­neh­men bei der Ein­füh­rung von Funk­tio­na­li­tä­ten. In­dus­trie­un­ter­neh­men pa­cken die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on längst an. An­ders in der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung: Hier kommt die Di­gi­ta­li­sie­rung nur lang­sam vor­an, ob­wohl sie in­no­va­ti­ve Stan­dard­lö­sun­gen der In­dus­trie nicht neu er­fin­den muss. Pro­zes­se, Auf­ga­ben und Nut­zer­an­for­de­run­gen glei­chen sich oft. Als Di­gi­ta­li­sie­rungs­part­ner der Bun­des­wehr son­die­ren wir Tech­no­lo­gien am Markt und stel­len sie der Bun­des­wehr so zur Ver­fü­gung, dass sie schnel­ler nutz­bar wer­den – aber eben oh­ne Kom­pro­mis­se, was Si­cher­heit und Sou­ve­rä­ni­tät an­geht. So stel­len wir zum Bei­spiel seit 2020 mit dem Bw­Mes­sen­ger ei­nen ei­ge­nen, si­che­ren Mes­sen­ger für die dienst­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on zur Ver­fü­gung, er­mög­li­chen die Ver­mitt­lung von Aus­bil­dungs­in­hal­ten via VR, er­ar­bei­ten Lö­sun­gen, um KI für die Ent­schei­dungs­fin­dung zu nut­zen, und op­ti­mie­ren zeit­fres­sen­de Rou­ti­ne­tä­tig­kei­ten durch di­gi­ta­li­sier­te Pro­zes­se. Die Wir­kung sol­cher Lö­sun­gen en­det aber nicht am Tor der Lie­gen­schaft, sie kön­nen auch Blau­pau­sen für die staat­li­che Ver­wal­tung sein. Hier müs­sen wir in Deutsch­land bes­ser dar­in wer­den, von­ein­an­der zu ler­nen. Die Idee des di­gi­ta­len Staa­tes ist so­mit Chan­ce und Her­aus­for­de­rung zugleich. 

Mehrwert

Was sich Kommunen von den eigenen Digitalisierungmaßnahmen erwarten

Quel­le: In­itia­ti­ve Stadt.Land.Digital

Durchweg digital

Al­le spre­chen der­zeit über die Wei­ter­ent­wick­lung das On­line­zu­gangs­ge­set­zes (OZG) für den Zeit­raum ab 2023. Das ist auch gut so, denn das OZG ist ein wich­ti­ger Mei­len­stein auf dem Weg zu ei­nem mo­der­nen, kri­sen­fes­ten und zu­kunfts­si­che­ren Staat. Der en­det je­doch nicht da­mit, al­le bis­he­ri­gen Ver­wal­tungs­leis­tun­gen di­gi­tal in der Flä­che an­zu­bie­ten. Der Wan­del muss tief­grei­fen­der sein. Denn die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on hat das Po­ten­zi­al, un­ser Ver­ständ­nis von ei­nem bür­ger­zen­trier­ten und ser­vice­ori­en­tier­ten Staat grund­le­gend zu ver­än­dern. Obers­tes Ziel ist die Be­reit­stel­lung von An­ge­bo­ten, die den All­tag der Men­schen ver­bes­sern und ein in­no­va­ti­ons­freund­li­ches Um­feld für Un­ter­neh­men schaf­fen. Ver­wal­tungs­pro­zes­se müs­sen von Grund auf neu ge­dacht und aus­ge­rich­tet wer­den. Nur so schaf­fen wir es, pro­ak­ti­ves, trans­pa­ren­tes und ef­fi­zi­en­tes Ver­wal­tungs­han­deln zu eta­blie­ren. Zum Bei­spiel kann dank di­gi­ta­ler Tech­no­lo­gien die Ver­wal­tung auf Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in be­stimm­ten Le­bens­si­tua­tio­nen zu­ge­hen und ih­nen Leis­tun­gen ein­fach zu­gäng­lich ma­chen, wo sie bis­her selbst ak­tiv und an der rich­ti­gen Stel­le vor­stel­lig wer­den müs­sen – et­wa bei der Ge­burt ei­nes Kin­des. Eben­so soll­ten wir je­der­zeit on­line mit­ver­fol­gen kön­nen, in wel­chem Be­ar­bei­tungs­schritt sich ein von uns an­ge­sto­ße­ner Ver­wal­tungs­pro­zess, zum Bei­spiel ein Bau­an­trag, be­fin­det, wel­che Da­ten Be­hör­den da­bei un­ter­ein­an­der aus­ge­tauscht ha­ben und wann mit ei­nem Ab­schluss des Ver­fah­rens zu rech­nen ist. 

