Wie leben wir morgen?

Antwort von Heike Trappe

Unsere Lebenserwartung steigt und nach Aussagen von Demografen ist kein Ende dieses Trends in Sicht. Die verlängerte Lebenszeit hat Auswirkungen auf unser Familienleben. Entscheidungen für verbindliche Partnerschaften oder für eine Elternschaft werden tendenziell später getroffen, so dass vorher mehr Zeit für das Erproben verschiedener Lebensformen bleibt. Assistierte Reproduktionstechnologien werden vermutlich auch künftig nicht dazu führen, dass biologische Grenzen der menschlichen Reproduktion gänzlich an Bedeutung verlieren. Sie werden jedoch dazu beitragen, dass sich die reproduktive Lebensspanne verlängert, beispielsweise durch „Social Freezing“. Im Anschluss an eine Trennung oder den Verlust eines Partners begünstigt die verlängerte Lebenszeit auch im höheren Lebensalter das erneute Eingehen einer Partnerschaft, die soziale oder biologische Übernahme von Elternverantwortung und damit die Zunahme komplexer Familienkonstellationen. Veränderte Erwartungen an Großeltern, die prinzipiell mehr gemeinsame Lebenszeit mit ihren Enkeln teilen als jemals zuvor, gehen damit einher. Herausforderungen für ein gelingendes Familienleben stellen sich in jeder Lebensphase neu. Während bislang der öffentliche Diskurs und die Familienpolitik überwiegend auf die Lebensphase mit kleinen Kindern ausgerichtet sind, sollte künftig eine faire Aufteilung von Erwerbsarbeit, Freizeit und Fürsorgetätigkeiten über die gesamte Lebensspanne angestrebt werden.