Was stärkt unsere Gesellschaft?

Antwort von Susanne Tyll

Selbstverständlich ist, dass hinter dem Tresen von Apotheken gut ausgebildete oder studierte Men-schen stehen, die über Risiken und Nebenwirkungen der Arzneimittel beraten. Genauso gewohnt ist, dass Apotheken im Quartier sind. Selbstverständlich muss hinter dem Tresen der „Apotheken des Geistes“, wie es der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn nannte, hauptamtliches, gut ausgebildetes Bibliothekspersonal stehen, das die Besucher passgenau und professionell zu ihren jeweiligen Wünschen und Bedürfnissen berät. Umso wichtiger ist das, da sich in den ersten Lebensjahren entscheidet, ob Menschen ans Lesen her-angeführt werden oder nicht. Städtische Büchereien müssen für alle genauso gut erreichbar sein wie Apotheken, insbesondere für ältere Menschen, Kinder, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, Fami-lien mit und ohne Migrationsgeschichte sowie Personen mit geringem Einkommen. In unserem Arbeitskreis „Erhalt Bücherei Uerdingen“ mit zehn lesefreudigen, engagierten Frauen und Männer setzen wir uns seit 2010 für den Erhalt und seit Mai 2013 für die Wiedereröffnung der städti-schen Nebenstelle der Bücherei in einem Quartierszentrum in Krefeld-Uerdingen ein. Seit der Schlie-ßung der Bücherei fanden bei jeder Witterung ununterbrochen 172 Montagslesungen statt. Bisher ha-ben Menschen im Alter von 7 bis 95 Jahren vorgelesen. Zu den Lesungen kommen zwischen 15 und 70 Personen. Denn unsere Gesellschaft braucht Geist.