Marc Danneberg 

Be­reichs­lei­ter Pu­blic Sec­tor, Bitkom 

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Peter Wüst 

Vice Pre­si­dent und Ge­schäfts­füh­rer, NetApp Deutschland 

Rein in die Cloud

Die Vi­si­on 2030 des Welt­wirt­schafts­fo­rums zeigt auf: 70 Pro­zent der 169 Nach­hal­tig­keits­zie­le der Ver­ein­ten Na­tio­nen kön­nen durch fort­schritt­li­che Tech­no­lo­gie un­ter­stützt wer­den. Wie sehr es da­bei auf das rich­ti­ge Da­ten­ma­nage­ment an­kommt, zei­gen Stu­di­en: Ak­tu­ell wer­den fast 70 Pro­zent der ge­spei­cher­ten Da­ten nie­mals ver­wen­det. Gleich­zei­tig sind sie enor­me CO2-Trei­ber, da die Spei­cher­sys­te­me und Kühl­an­la­gen in den Re­chen­zen­tren viel Strom ver­brau­chen. Wenn Un­ter­neh­men und der Staat nicht wis­sen, über wel­che Da­ten sie ver­fü­gen und wie viel CO2 sie er­zeu­gen, kön­nen sie die­se we­der nach­hal­tig ma­na­gen noch sinn­voll für die Un­ter­neh­mens­zie­le oder für die Zie­le der Ge­sell­schaft nut­zen. Da­bei soll­te an­ge­sichts un­se­rer öko­lo­gi­schen Her­aus­for­de­run­gen Nach­hal­tig­keit obers­te Prio­ri­tät ha­ben. Aus die­sem Grund ent­wi­ckeln wir von NetApp als Cloud-Kon­zern en­er­gie­ef­fi­zi­en­te Tech­no­lo­gien, mit de­nen die Da­ten­nut­zung si­gni­fi­kant ver­bes­sert wird – was sich auch in nied­ri­gen CO2-Emis­sio­nen und En­er­gie­kos­ten nie­der­schlägt. Das au­to­ma­ti­sier­te Ver­schie­ben von Da­ten in spar­sa­me­re Spei­cher­me­di­en oder Stand­or­te, ei­ne ho­he Aus­las­tung be­stehen­der Sys­te­me und ei­ne Ver­rin­ge­rung der Da­ten­men­ge sind kon­kre­te Bau­stei­ne. Un­ter­stüt­zung lie­fern KI-Ana­ly­sen, die wich­ti­ge Da­ten er­ken­nen und un­ge­nutz­te für ei­ne bes­se­re CO2-Bi­lanz au­to­ma­ti­siert ver­la­gern. Auch in­tern set­zen wir ho­he Nach­hal­tig­keits­zie­le und sen­ken un­se­re Treib­haus­gas­emis­sio­nen um 50 Pro­zent bis zum Jahr 2030. Wir sind da­von über­zeugt: Ein di­gi­ta­ler, Cloud-af­fi­ner Staat kann ei­ne gi­gan­ti­sche Stell­schrau­be für den Kampf ge­gen den Kli­ma­wan­del sein. 

