Wie leben wir morgen?

Antwort von Axel Haverich

Unsere demographische Entwicklung gepaart mit den sich ständig verbessernden Ergebnissen der Transplantation bei Älteren steigert den Bedarf an Transplantaten stetig. Demgegenüber kann die Organspende nicht gesteigert werden. Das entstehende Defizit in der Versorgung von Kranken mit nicht reversiblem Organausfall wächst daher kontinuierlich. Überbrückende technische Verfahren wie die Dialyse und Kunstherzen bleiben bei Überlebensraten und Lebensqualität abgeschlagen hinter den Ergebnissen der Organtransplantation zurück. In vielen Forschungszentren werden daher Alternativen zur Transplantation gesucht, die man unter dem Stichwort Biofabrikation zusammenfassen kann. Hierbei geht es um bio-artefiziell hergestellte Gewebe basierend auf Stammzell-Verfahren, die erkrankte Organe reparieren oder ersetzen. Beispiele hierfür sind die Reparatur einer Lunge mittels Austausch erkrankter Zellen durch gesunde, außerhalb des Körpers in Bioreaktoren. Hier erhält der Kranke das Organ nach Reparatur zurück. De novo erstellte Gewebe aus gezüchteten Zellen, kombiniert mit dem Einsatz gedruckter, zellfreier Gerüststrukturen sind der zweite Weg, auf dem ein Organversagen demnächst patienten-spezifisch therapiert wird. Heute noch in tierexperimenteller Erprobung, werden dies Behandlungsmethoden der Zukunft sein. Falls sicher genug, werden wir sie auch als Teilersatz in frühen Krankheitsstadien einsetzen, bestimmt aber in jenen Kranken, die durch ein komplettes Organversagen bedroht sind.