Ganzheitlich auf Angriffe vorbereitet

Ge­ra­de die Sa­bo­ta­ge­ak­te auf die Ost­seepipe­lines und die Deut­sche Bahn ha­ben ge­zeigt: In den heu­ti­gen Zei­ten, die durch Mehr­fach­kri­sen ge­kenn­zeich­net sind, darf der Schwer­punkt nicht nur auf der Si­cher­heit ge­gen Cy­ber­an­grif­fe lie­gen. Um ei­ne an­ge­mes­se­ne Si­cher­heit zu ge­währ­leis­ten, müs­sen auch An­grif­fe aus der Luft, zum Bei­spiel durch Droh­nen, zu Lan­de, wie die Über­win­dung des Pe­ri­me­ter­schut­zes, und Un­ter­was­ser, et­wa über fern­ge­steu­er­te U‑Boote, in die Ri­si­ko­ana­ly­se und die Ana­ly­se der Aus­wir­kun­gen auf die Ver­sor­gung der Be­völ­ke­rung ein­be­zo­gen wer­den. Na­tür­lich kön­nen auch Cy­ber-Be­dro­hun­gen nicht igno­riert wer­den. Um ein Un­ter­neh­men wi­der­stands­fä­hig zu ma­chen, ist der Auf­bau ei­nes Busi­ness Con­ti­nui­ty Ma­nage­ment (BCM) der bes­te Weg. Un­ter BCM ver­steht man al­le Maß­nah­men, die da­zu die­nen, Or­ga­ni­sa­tio­nen auf mög­li­che kri­ti­sche Be­triebs­un­ter­bre­chun­gen vor­zu­be­rei­ten, die­se früh­zei­tig zu er­ken­nen, pro­fes­sio­nell zu ma­na­gen und sys­te­ma­tisch nach­zu­be­rei­ten. Kern­zie­le des BCM sind die Stär­kung der Wi­der­stands­fä­hig­keit durch Not­fall­vor­sor­ge (Busi­ness Re­si­li­en­ce), die Über­brü­ckung von Aus­fäl­len durch recht­zei­ti­ge Not­fall­re­ak­ti­on (Busi­ness Con­ti­nui­ty) und die Wie­der­her­stel­lung von Pro­zes­sen durch Not­fall­ma­nage­ment (Busi­ness Re­co­very). Ein ganz­heit­li­ches BCM ist dem­nach in der La­ge, al­le hy­bri­den Be­dro­hun­gen und de­ren Aus­wir­kun­gen früh­zei­tig zu er­ken­nen und die Fol­gen zu minimieren. 

Holger Berens 

Vor­stands­vor­sit­zen­der Bun­des­ver­band für den Schutz Kri­ti­scher In­fra­struk­tu­ren (BSKI)

Norbert Pohlmann 

Pro­fes­sor für Cy­ber­si­cher­heit und Lei­ter In­sti­tut für In­ter­net-Si­cher­heit, West­fä­li­sche Hochschule 

Digital selbstbestimmt

Si­che­re di­gi­ta­le Iden­ti­tä­ten sind ei­ne wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für ei­ne ver­trau­ens­wür­di­ge di­gi­ta­le Zu­kunft. Aus die­sem Grund wird in Eu­ro­pa von Po­li­tik und In­dus­trie ge­ra­de eru­iert, wel­che Kon­zep­te hier ge­eig­net sind. Die Vi­si­on ist, dass je­der EU-Bür­ger ei­ne si­che­re di­gi­ta­le Iden­ti­tät er­hält, die auf ei­nem un­ab­hän­gi­gen eu­ro­päi­schen Öko­sys­tem auf­baut. Die­ser Schritt ist not­wen­dig, da der­zeit zen­tra­le ID-Pro­vi­der wie Goog­le, Face-book und Ap­ple do­mi­nie­ren, was kon­tra­pro­duk­tiv ist im Sin­ne ei­nes frei­en Fort­gangs der Di­gi­ta­li­sie­rung in Eu­ro­pa. Zu­dem nut­zen die­se die sen­si­blen per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten der Nut­zer für ei­ge­ne ge­winn­ori­en­tier­te Zie­le und schwä­chen so de­ren Pri­vat­sphä­re. Als Al­ter­na­ti­ve zu die­sem un­ter­neh­mens­zen­trier­ten Kon­zept wird das nut­zer­zen­trier­te Kon­zept Self-So­v­er­eign Iden­ti­ty (SSI) dis­ku­tiert. Bei SSI be­sit­zen Nut­zer ih­re di­gi­ta­len Iden­ti­tä­ten und kon­trol­lie­ren sie selbst. Folg­lich sind sie kom­plett un­ab­hän­gig von Dritt-In­stan­zen und ent­schei­den ei­gen­stän­dig, wem sie wel­che Iden­ti­täts­da­ten zur Ver­fü­gung stel­len, da al­le Iden­ti­täts­da­ten in ih­rer SSI-Wal­let si­cher ge­spei­chert wer­den. Mit­hil­fe von Ze­ro Know­ledge Pro­ofs kön­nen zu­sätz­lich se­lek­tiv At­tri­bu­te be­wie­sen wer­den – et­wa, dass ei­ne Per­son über 18 Jah­re alt ist – oh­ne de­ren Ge­burts­da­tum nen­nen zu müs­sen. SSI er­mög­licht ein eu­ro­päi­sches ID-Öko­sys­tem mit ei­nem ho­hen Grad an Pri­vat­sphä­re und wer­te­ori­en­tier­ten IT-Diens­ten, was Ver­trau­en bei Bür­gern und Un­ter­neh­men schafft. 

Die Nachfrage wird steigen

Es gibt im­mense Di­gi­ta­li­sie­rungs­po­ten­zia­le, die nur dar­auf war­ten, aus­ge­schöpft zu wer­den. Na­tür­lich sind wir ak­tu­ell von ei­ner bun­des­wei­ten Di­gi­ta­li­sie­rung noch weit ent­fernt, aber ich glau­be ganz fest dar­an, dass uns dies ge­lin­gen kann, wenn wir nur mehr ins Han­deln kom­men. Chan­cen aus der Di­gi­ta­li­sie­rung er­ge­ben sich in al­len Be­rei­chen, dar­un­ter auch ins­be­son­de­re im öf­fent­li­chen Dienst. Durch den Fach­kräf­te­man­gel gibt es in der Ver­wal­tung deut­lich mehr Ar­beit als ver­füg­ba­re Res­sour­cen. Stu­di­en zu­fol­ge könn­ten 2030 mehr als ei­ne Mil­lio­nen Fach­kräf­te im öf­fent­li­chen Sek­tor feh­len – oh­ne ge­eig­ne­te Ge­gen­maß­nah­men. Das Gu­te ist: Es gibt sie. Al­lein mit di­gi­ta­li­sier­ten Pro­zes­sen kön­nen er­heb­li­che Ef­fi­zi­enz­stei­ge­run­gen rea­li­siert wer­den, et­wa wenn aus Pa­pier­ak­ten di­gi­ta­le Ak­ten wer­den. Doch nicht nur in der Ver­wal­tung ist die Di­gi­ta­li­sie­rung be­rei­chernd. Auch bei al­lem, was mit räum­li­chen In­for­ma­tio­nen – Stich­wort Geo­da­ten und Smart Ci­ty – zu tun hat, wird die Nach­fra­ge nach di­gi­ta­len Lö­sun­gen stark zu­neh­men. Glei­ches gilt für den Kli­ma- und Na­tur­schutz. Hier kön­nen di­gi­ta­le Ana­ly­sen und Aus­wer­tun­gen von räum­li­chen Da­ten Fol­gen des Kli­ma­wan­dels ab­fe­dern. Ei­ne Di­gi­ta­li­sie­rung wird ins­be­son­de­re die­se Sek­to­ren auf ein neu­es Pro­fes­sio­na­li­sie­rungs­le­vel he­ben. Ver­hee­ren­de Er­eig­nis­se wie Flut­ka­ta­stro­phen kön­nen bei­spiels­wei­se durch smar­te Ana­ly­sen vor­aus­ge­se­hen und ver­hin­dert werden. 

Jann Wendt 

Di­gi­tal Entrepreneur 

Bedarf für digitale Angebote

Diese Verwaltungsleistungen sind besonders gefragt 

Quel­le: In­itia­ti­ve D21 

Mario Hesse 

Wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter In­sti­tut für öf­fent­li­che Fi­nan­zen und Pu­blic Ma­nage­ment, Uni­ver­si­tät Leipzig 

Die Effizienz steigt

Im All­tag sind wir von ei­ner Viel­zahl di­gi­ta­ler Lö­sun­gen um­ge­ben. Die Ver­wal­tung scheint dem­ge­gen­über auch heu­te viel­fach noch am Pa­pier zu kle­ben. Aber das be­deu­tet nicht, dass in den Amts­stu­ben des Bun­des, der Län­der und der Kom­mu­nen in die­ser Hin­sicht nichts pas­siert. Nach un­se­ren Stu­di­en­ergeb­nis­sen se­hen be­son­ders die Kom­mu­nen durch­aus die Vor­tei­le, die in ei­ner di­gi­ta­len Ver­wal­tung ste­cken. Durch die Di­gi­ta­li­sie­rung sind heu­te vie­le Pro­zes­se mög­lich, die in der ana­lo­gen Welt nur mit ei­nem enor­men Per­so­nal­auf­wand oder über­haupt nicht mög­lich wä­ren. Man den­ke nur an die Su­che in di­gi­ta­len Do­ku­men­ten oder das Zu­sam­men­füh­ren von In­for­ma­tio­nen aus ver­schie­de­nen Quel­len. Schon sehr in­ten­siv durch IT durch­setzt ist da­her die Hand­ha­bung gro­ßer Da­ten­men­gen, et­wa in der Fi­nanz­ver­wal­tung, der Bau­ver­wal­tung oder al­len Pro­zes­sen, die mit Pla­nung zu tun ha­ben. Nicht zu­letzt hat die Co­ro­na-Pan­de­mie in den letz­ten Jah­ren ei­ni­ge Schwach­stel­len auf­ge­deckt, aber auch ei­ni­ges be­schleu­nigt. Un­se­re For­schungs­er­geb­nis­se zei­gen, dass die Ver­wal­tun­gen be­son­ders in der Au­to­ma­ti­sie­rung von Rou­ti­ne­ar­bei­ten Vor­tei­le er­kannt ha­ben, wo­durch per­so­nel­le Res­sour­cen für die Be­ar­bei­tung kom­ple­xe­rer The­men frei wer­den. Es geht al­so nicht die Angst vor dem Job­ver­lust um, wenn Ak­ten zu­künf­tig di­gi­tal ge­führt wer­den. Die Di­gi­ta­li­sie­rung ist nicht nur ei­ne Ser­vice­leis­tung für Bürger:innen, sie ist ein Er­mög­li­cher für ei­ne ef­fi­zi­en­te Staatstätigkeit. 

Carsten Messer

Leser

Es geht voran 

Letz­tes Jahr ha­be ich mei­ne Steu­er­erklä­rung zum ers­ten Mal ab­ge­ge­ben, oh­ne sie vor­her aus­zu­dru­cken und zu un­ter­schrei­ben. Ver­sen­det wur­de sie on­line und ve­ri­fi­zie­ren konn­te ich mich über mein Mo­bil­te­le­fon. Auch die Rech­nun­gen für mei­ne Kran­ken­kas­se muss­ten in der Ver­gan­gen­heit im­mer im Ori­gi­nal und per Post ver­schickt wer­den. Heu­te reicht ein Fo­to über die App und zwei Ta­ge spä­ter sind die Kos­ten schon er­stat­tet. Das Po­ten­zi­al scheint rie­sig, es muss nur ge­nutzt werden. 

Tina Springer

Leserin

Ein ler­nen­der Staat weiß, was er mit di­gi­ta­len An­ge­bo­ten er­rei­chen kann. 

Aus Corona lernen

Deutsch­land er­lebt im Jahr 2022 ein Ne­ben­ein­an­der gra­vie­ren­der Kri­sen: En­er­gie­kri­se, stei­gen­de Zah­len von Ge­flüch­te­ten so­wie die im­mer noch nicht über­wun­de­ne Co­ro­na-Pan­de­mie. Deutsch­lands Kom­mu­nen sind in­zwi­schen seit mehr als zwei Jah­ren im Kri­sen­mo­dus. In al­len die­sen Si­tua­tio­nen könn­ten di­gi­ta­le Werk­zeu­ge in ei­nem di­gi­ta­len Staat deut­lich ent­las­tend wir­ken. Be­son­ders deut­lich wa­ren die Aus­wir­kun­gen des Feh­lens di­gi­ta­ler Hil­fen wäh­rend der Hoch­pha­se der Co­ro­na-Pan­de­mie zu be­ob­ach­ten: Zah­len­cha­os und Zet­tel­wirt­schaft in den Ge­sund­heits­be­hör­den, ver­zö­ger­te Mel­de­we­ge und ein feh­len­der Über­blick über die La­ge in den Kran­ken­häu­sern. Dies al­les führ­te zu ei­nem ho­hen Per­so­nal­be­darf und ei­ner kräf­te­rau­ben­den Ar­beits­be­las­tung für die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter. Durch­ge­hend di­gi­ta­le Pro­zes­se und Mel­de­we­ge hät­ten hier ei­nen er­heb­li­chen Bei­trag zur Ent­las­tung leis­ten kön­nen und wirk­li­chen Nut­zen ge­stif­tet: für die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, das me­di­zi­ni­sche Per­so­nal, die Po­li­tik und nicht zu­letzt auch für die ein­ge­setz­ten Be­schäf­tig­ten in der Ver­wal­tung. Al­lein die­ses Bei­spiel zeigt, wie groß das Po­ten­zi­al der Di­gi­ta­li­sie­rung ist – auch und ge­ra­de für Ver­net­zung und In­for­ma­ti­ons­wei­ter­ga­be zwi­schen ver­schie­de­nen staat­li­chen Ebe­nen. Denn der Be­reich der Ge­sund­heits­be­hör­den ist kei­nes­wegs der ein­zi­ge Sek­tor, bei dem ein im­menser Nach­hol­be­darf be­steht. Wer das nicht glaubt, mö­ge ein­mal an das The­ma Bil­dung wäh­rend der Pan­de­mie denken. 

Alexander Handschuh 

Spre­cher Grund­satz- fra­gen Di­gi­ta­li­sie­rung, Deut­scher Städ­te- und Gemeindebund 

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